Gates kauft Zürcher Firma
04. November 2005, 08:46Die Stadtzürcher Firma Media Streams geht im amerikanischen Softwareriesen Microsoft auf. Bill Gates persönlich hat das entschieden. Die Zürcher haben grosse Pläne.
Ein Informatikertraum wird war: Der Softwareriese Microsoft kauft die kleine Stadtzürcher Firma Media Streams und macht ihr Produkt der ganzen Welt zugänglich. Vom kommunenhaften Start-up mit Sitz in einer Regensdorfer Garage zum erfolgreichen Entwickler von Internettelefonie. Während man solche Erfolgsstorys aus den USA kennt, ist das für die Schweiz eine Premiere. Media Streams ist die erste Schweizer Firma, die von Microsoft übernommen wird. Der 23-Mann-Betrieb wird auf einen Schlag Teil eines 40-Milliarden-Dollar- Konzerns, der 61'000 Mitarbeitende rund um den Globus beschäftigt.
Platzmangel im Zürcher Büro
Ein riesiger Triumph, denn für die vor fünf Jahren gegründete Firma bedeutet das ein explosionsartiges Wachstum: Statt auf 15'000 Firmencomputern in fünf verschiedenen Ländern dürfte ihre Software wohl schon bald auf Millionen von Rechnern in allen Teilen der Welt laufen. Ab nächstem Jahr soll Media Streams Software E-Phone in Microsofts Office- Paket integriert werden. Media Streams entwickelt Internettelefonielösungen für Unternehmen. Mit E-Phone wird das E-Mail-Programm Microsoft Outlook zu einer Telefonanlage ausgebaut.Die Firma um Chef Erich Gebhardt verwirklicht damit einen Traum. «Seit Jahren versuchen wir, Microsoft auf uns aufmerksam zu machen» , meint Marketingchef Michael Kerle. Dafür hätten sie sogar grosse Microsoft-Veranstaltungen gratis mit ihrem Produkt ausgerüstet. «So konnten die Microsoftler gratis telefonieren und unsere Software testen.» Das hat offenbar gewirkt und bei den richtigen Leuten Eindruck gemacht. Denn Bill Gates höchst persönlich soll es gewesen sein, der über den Kauf der Zürcher Softwarebude entschieden hat. «Am Microsoft-Hauptsitz in Redmond hatte ich geholfen, eine Präsentation über uns zusammenzustellen» , erzählt Kerle, noch immer ein bisschen aufgeregt. Erst im Nachhinein habe er erfahren für wen: Bill Gates und Steve Ballmer – also für den Präsidenten und den Konzernchef.
Persönlich getroffen haben die Zürcher den Microsoft-Gründer Gates noch nicht. Das könnte sich aber bald ändern, denn Kerle wird im Januar mit zwei weiteren Mitarbeitenden nach Redmond in die USA übersiedeln. Der Rest der Firma bleibt allerdings in Zürich an der Sternenstrasse – hoffentlich. Den Angestellten gefällt es in der Stadt. Aber das Einzige, was ihre Stimmung zurzeit trüben kann, ist der Platzmangel. «Bis Ende Jahr wollen wir mindestens 10 Leute anstellen. Lieber mehr, aber das wird schwierig» , erklärt Kerle. Und das soll erst der Anfang sein. Deshalb könnte es bald eng werden in den Büros bei der Seebadi Enge.
Auch sonst zeigen sich die Zürcher eigenwillig und wollen offenbar noch höher hinaus: «Wir sind eine der wenigen Firmen weltweit, die das Wissen von Informatik und Telekommunikation vereinen» , so Kerle. «Kein Wunder, war Bill Gates an uns interessiert. Jetzt werden wir die weltweite Entwicklung der Telekommunikation mitbestimmen.» Wie lukrativ die finanzielle ür ihn und die anderen Gründungsmitglieder war, will Kerle aber nicht verraten. Der Deal hat auch Auswirkungen auf eine zweite Zürcher Firma: Die Dübendorfer Webcall ist seit mehreren Jahren Partner von Media Streams und unterstützt die E-Phone- Kunden beim Wechsel von der Festnetz- auf die Internettelefonie. Webcall will bis Ende Jahr zwölf Leute einstellen. Denn auch die Dübendorfer wollen auf den Microsoft- Zug aufspringen und träumen von einer Expansion im grossen Stil.
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