Schlüer bleibt – FDP-Wähler im Clinch

19. November 2007, 14:58

Diener und Maurer liegen bei den Ständeratswahlen Kopf an Kopf. Eigentlich müsste Ulrich Schlüer jetzt verzichten. Er bockt aber und stellt die FDP-Wähler auf eine harte Probe.

Von Ruedi Baumann

Zürich. – Eines ist jetzt schon sicher: Am übernächsten Sonntag gibt es garantiert einen Sündenbock – und der heisst nicht «Zottel». Wird Ueli Maurer (SVP) gewählt, ist es die SP, die Verena Diener (GLP) zu wenig unterstützt hat. Und scheitert Maurer, wird die FDP von der SVP als egoistische, unzuverlässige Partnerin beschimpft werden. Für Zoff ist also gesorgt.

Gemäss der letzten Isopublic-Wahlumfrage sieht es tatsächlich so aus, dass die Reihen in der FDP nicht geschlossen sind – ganz im Gegensatz zur SP-Wählerschaft, die zu 82 Prozent Diener wählt. Anders bei den FDP-Wählern: 41,7 Prozent legen Diener ein, nur 32,5 Prozent Maurer. Gemäss Umfrageleiter Matthias Kappeler ergibt sich aus allen bisherigen Wahlumfragen zusammen ein «signifikanter Trend», dass FDP-Wähler eher Diener als Maurer wählen. Grund: Diener werde in der FDP mit «tief bürgerlichen Themen» wie Spitalschliessungen oder Dividendenbesteuerung in Zusammenhang gebracht. Und Maurer sei für viele halt noch immer der «Prügelknabe», weil er als SVP-Präsident die FDP in den letzten Jahren schlecht gemacht habe.

«Wir haben gemacht, was wir können, und wir unterstützen Ueli Maurer bis zum Urnenschluss», sagt FDP-Präsidentin Doris Fiala. Die FDP organisiert gemeinsame Podien, verteilt Flyer, und Fiala hat vorgestern allen Mitgliedern nochmals einen Brief geschrieben. «FDP-Wählern kann man nicht vorschreiben, was sie zu tun haben – ich versuche aber alles, um sie zu motivieren», sagt Fiala. Unter anderem erinnert sie ihre Schäfchen daran, dass die SVP-Wähler Felix Gutzwiller (FDP) im ersten Wahlgang ein sehr gutes Resultat verschafft haben. «Ich bin überzeugt», sagt Fiala, «gut die Hälfte der FDPler wählt Maurer, vor allem auf dem Land.»

Schlüer-Verzicht käme Fiala gelegen

Eine kritische Bemerkung hat Fiala aber doch an die Adresse der SVP: «Ein Grund, warum sich einige unserer Leute schwer tun mit Maurer, ist Ulrich Schlüer, der nachrücken würde.» Mit einem Verzicht würde Schlüer einen «super guten Beitrag» an eine Maurer-Wahl leisten, glaubt Fiala. Denn Hans Egloff, der Nächste auf der Ersatzliste, sei als Hauseigentümer-Präsident bei der FDP «sehr beliebt».

Doch Schlüer wird nicht verzichten. Er hat sich offenbar entschlossen, den parteiinternen Forderungen nicht nachzugeben. Auf Anfragen der Medien reagiert er nicht mehr. Seine letzte bekannte Äusserung gegenüber Radio Top: Er habe einen Volksauftrag zu erfüllen. Schlüer scheint zu bocken, seit SVP-Präsident Hansjörg Frei auf TeleZüri gesagt hatte, dass man ihm absolut zutraue, «dass er das Interesse der Partei über seine persönlichen Interessen stellt».

Auf die Frage angesprochen, ob Schlüer angesichts der knappen Ausgangslage nicht in letzter Minute doch noch verzichten müsste, sagt Präsident Frei nur: «Es geht jetzt nicht um die Nationalratsliste, sondern nur um die Wahl von Ueli Maurer.» Maurer selbst hält Schlüer als «gutem Kollegen» konsequent die Stange.

SVP-Präsident Frei wählt ausgesprochen moderate Töne an die Adresse der FDP: «Ich zähle auf die Fairness der bürgerlich denkenden Wähler, die sich daran erinnern, dass die FDP-Kandidaten Ursula Gut, Thomas Heiniger und Felix Gutzwiller dank Unterstützung der SVP ausgezeichnete Wahlresultate gemacht haben.»

Was Frei noch nicht sagt: Wenn mit FDP-Hilfe Diener gewählt wird, dürfte das Verhältnis zwischen SVP und FDP in den nächsten Jahren tief getrübt sein.

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