Wirtschaft

WEF endet mit Aufruf zur Tat

29. Januar 2006, 16:30

Die wichtigste Botschaft am diesjährigen WEF kam zum Schluss und von einer Teilnehmerin aus dem Plenum: «Ich mache, statt ich sollte machen. Das ist meine Grundhaltung», sagte sie. Den Appell nahm sich auch WEF-Gründer Klaus Schwab zu Herzen.

Von Matthias Kägi, SDA

«Der Welt werden die Probleme nicht ausgehen», sagte Schwab an der Schlussveranstaltung des Weltwirtschaftsforums (WEF) vor deutlich gelichteten Reihen im Davoser Kongresszentrum. Peter Brabeck, einer der sechs Ko-Vorsitzenden, forderte ebenfalls konkrete Taten.

Brabecks Selbstkritik
Er äusserte zudem ungewohnt scharfe Kritik am Jahrestreffen: «Oft sind wir einer Meinung, wenn wir unter uns sind. Das trennt uns von der Aussenwelt», sagte der Nestlé-Chef.

Mehr als 2300 Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft, aber auch Kultur, Religion und erstmals Sport folgten dieses Jahr der Einladung nach Davos. Gleich zu Beginn erlebte die WEF-Gemeinde mit dem Auftritt der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel einen der stärksten Momente.

Fundiert analysierte sie die Probleme Deutschlands und machte sich stark für eine neue soziale Marktwirtschaft. «Wir brauchen mehr Freiraum und müssen zuerst einmal die Chancen von Entwicklung sehen und nicht zuerst die Risiken», sprach sie der versammelten Wirtschaftselite aus dem Herzen.

Merkel setzte sich deutlich von Moritz Leuenberger ab. Der Bundespräsident unterstrich in seiner Eröffnungsrede, klare Rahmenbedingungen seien nötig, damit sich Kreativität entfalten könne und spielte auf das diesjährige WEF-Motto «Kreativer Imperativ» an.

Was darunter genau zu verstehen ist, wurde während der fünf Tage nicht abschliessend beantwortet. Schwab übersetzte es als die Notwendigkeit, mit kreativen Lösungsansätzen und innovativen Ideen die immer komplexeren Fragen auf der globalen Agenda anzugehen.

So viele Top-Manager wie noch nie
Er betonte wiederholt, Führungskräfte aller Kategorien müssten interagieren. Rund die Hälfte der Teilnehmenden waren indes Top-Manager, so viele wie noch nie an einem WEF.

Zentrales Thema waren hier die neuen Wirtschaftsgiganten Indien und China. Für westliche Firmen haben sie eine Sogwirkung, wecken aber auch Ängste und Unsicherheiten.

Hamas-Sieg erhitzt Gemüter
Auch politische Themen beschäftigte die WEF-Gemeinde, neben der Krise um Irans Atomprogramm vor allem der Sieg der Hamas bei den palästinensischen Wahlen. US-Aussenministerin Condoleezza Rice - kurzfristig per Videolink zugeschaltet - versuchte zwar, Optimismus zu verbreiten. Die grosse Enttäuschung war ihr jedoch anzusehen.

Zum Nebenschauplatz wurde das Kongresszentrum mit dem Auftritt der US-Schauspielerin Angelina Jolie, die am Open Forum über Menschenrechte diskutierte. «Die Menschenrechte sind das wichtigste aller Themen», sagte die Goodwill-Botschafterin des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

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