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Hochgerechnet, viel gesendet
22. Oktober 2007, 10:43 Von Lukas HäuptliFernsehen und Radio berichten auch, wenn es nichts zu berichten gibt: der Wahlsonntag mit Zürichs elektronischen Medien.
Zürich. – Zürichs Wahlsieger heisst Peter Moser. Zumindest Zürichs heimlicher Wahlsieger, denn der Mitarbeiter des kantonalen statistischen Amts stand auf keiner Wahlliste. Dafür jonglierte er einen langen Sonntag lang mit allerlei «Modellierungen», «Punktschätzungen» und «Vertrauensintervallen» und zauberte immer wieder die Wundermittel aus dem Ärmel, die einen Wahltag erst zu einem zwölfstündigen Medienmarathon machen: die Hochrechnungen.
Medialer Zahltag
Was würden die elektronischen Medien ohne Hochrechnungen machen? Berichten erst, wenn wirklich Aussagekräftiges vorliegt? Endresultate gar? Undenkbar. Wahltag ist medialer Zahltag, und deshalb senden Fernsehen und Radio, was das Zeug hält – auch wenn noch nichts feststeht. Säulendiagramme von Hochrechnungen, Kreisdiagramme von Hochrechnungen, Hochrechungen in absoluten Zahlen, Hochrechnungen in prozentualen Zahlen.
Kurz vor 12.30 Uhr hatte Peter Moser erstmals vorgerechnet: Felix Gutzwiller wird bereits im ersten Wahlgang in den Ständerat gewählt, Ueli Maurer nicht, Chantal Galladé nicht, Verena Diener nicht. Es war während fast vier Stunden der Nährboden für alle medialen Schlagzeilen, Spekulationen und Schlussfolgerungen aus dem Kanton Zürich. Die Regionalstudios von Schweizer Fernsehen und Schweizer Radio, der Lokalsender Tele- Züri, die Lokalradios 24, Energy und Zürisee kämpften sich mit Rückschauen auf den vergangenen Wahlkampf, Vorschauen auf die vermeintlichen Wahlresultate und aussagelosen Einzelresultaten durch die Neuigkeitenödnis. Politologen verloren sich eloquent, aber nichts sagend im «Vermutlich» und «Voraussichtlich», Moderatoren füllten den nachrichtenlosen Nachmittag mit Redegeschwindigkeit und Intonationsdramatik, die Nachrichtensprecherin eines Lokalradios vermeldete das Resultat der Nationalratswahl nach Auszählung von einem Prozent aller Stimmen: «Die SVP macht 47 Prozent.»
Zum Glück gabs Peter Moser: Kurz nach 16 Uhr lieferte er die zweite Hochrechnung, seine erste zu den Nationalratswahlen: SVP gewinnt 2,5 Prozent, SP verliert 7,9. Und wieder wurde analysiert, interpretiert, prognostiziert. Je schneller, desto besser, schliesslich ist Geschwindigkeit mittlerweile die härteste Währung im News-Business. Nicht zufällig wirbt ein Lokalradio mit dem Slogan: «Immer fünf Minuten besser.» Selbst die erste NichtNachricht sendete es fünf Minuten vor allen anderen: «Die SVP wird wahrscheinlich gewinnen.»
«Viel Spass mit der Hochrechnung»
Um 17.49 Uhr stand fest: Felix Gutzwiller war definitiv gewählt. Doch Peter Moser rechnete weiter: zum zweiten Mal die Parteienstärke für den Nationalrat (kurz vor sechs), zum ersten Mal die gewählten Nationalräte (kurz nach sechs). Und so ging es weiter, bis der kantonale Beamte endlich ausgerechnet hatte und alle Endresultate feststanden. Zumindest die elektronischen Medien freuen sich auf die nächsten Wahlen, wenn Peter Moser wieder verheisst, was er am Sonntag auf die amtliche Internetseite geschrieben hat: «statistics in action – viel Spass mit der Hochrechnung des Statistischen Amts.»
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