EU will auch Zinssteuern aus Asien

04. September 2006, 21:28

14 Monate nach Inkrafttreten der EU-Zinsbesteuerung will Brüssel auch asiatische Finanzplätze in den Kampf gegen die Steuerflucht einbinden. Die Experten der EU-Staaten haben heute positiv auf die Pläne der EU-Kommission reagiert.

«Wir sollten bei Steuerflucht international zusammenarbeiten», sagte die Sprecherin von EU-Steuerkommissar Lázló Kovács heute in Brüssel. Bereits 2003 hatten die EU-Staaten die Kommission aufgefordert, auch mit aussereuropäischen Finanzzentren das Gespräch aufzunehmen. Ohne dieses Ziel wäre das Mitmachen von insgesamt 40 Staaten bei der EU-Zinsbesteuerung kaum zu erreichen gewesen.
Singapur und Hongkong im Blick
In einem Bericht vom vergangenen Juli kam die Kommission jedoch zum Schluss, dass die Erfolgsaussichten gering seien, wenn gleichzeitig mit zahlreichen Regierungen in verschiedenen Ländern der Welt Gespräche geführt werden.

Exakte Daten über die Gelder von EU-Anlegern in den diversen Finanzzentren gibt es nicht. Wegen den Gesamtsummen ausländischer Anlagen und den Anstiegen in jüngster Zeit schlug die EU-Kommission namentlich Singapur und Hongkong sowie eventuell Macao als prioritäre Gesprächspartner vor.

Die Rangfolge derjenigen Staaten, mit denen die Kommission Sondierungsgespräche aufnehmen soll, muss vom EU-Ministerrat festgelegt werden. Die erste Reaktion von den Mitgliedstaaten zu den Kommissionsvorschlägen sei positiv ausgefallen, erklärte die Kommissionssprecherin nach dem Treffen auf Anfrage.

Steuerrückbehalt seit Juli 2005
Die EU-Richtlinie zur Zinsbesteuerung und trat im Juli 2005 in Kraft. Sie sieht in 22 EU-Ländern ein automatisches Meldesystem für Zinsen von Sparguthaben oder Wertpapierkonten von natürlichen Personen vor. Österreich, Luxemburg und Belgien erheben eine Quellensteuer auf Kapitalerträge von ausländischen EU-Bürgern.

Gleichzeitig mit EU-Richtlinie traten die Abkommen mit der Schweiz, Monaco, Liechtenstein, Andorra, San Marino und den abhängigen Gebieten Grossbritanniens und der Niederlande in Kraft.

Von Juli bis Dezember 2005 brachte das Abkommen in der Schweiz insgesamt 159,4 Millionen Franken ein. Davon gehen drei Viertel an die begünstigten EU-Länder, der Rest bleibt als Entgelt für den Aufwand in der Schweiz.

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