Die SVP hat weitaus die treusten Wähler
01. November 2007, 07:29 Von Ruedi BaumannSVP-Wähler nahmen kaum andere Kandidaten auf ihre Liste. Und wenn schon, dann FDPler. Die Freisinnigen ihrerseits wählten allen Unkenrufen zum Trotz brav bürgerlich.
Zürich. – Seit gestern Mittwoch rechnen die Parteistrategen, bis die Köpfe rauchen. Die Panaschierstatistik des Statistischen Amts liefert eine Menge von Informationen, um Siege und vor allem Niederlagen zu deuten. Interessant ist die Frage, welche Wähler welchen anderen Parteien Stimmen abgegeben haben. Berücksichtigt man der Einfachheit halber nur die Hauptlisten (also ohne Senioren- oder Jung-Listen), lautet die Bilanz: Wähler, die sich für die SVP-Liste entschieden, haben sehr wenig panaschiert.
Die SVP-Wähler haben nur 2,8% ihre Stimmpotenzials abgegeben. Die weitere Rangliste der treusten Wähler: FDP 6,7%, SP 7,9%, EVP 8,6%, CVP 9,1%, Grüne 12,2% und Grünliberale 12,5%. Bei Grünen und GLP ist der hohe Prozentsatz einfach zu erklären: Nach der Parteispaltung hat man sich noch nicht ganz festgelegt.
Nächste interessante Frage: Wohin gingen die Panaschierstimmen? Die nebenstehende Grafik gibt interessante Antworten darauf. SVP-Wähler, die sonst kaum Kandidaten anderer Parteien unterstützen, machten praktisch nur eine Ausnahme: mit FDP-Kandidaten. 61'935 Listenstimmen gingen an die FDP. Die FDP revanchierte sich mit 32'844 Listenstimmen aufs Konto der SVP. Das sind zwar nur gut halb so viele wie von der SVP. Weil die FDP aber mehr als zweieinhalbmal schwächer abgeschnitten hat, waren die freisinnigen Wähler proportional gesehen grosszügiger. Die FDP zeigte auch Sympathien für SP, GLP und CVP.
Die Adresse der Panaschierstimmen ist bei der FDP nach der erneuten Wahlniederlage politisch brisant. Sie zeigt nämlich, dass – zumindest die noch verbliebenen – FDP-Wähler klar nach rechts tendieren. Und wenn sie mit dem Wahlzettel etwas für den Umweltschutz tun wollen, dann wählen sie grünliberal statt grün.
Die grünliberalen Wähler ihrerseits verteilen Panaschierstimmen ziemlich querbeet. Die Sympathien für andere Parteien können auch etwas über den Ursprung dieser Wähler aussagen. Liebste GLP-Partei ist die SP, generös teilen die neuen GLP-Wähler aber auch an FDP und Grüne aus. Vielleicht kennen sie die Kandidaten, die panaschiert wurden, noch aus früheren Zeiten. Oder sie haben wegen des Parteiwechsels sogar ein schlechtes Gewissen.
Der grösste Panaschierstrom – in Relation zur Parteigrösse – floss von den Grünen zur SP: 69'855 Stimmen. Auch das kann heissen: Viele ehemalige SP-Wähler wählten nun grün. Nur 13 852 SP-Stimmen gingen dagegen an die Grünliberalen - ein Indiz, dass die Grünen noch immer sauer auf die abgespaltete Neupartei sind.
Diener gegen Galladé
Bei den Panaschierstimmen für die einzelnen Kandidaten interessiert, von welchen Parteien Chantal Galladé (SP) und Verena Diener (GLP) Fremdstimmen erhalten haben. Denn es wurde viel spekuliert, welche der beiden beim zweiten Wahlgang für den Ständerat das grössere Potenzial hat. Die Zahlen für Galladé bzw. Diener: SVP 1737/952, FDP 3551/1676, Grüne 9899/1624 und CVP 4518/1248. Allerdings kandidierte Galladé auf dem ersten Listenplatz, Diener auf dem letzten. Wenn man die Zahlen in Relation zum persönlichen Ergebnis der beiden bei den Nationalratswahlen stellt, hat Diener bei SVP und FDP relativ mehr Resonanz gefunden.
Viel sagt auch die Rangliste unter den Panaschierkönigen innerhalb der fremden Parteien aus:
SVP
1. Filippo Leutenegger (FDP) 13'202
2. Felix Gutzwiller (FDP) 10'618
3. Doris Fiala (FDP) 8854
4. Ruedi Noser (FDP) 6224
5. Martin Bäumle (GLP) 5301
SP
1. Ruth Genner (Grüne) 25'345
2. Daniel Vischer (Grüne) 21'185
3. Martin Bäumle (GLP) 11'673
4. Bastien Girod (Grüne) 9828
5. Kathy Riklin (CVP) 7514
FDP
1. Martin Bäumle (GLP) 7322
2. Kathy Riklin (CVP) 5144
3. Ueli Maurer (SVP) 3771
4. Chantal Galladé (SP) 3551
5. Toni Bortoluzzi (SVP) 2998
Grüne
1. Chantal Galladé (SP) 9899
2. Jacqueline Fehr (SP) 9077
3. Mario Fehr (SP) 6615
4. Anita Thanei (SP) 6611
5. Martin Bäumle (GLP) 6216
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