Die Swisscom macht es spannend
29. November 2005, 01:21Der Bund hält an seiner Linie fest, die Swisscom schweigt. Welche Möglichkeiten hat der Telecomkonzern überhaupt?
Der Bundesrat wird das bisher nur mündlich bekannt gegebene Veto gegen Auslandengagements der Swisscom nicht schriftlich begründen, und er wird auch kaum zu einem Kompromiss Hand bieten. Das haben am Montag Stellungnahmen aus dem Finanzministerium klar gemacht. Dort ist man daran, die Vernehmlassungsvorlage für den Ausstieg des Bundes als Mehrheitsaktionär der Swisscom vorzubereiten. Wohl noch vor Weihnachten werde sich der Bundesrat nochmals mit der Materie befassen, aller Voraussicht nach werde das Geschäft aber erst Anfang 2006 in die Konsultation geschickt.
Bei der Swisscom herrscht weiterhin Funkstille: Konzernleitung und Verwaltungsrat schweigen. Nicht einmal der Termin der Verwaltungsratssitzung, an der das weitere Vorgehen beschlossen und der Vertreter des Bundes angehört werden soll, dringt nach aussen. Unter der Unsicherheit leidet die Swisscom-Aktie: Sie verlor gestern 2,5 Prozent und schloss bei 406.50 Franken. Vor der Bekanntgabe des Abbaus der Bundesmehrheit letzte Woche kostete der Titel noch 423 Franken.
Da drängt sich eine Auslegeordnung auf: Wie können Verwaltungsrat und Konzernleitung auf die Kehrtwende des Bundesrats reagieren? Drei Szenarien:
- Verwaltungsrat und Konzernleitung lassen es auf einen Showdown ankommen und verfolgen die Pläne zum Kauf des irischen Telecomunternehmens Eircom unverdrossen weiter. Laut Insidern ist das Geschäft noch nicht entscheidungsreif, aber weit fortgeschritten. Der Ausgang dieses Konfrontationsszenarios ist offen.
- Verwaltungsrat und Konzernchef Jens Alder treten zurück, weil ihre Politik vom Hauptaktionär nicht mehr gestützt wird. Im Verwaltungsrat steht im Frühling eh eine Ablösung an: Markus Rauh übergibt das Präsidium an den jetzigen Vize, den Ex-Migros-Chef Anton Scherrer. Rauh hat deshalb nichts zu verlieren. Offen ist aber, ob Scherrer bereit ist, auf den gut dotierten Job zu verzichten. Für Neumitglieder wäre die Attraktivität des Verwaltungsratsmandats zudem geschmälert - zumindest solange der Bund noch Hauptaktionär ist.
- Die Swisscom akzeptiert den Entscheid des Bundesrats und lässt den Eircom-Kauf genauso fallen wie andere Auslandpläne. Gemäss Bundesrat Christoph Blochers Ausstiegsszenario soll der Bund bis Ende Jahr eine Vorlage erarbeitet. Darin wäre nicht nur die Abgabe der Bundesmehrheit vorgesehen, sondern auch die Ausschüttung der überschüssigen Mittel an die Aktionäre. Zeitlich zeichnen sich jedoch bereits Probleme ab. Auch bei diesem Szenario wäre mit einem baldigen Rücktritt von Jens Alder und Markus Rauh zu rechnen.
Wie die Finanzoperation konkret aussehen müsste, um den gesetzlichen Bestimmungen zu entsprechen, hat man bei der Swisscom bereits angedacht: Eine Tochter müsste eine andere Tochter zu einem so hohen Preis kaufen, dass ein hoher Buchgewinn resultiert. Dadurch würden die Gewinnrücklagen in der Holding, die derzeit bei rund 3,2 Milliarden Franken liegen, so stark erhöht, dass über einen massiven Rückkauf eigener Titel viel höhere Ausschüttungen an die Aktionäre ermöglicht würden.
Gewinnausschüttung als Ultima Ratio
Die Swisscom hat in diesem Szenario bisher lediglich einen letzten Ausweg gesehen. Im Aktionärsbrief zum ersten Halbjahr 2005 ist zu lesen: «Wir denken, dass sich in den kommenden Jahren attraktive Investitionsmöglichkeiten ergeben werden und man deshalb vorerst nicht auf die Ultima Ratio einer künstlichen Erhöhung der Gewinnreserven auf Ebene der Holdinggesellschaft zurückgreifen sollte, um höhere Ausschüttungen an unsere Aktionäre durchzusetzen.»
Das war, als der Bundesrat die Auslandstrategie noch mittrug.
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