Herzspezialist fährt Verena Diener an den Karren

03. November 2007, 07:46 – Von Martin Gmür

Ein Kardiologe, der vor Jahren mit Thierry Carrel ans Uni-Spital hätte wechseln sollen, kritisiert Verena Dieners Führung in der Politik. Die Ständeratskandidatin räumt ein Versäumnis ein.

Zürich. – Paul Mohacsi gehört zu jenem Ärzteteam, das vor genau drei Jahren zum Spielball der Politik wurde. Erst führte die Uni Zürich mit dem Berner Herzchirurgen Thierry Carrel Verhandlungen, um ihn und sein Team nach Zürich zu holen. Dann liess die damalige Gesundheitsdirektorin Verena Diener verlauten, am Uni-Spital keine Herztransplantationen mehr durchführen zu wollen. Ein halbes Jahr später hielt die Zürcher Regierung doch wieder daran fest: Zwei Zentren sollte es landesweit geben, je eines in Zürich und der Romandie. Aber nicht in Bern, wo Carrels Team arbeitet. Die Berner Ärzte mussten sich doppelt düpiert fühlen.

Diese Geschichte ist längst passé, und die Medien haben in extenso darüber geschrieben. Die damalige Gesundheitsdirektorin Verena Diener kam dabei nicht gut weg. Auch der TA kritisierte sie.

Qualifikation in Frage gestellt

Nun kommt Diener wegen ihrer damaligen Rolle – aber nun als Städeratskandidatin – erneut unter Beschuss. Paul Mohacsi, einer jener Ärzte und damals wie heute in Herrliberg zu Hause, äussert sich in einem Leserbrief an den TA kritisch über Diener: Sie habe «die Gabe, auch sehr heikle Fragen cool und mit strenger Miene zu verdrehen» und er frage sich, «ob dies die Qualifikation für eine Ständerätin ist», heisst es im Brief. Die früher kollegiale Zusammenarbeit zwischen den Universitätsspitälern Bern und Zürich sei seither belastet, und es bestehe «ein erbitterter Kampf um die Herztransplantationen und andere Gebiete der kardiovaskulären Spitzenmedizin». Doch niemand übernehme die politische Verantwortung für dieses Desaster. Der damaligen Verantwortlichen, Verena Diener, wirft Mohacsi vor, die Frage nicht vorgängig im Regierungsrat und mit den direkt Betroffenen im Universitätsspital Zürich diskutiert zu haben.

Im Gespräch braucht der Kardiologe das Wort Wendehalspolitik. Seine Motivation, Diener drei Jahre nach den Vorfällen anzugreifen, umschreibt Mohacsi so: «Als Stimmbürger im Kanton Zürich kann ich nach diesen Erfahrungen Frau Diener meine Stimme nicht geben. Das will ich auf diesem Weg publik machen.» Er habe den Brief aus eigenem Antrieb geschrieben und sei von niemandem dazu animiert worden, beteuert er. Damit widerspricht er dem Verdacht, bürgerliche Politiker könnten hinter dem Plan stecken, Diener mit schmutziger Wäsche im Wahlkampf um den zweiten Ständeratssitz zu schaden.

Auslöser sei für ihn vielmehr die Aussage von TA-Chefredaktor Peter Hartmeier auf «Tele Züri» gewesen, wonach es Leute gebe, die sagen, dass je mehr man mit Frau Diener zusammenzuarbeiten habe, umso kritischer sie wahrgenommen werde.

«Hätte Regierung einbinden müssen»

Mit den alten Vorwürfen im Leserbrief konfrontiert, sagt Diener: «Zurzeit füllen Hunderte Leserbriefe zu den Wahlen die Zeitungen. Es ist mir unmöglich, zu allen Stellung zu nehmen.» Das Thema Spitzenmedizin sei in den letzten Jahren aus allen Blickwinkeln abgehandelt worden, interessant sei höchstens, «dass dies jetzt im zweiten Wahlgang der Ständeratswahl nochmals herbeigezogen wird». In zwei Punkten gibt sie dem Kritiker Recht: «Es stimmt, dass die Regierung entgegen meiner ursprünglichen Haltung bezüglich Herztransplantationen eine Kursänderung vornahm.» Auch den Vorwurf, dass sie ihre Position nicht vorgängig im Regierungsgremium absegnen liess, lässt sie gelten: «Ich hätte die Regierung verbindlich für meinen Weg einbinden müssen.» Sie habe aber mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen, dass ihr Nachfolger Thomas Heiniger (FDP) auf ihren pragmatischen Weg zurückgekommen sei und «auch er nicht alles und jedes in Zürich ansiedeln will».

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