Wirtschaft

Esso will Shops selber betreiben

14. November 2006, 07:01

Der Ölgigant kündigt dazu die Verträge mit den selbstständigen Geschäftsführern der Läden.

Von Romeo Regenass

Die Convenience-Shops von Tankstellen, die zum Teil rund um die Uhr offen sind, gehören zu den rentabelsten Kanälen im Detailhandel. In ihren Anfängen war der Erfolg dieser Shops aber keineswegs gegeben. Deshalb liess zum Beispiel Esso, die in der Schweiz bekannte Marke des Erdölgiganten Exxon Mobil, die Shops von Vertragspartnern führen, die mit Esso einen Franchisevertrag hatten. Diese führten den Shop selbstständig und konnten ihre Lieferanten frei wählen, mussten den Auftritt des Shops aber nach Vorlagen des Erdölkonzerns gestalten. Das unternehmerische Risiko lag vollumfänglich beim Franchisenehmer, der auch ein gewisses Startkapital mitbringen musste.

Jetzt, wo sich die Tankstellenshops als Umsatzrenner entpuppen, will Esso das margenträchtige Geschäft in Eigenregie führen, wie der TA in Erfahrung bringen konnte. «Wir befinden uns in einer Testphase und führen seit diesem Sommer bereits fünf Shops im Raum Zürich in Eigenregie», bestätigt Bertrand Cornaz von Esso Schweiz. Um genügend Daten sammeln zu können, stelle man bis nächsten Sommer nach und nach weitere Shops im Raum Zürich um. «In der Regel bieten wir dem Franchisenehmer eine Festanstellung als Stationsmanager an, das von ihm bisher beschäftigte Personal wird von Esso angestellt», erklärt der Sprecher weiter.

«Esso setzt sich ins gemachte Nest»

Recherchen des TA ergeben tatsächlich, dass den Angestellten an den betroffenen Tankstellen neue Verträge zu gleich guten, zum Teil sogar besseren Bedingungen angeboten werden. Anders ist es für die Franchisenehmer: Diese haben meist gar keine andere Wahl, als die angebotene Anstellung anzunehmen - unabhängig davon, wie gut das neue Angebot ist. «Wir haben jahrelang mit eigenem Geld für unser Geschäft gearbeitet und die Esso-Shops etabliert», schreibt ein Franchisenehmer dem TA. «Jetzt kommt der Milliardenkonzern und setzt sich ins gemachte Nest!» Wenn Esso heute die Shops selber betreiben will, gehe der Konzern damit «null Risiko» mehr ein, heisst es anderswo.

Esso-Sprecher Cornaz weist jedoch darauf hin, dass man sich bei der Auflösung des Franchisevertrags an die entsprechenden vertraglichen Abmachungen halte.

Ziel des Versuchs ist, Erscheinungsbild und Sortiment der Tankstellenshops mehr zu vereinheitlichen. Cornaz gibt allerdings zu, dass auch finanzielle Überlegungen eine Rolle spielen. Kein Wunder: Durch die Erhöhung des Volumens kann Esso bei den Lieferanten mit Sicherheit bessere Konditionen aushandeln als die einzelnen Franchisenehmer. Einer davon ist Lekkerland: Das Grosshandelsunternehmen mit über 9 Milliarden Euro Umsatz beliefert Esso auch in Deutschland.

Ob das neue Konzept nach Abschluss der auf unbestimmte Zeit angelegten Testphase allen rund 60 Tankstellenshops überstülpt werden soll, ist laut dem Esso-Sprecher offen. Zwischen der von der Konzernzentrale in den USA weltweit angeordneten Überprüfung der Franchisestrategie und dem mittlerweile bei gut 20 Esso-Shops eingeführten «On the Run»-Konzept gebe es keinen direkten Zusammenhang, so Cornaz. «Einige nun in Eigenregie betriebene Läden gehören zum auf Frische und rasche Bedienung ausgerichteten Konzept, andere nicht, und das wird auch in Zukunft so bleiben. Die zurzeit in eigener Regie betriebenen Läden sind allerdings alle ‹On the Run›-Stationen.» Das Konzept eigne sich für sehr gut frequentierte Verkehrslagen und benötige eine entsprechende Ladenfläche.

Anfang dieses Jahres war bekannt geworden, dass Shell vielen Pächtern die Verträge kündigt, um in Zukunft mehrere Tankstellen zusammen im Agenturverhältnis zu betreiben.

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