Wirtschaft

Negative Nachrichten zu Tamiflu relativiert

18. November 2005, 16:59

In Japan sind 13 Kinder gestorben, die das Grippemittel Tamiflu eingenommen haben. Nachdem die US-Regierung erklärte, sechs der Fälle genauer zu untersuchen, war die Roche-Tochter Chugai, die das Mittel in Japan vertreibt, um Schadensbegrenzung bemüht.

«Sechs der Todesfälle haben nichts mit Tamiflu zu tun», erklärte Unternehmenssprecher Yuji Yamashita. Bei den sieben weiteren Todesfällen könne ein Zusammenhang aber nicht ausgeschlossen werden.

Die Regierung versuchte ebenfalls, die Sorge vor tödlichen Nebenwirkungen des Mittels zu beschwichtigen. «Wenn Tamiflu in angemessener Weise eingenommen wird, gibt es keine ernsten Risiken», sagte Kabinettssprecher Shinzo Abe. Das Mittel, das als einziges auch gegen die Vogelgrippe beim Menschen helfen soll, ist in Japan extrem verbreitet. Seit seiner Zulassung vor sechs Jahren haben 32 Millionen Menschen weltweit Tamiflu genommen, allein in Japan waren es 24 Millionen.

Die US-Nahrungs- und Arzneimittelbehörde FDA hatte gestern mitgeteilt, zwölf der japanischen Tamiflu-Todesfälle bei Kindern würden im Rahmen einer jährlichen Überprüfung der Verträglichkeit des Medikamentes besonders kontrolliert. Heute erklärte die Behörde, es gebe keine ausreichenden Hinweise, dass Tamiflu für die Todesfälle verantwortlich sei. Eine neue Einstufung des Mittels sei deswegen vermutlich nicht erforderlich. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen.

Unternehmenssprecher Yamashita erklärte, es gebe keine Pläne, das Medikament vom Markt zu nehmen. Die EU forderte unterdessen den Schweizer Tamiflu-Produzenten Roche auf, alle Informationen über Unregelmässigkeiten mit dem Medikament bereitzustellen. Das grosse öffentliche Interesse und das Potenzial, dass sehr viel mehr Menschen das Mittel benutzen würden, mache diesen «vorsorglichen Schritt» notwendig, sagte Monika Benstetter von der EU-Arzneimittelbehörde EMA.

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