Wirtschaft
US-Konzern übernimmt Cablecom
30. September 2005, 14:10Überraschende Wende bei Cablecom: Der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber geht Mitte Oktober nicht an die Börse, sondern wird für 2,825 Milliarden Franken an den US-Konzern Liberty Global verkauft.
Den Glacier Holdings, die vor zwei Jahren die Cablecom-Mehrheit von NTL Europe gekauft hatten, gehören Banken und die amerikanischen Private-Equity-Firmen Apollo Management, TowerBrook Capital Partners and Goldman Sachs an. Präsident der Glacier Holdings und gleichzeitig Verwaltungsratspräsident von Cablecom ist der Zürcher Anwalt Rolf Watter. Für eine Stellungnahme war Watter zunächst nicht erreichbar.
Börsengang gestoppt
Cablecom hatte erst gestern seinen Börsengang auf den 13. Oktober angekündigt und dabei eine Preisspanne von 57 bis 80 Franken pro Aktie genannt. Die von Liberty bezahlten 2,825 Milliarden Franken liegen klar unter dem anvisierten Marktwert von 2,9 bis 3,5 Milliarden Franken. Der Börsengang wurde von den neuen Besitzern gestoppt. Das Kotierungsgesuch an der Schweizer Börse wurde zurückgezogen.Liberty Global ist mit 23,5 Millionen angeschlossenen Haushalten der weltweit grösste Kabelnetzbetreiber ausserhalb der USA. Das Unternehmen war bis anhin in 13 europäischen Ländern präsent, darunter die Niederlande, Frankreich und Österreich. Die Schweiz sei einer der attraktivsten Märkte in Europa, sagte Mike Fries, Konzernchef von Liberty, laut Mitteilung. Mit mehr als zwei Millionen Kunden verfüge Cablecom über eine hervorragende Marktposition.
Überraschende Offerte
Laut Claude hatte Liberty Cablecom in der Vergangenheit verschiedentlich kontaktiert und sogar eine Due Diligence durchgeführt. Er sei aber selber überrascht gewesen, dass Liberty plötzlich eine verbindliche Offerte angereicht habe, sagte Claude in einem Interview der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Der Cablecom-Chef begründete die Zusage mit den Vorteilen für Cablecom. Mit der weltweiten Marktmacht von Liberty im Rücken erhalte Cablecom kostengünstigen Zugang zu neuen Technologien und multimedialen Inhalten. Das Ziel, hinter der Swisscom die Nummer zwei in der Schweiz zu werden, sei so viel einfacher und schneller zu realisieren.Cablecom-Sprecher Stephan Howeg bestritt, dass der angekündigte Börsengang nur ein Manöver gewesen sei, um Liberty unter Druck zu setzen. In früheren Verhandlungen seien die Preisvorstellungen jeweils sehr weit auseinander gelegen. «Nun hat sich Liberty aber plötzlich sehr stark bewegt», sagte er. Cablecom ist den vergangenen Jahren rasant gewachsen und erzielte letztes Jahr rund 800 Millionen Franken Umsatz. Der Gewinn vor Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) soll 2005 rund 350 Millionen Franken betragen. Angesichts hoher Abschreibungen von Zinszahlungen schreibt Cablecom unter dem Strich aber noch immer Verluste. Der erste Gewinn ist erst für 2007 vorgesehen.
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