Wirtschaft
Swisscom lanciert einen Blog
29. August 2006, 22:16Firmen können mit Internettagebüchern ihre Bekanntheit erhöhen. Das neue Medium birgt aber auch Gefahren.
Von Romeo Regenass
Weblogs, kurz Blogs genannt, sind von der Idee her allen zugängliche Informationskanäle von Privaten, die das weltweite Netz als Plattform nutzen. Seit einiger Zeit entdecken aber auch immer mehr Firmen die Möglichkeiten des Mediums. Tipps zur Führung von Internettagebüchern finden sie auf einem neuen Portal der Hochschule für Wirtschaft Luzern.
«Grössere Firmen meiden Blogs», sagt Nicolas Blanchard, der das Portal zusammen mit seinem Studienkollegen Adrian Iten geschaffen hat. Der Student der Wirtschaftskommunikation weiss auch, weshalb dem so ist: «Die PR-Abteilungen und Kommunikationsverantwortlichen haben Angst, die Kontrolle über den Informationsfluss zu verlieren.»
Je mehr Links, desto mehr Beachtung
Nicht einer der 26 Konzerne, die im schweizerischen Börsenindex SMI vertreten sind, unterhält denn auch einen öffentlich zugänglichen Blog. Immerhin will die Swisscom laut «Berner Zeitung» auf Anfang September zum Thema «Telekommunikation und Umwelt» einen aufschalten; die Versuchsphase soll bis Ende Jahr dauern. Der Telecomkonzern verfolgt die Bloggerszene heute bereits aktiv und unterhält dafür ein Blogmonitoring mit wöchentlichen Reports. «Das gibt uns wertvolle Inputs, um Produkte und Dienstleistungen auf die Kundenbedürfnisse auszurichten», sagt Sprecher Christian Neuhaus. Selbstverständlich übt die Swisscom im eigenen Blog keine Zensur aus, aber auf Fehlinformationen werde man reagieren.
Weniger Berührungsängste als die Mehrzahl der Konzerne zeigen kleinere Unternehmen, und das vornehmlich in der Informatik-, PR- oder Werbebranche. Die 38 öffentlich zugänglichen Unternehmens-Blogs, die es laut der Analyse von Blanchard und Iten Ende April 2006 in der Schweiz gab, gehören grossmehrheitlich zu dieser Kategorie. Und die Blogs ermöglichen ihnen, den eigenen Bekanntheitsgrad entscheidend zu erhöhen.
«Das Kollektiv aller Blogs, die Blogosphäre, ist mit Links eng miteinander verknüpft», sagt Blanchard. Und diese Links, die entscheiden darüber, wie weit oben ein Firmenname auf den Trefferlisten von Suchmaschinen wie Google steht. «Je mehr ein- und ausgehende Links eine Seite aufweist, desto wichtiger bewertet sie Google». Daniel Jörg, Unternehmensberater bei Bütikofer & Company in Zürich und Betreuer des firmeneigenen Blogs, bestätigt diesen Mechanismus. «Für viele ist dies ein wichtiger Anreiz, um einen eigenen Blog einzurichten.»
Die Luzerner Studenten weisen in ihrer Studie aber auch auf die potenziellen Risiken von Weblogs hin. Diese seien für die Kommunikationsabteilung eine Herausforderung, die es nicht zu unterschätzen gelte. Ein vernachlässigter Blog könne sich auch negativ auf den Unternehmenserfolg auswirken. Jörg sieht das genauso. Vieles müsse stimmen, damit ein Blog Erfolg habe. «Gefragt sind originelle Inhalte von guter Qualität, persönliche Meinungen, und schliesslich muss auch die Frequenz der Einträge stimmen.» Fehl am Platz sei das Marketing-Deutsch, dem die Kommunikationsabteilungen sonst huldigten - ein Fehler, den die Manager von General Motors in den USA in ihren ersten Beiträgen oft gemacht hätten. «Aber heute machen sie dies super und erreichen eine Menge Leute», sagt Unternehmensberater Jörg. Wer einen Blog unterhält, muss ihn nicht nur füttern, sondern ständig beobachten. «Das Gute daran ist, dass Firmen lernen, zuzuhören und den Puls der öffentlichen Meinung zu spüren», ist Jörg überzeugt.
Für Blanchard und Iten vereinfachen Blogs das Krisenmanagement von Firmen; «was Aktualität und Präzision der Krisenkommunikation betrifft, eröffnen Blogs eine neue Qualität». Bei Bedarf könne die Öffentlichkeit im Minutentakt informiert werden. Jörg stimmt dem zu, mit einer Einschränkung: «Der Blog muss vorher bekannt sein, sonst muss er nämlich mit viel Aufwand bekannt gemacht werden.»
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