Wirtschaft

Run auf Wärmepumpen

05. Oktober 2005, 23:05

Die hohen Heizölpreise bescheren den Herstellern von Wärmepumpen volle Auftragsbücher. Die Nachfrage ist zurzeit so intensiv, dass einzelne Lieferanten bereits Engpässe verzeichnen.

Von Erich Solenthaler

Um stolze 14,4 Prozent konnte Schulthess, der Schweizer Marktführer in Sachen Wärmepumpen, den Umsatz im ersten Halbjahr steigern. Und im zweiten Semester werde die Gruppe diese Wachstumsrate sicher erneut erreichen, erklärt Hans Isch, Verkaufsleiter der Schulthess-Tochter Calmotherm. Wie er bestätigte, ist die Nachfrage wegen der hohen Heizölpreise sehr lebhaft.

Wärmepumpen verzeichnen zwar schon lange einen Boom. Aber früher kamen die Aufträge in der Regel von Architekten, die Neubauten planen. Jetzt interessieren sich vermehrt auch Hausbesitzer, die an der Ölheizung eine Reparatur vornehmen müssen und dabei schneller als auch schon die alten Anlagen ersetzen wollen. Das Ersatzgeschäft verlief bisher eher schleppend. Nur bei jeder sechsten Gebäudesanierung wurden Ölheizungen durch Wärmepumpen ersetzt.

Die Nachfrage ist zurzeit so intensiv, dass einzelne Lieferanten bereits Engpässe verzeichnen. Vor allem die Bohrfirmen, die Löcher für die Erdsonden graben, sind auf Monate hinaus ausgebucht. «Wir spüren den Ölpreisboom extrem», erklärt auch Franz Beyeler, Sprecher der Informationsstelle Wärmepumpen in Bern.

Soeben hat er einen Walliser Hotelier beraten, dem wegen der hohen Ölpreise das Wasser bis zum Hals steht. «Seit 25 Jahren bin ich in dieser Branche tätig. Aber so etwas wie jetzt habe ich noch nie erlebt.» Die Rechnung für die 180'000 Liter, die der Hotelier benötigt, wird dieses Jahr 40'000 Franken höher ausfallen als 2004, weil die Erdölpreise innert Jahresfrist um etwa 20 Franken gestiegen sind. Heizöl kostet je nach Liefermenge zwischen 86 und 120 Franken pro 100 Liter.

Jetzt mehr Grossanlagen

Früher waren die umweltfreundlichen Wärmepumpen vor allem bei Einfamilienhausbesitzern beliebt. Die Nachfrage hat deshalb bereits angezogen, als sich die Ölpreise auf einem tiefen Niveau befanden oder sogar fielen. 60 Prozent der Neubauten wurden im vergangenen Jahr mit ihnen ausgerüstet und insgesamt 9870 Anlagen erstellt.

Wie das Bundesamt für Energie in einer Umfrage feststellte, standen bisher bei zwei Dritteln der Besitzer ökologische Gründe im Vordergrund, wenn sie sich für Wärmepumpen entschieden, oder weil mit ihnen Platz gespart werden kann. Die Ölpreishausse hat diese Motivation umgedreht. Nun interessieren sich das Gewerbe und die Industrie aus wirtschaftlichen Gründen für die Anlagen, wie die Branche feststellt.

Auch Mehrfamilienhausbesitzer, welche die Heizkosten in der Nebenkostenrechnung an die Mieter weitergeben dürfen und von den hohen Ölpreisen nicht direkt betroffen sind, ziehen nach. In Zürich hat erst kürzlich eine Baugenossenschaft eine ganze Siedlung mit 350 Wohnungen von 320 000 Litern Erdöl befreit. Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz zwölf Anlagen gebaut, die ganze Quartiere mit Wärme versorgen können.

Mehr Grossprojekte

Wärmepumpen sind zwar in der Anschaffung immer noch 10 bis 20 Prozent teurer als Ölheizungen mit einer vergleichbaren Leistung, aber im Betrieb viel billiger. Dauerte es früher sieben bis neun Jahre, bis die Mehrkosten der Installation amortisiert waren, so sind es im jetzigen Preisumfeld nur noch fünf bis sechs Jahre. Vor allem aber sind Preise des Stroms, den die Wärmepumpen für den Betrieb benötigen, viel berechenbarer als die volatilen Erdölpreise. Heute würden beim Entscheid für Wärmepumpen eindeutig wirtschaftliche Motive im Vordergrund stehen, glaubt auch Beyeler.

Seine Informationsstelle dürfte sich freuen. Das mit dem Bund vereinbarte Ziel, dass im Jahre 2010 mindestens 100'000 Anlagen in Betrieb sind, hat die Branche bereits um etwa 20 Prozent überschritten. Insgesamt könnten in der Schweiz 500'000 Gebäude mit Wärmepumpen ausgerüstet werden.

Ein grosses Potenzial bietet sich der Branche bei Gebäudesanierungen. Nur jede sechste Heizungsanlage wurde bisher bei Sanierungen mit Wärmepumpen ersetzt. «Das wird dieses Jahr ganz anders aussehen», ist Beyeler von der Informationsstelle Wärmepumpen überzeugt.

Die grosse Nachfrage nach Wärmepumpen der letzten Zeit hat dafür gesorgt, dass sie heute meistens industriell gefertigt werden. Der Ruf der Branche, der in der Pionierzeit nicht der beste war, hat sich inzwischen eindeutig gebessert: «Je mehr Anlagen gebaut werden, umso weniger Reklamationen treffen bei uns ein», sagt Beyeler.

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