Wirtschaft

Die jüngste Zeitung ist die grösste

12. September 2006, 21:43

Die grossen Tageszeitungen verlieren, die Gratisblätter und Regionalzeitungen der Schweiz gewinnen Leser hinzu, allen voran «20 Minuten».

Wächst ungebremst: «20 Minuten».
Wächst ungebremst: «20 Minuten».
Von Stefan Eiselin

Das neuste Produkt in der schweizerischen Tageszeitungslandschaft ist nicht nur bereits das grösste. Es wächst auch immer noch. «20 Minuten» wird heute täglich von 1,1 Millionen Deutschschweizerinnen und Deutschschweizern angeschaut. Das sind nochmals 7,4 Prozent mehr als bei der letzten Erhebung vor einem halben Jahr (siehe Tabelle). Dies zeigen die neusten Zahlen der Werbemedien-Forschungsfirma Wemf. Zugelegt hat das Gratisblatt - es kommt wie der «Tages-Anzeiger» aus dem Verlagshaus Tamedia - weil es neu auch in St. Gallen verteilt wird und sich im Grossraum Zürich verbessert hat.

Das starke Wachstum der letzten Jahre dürfte sich nun aber klar abschwächen. Denn mit «Heute» aus dem Hause Ringier hat «20 Minuten» vor einigen Monaten direkte Konkurrenz bekommen. Zudem deckt das Gratisprodukt inzwischen alle Grossregionen ab, lukrative weisse Flecken gibt es auf der Schweiz-Karte nicht mehr viele zu besetzen.

«Tages-Anzeiger» ist Nummer drei

Nummer zwei im Lande ist nach wie vor der «Blick» mit täglich 715'000 Lesern (-1,7 Prozent). An dritter Stelle folgt der «Tages-Anzeiger» mit 551'000 Lesern (-4,3 Prozent). Wie sie mussten fast alle überregionalen Tageszeitungen Federn lassen. Am meisten verloren hat die «Neue Zürcher Zeitung» mit minus 5,5 Prozent auf 312'000. Die «Mittelland Zeitung» hat zwar markant zugelegt. Dies ist aber die Folge der Integration der «Basellandschaftlichen Zeitung» in den Verbund, dessen mit Abstand grösstes Mitglied die «Aargauer Zeitung» ist (267'000, unverändert).

Die kleineren Zeitungen mit einer starken regionalen Verankerung dagegen konnten sich meist behaupten. In der Grossregion Zürich legte der «Landbote», an dem Tamedia beteiligt ist, nach Abstrichen in den Jahren zuvor gar 4,3 Prozent zu. Die «Zürichsee-Zeitung» verbesserte sich um 3,3 Prozent. Massiv verloren haben einzig die «Schaffhauser Nachrichten». Sie liegen nun wieder auf dem Leserzahlniveau von 2004.

Die meisten Zeitschriften im Minus

Ebenfalls im Rückschritt sind die Sonntagsblätter. Auch bei den Zeitschriften überwiegen die Verlierer. Deutlich weniger Leser weisen «Das Beste», die «Weltwoche» und der «Beobachter» aus. Klar oder leicht zugelegt haben die Westschweizer «Illustré», «Schöner Wohnen» und «Das Magazin» aus dem Hause Tamedia. Grösstes Schweizer Medienprodukt ist weiterhin die «Coop Zeitung» mit wöchentlich 2,6 Millionen Lesern.

Die Leserzahlen sind vor allem in der Werbewirtschaft wichtig. Denn sie zeigen auf, wie viele Menschen man mit einem einzelnen Medienprodukt erreichen kann. Der «Tages-Anzeiger» etwa hat eine beglaubigte Auflage von 231'000, aber weist 551'000 Leser auf. Das heisst, dass im Schnitt jedes Tagi-Exemplar von 2,4 Menschen gelesen wird.

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