Cablecom fördert Satelliten

16. November 2006, 00:07

Die Satellitenschüssel hat dieses Jahr 50'000 neue Anhänger gewonnen, die meisten davon Schweizer. Für die Cablecom ist das ein teurer Verlust.

Von Angela Barandun

Sie sind hässlich, funktionieren nicht überall und müssen auch noch mühsam montiert werden: Jahrelang führten die Satellitenschüsseln ein Nischendasein und kämpften gegen ein Imageproblem.

Nun hat der Wind gedreht. Bernhard Wenger, Chef des grössten Schweizer Importeurs für Satellitenempfänger Belsat, schätzt, dass dieses Jahr insgesamt über 100 000 Satellitenempfänger verkauft werden. Das sind rund 60 Prozent mehr als im letzten Jahr. Rund die Hälfte davon dürften Neuanschaffungen sein. Ein ansehnliches Wachstum, obwohl niemand mit Sicherheit sagen kann, wie viele Satellitenschüsseln heute in der Schweiz in Betrieb sind. Schätzungen variieren zwischen 350 000 und 450 000. Eine vor kurzem erschienene Studie von IP Networks und RTL geht von 375 000 Stück aus.

Damit hat der Markt für Satellitenschüsseln im letzten Jahr einen richtigen Sprung gemacht. Das ist auf drei Faktoren zurückzuführen.

Die Fussball-Weltmeisterschaft im Sommer hat die Nachfrage nach Fernsehen in besserer Qualität getrieben. Das zu Jahresbeginn gestartete hochauflösende HDTV (High Definition TV) ist vorderhand aber nur über Satellit erhältlich.

Der Trend zu grösseren Fernsehgeräten hat dazu geführt, dass die Qualität des analogen Kabelsignals vielen Kunden nicht mehr genügt. «Im Geschäft sieht das Bild noch gestochen scharf aus. Nachdem die Kunden den Fernseher aber zu Hause an die Kabelbuchse angeschlossen haben, sind sie von der Bildqualität oft enttäuscht», sagt Belsat-Chef Wenger. Je grösser das Bild, desto höher muss die Qualität sein.

Nicht zuletzt hat die Cablecom ihre Kunden mit ihrer Politik regelrecht zum Satelliten getrieben. Im Fachhandel klagen die Verkäufer darüber, sich immer wieder dieselben Hasstiraden auf die Cablecom anhören zu müssen.

Leid Tragende des Satellitenbooms sind vor allem die Kabelnetzbetreiber. Anders als früher sind es heute aber nicht mehr nur Sprachminderheiten, die die Satellitenschüssel als Fenster in die Heimat benützen. In den letzten Jahren waren die Umsteiger vor allem Schweizer. «Sie sind unser Wachstumsmarkt», ist der -Chef überzeugt. Wenger glaubt, dass mindestens 70 Prozent der Satelliten-TV-Haushalte heute Schweizer sind. Seine Schätzung beruht auf den Verkaufszahlen einerseits - «Schweizer kaufen eher teurere Anlagen» - und den Zahlen der SRG andererseits. Das Schweizer Fernsehen kennt nämlich die Zahl jener, die via Satellit ihre Programme konsumieren, recht genau.

Während in der Vergangenheit beobachtet wurde, dass Ausländer ihren Kabelnetzanschluss nicht kündigen, obwohl sie via Satellit fernsehen, stellen viele Schweizer gerade deswegen eine Parabolantenne auf, um der Cablecom und ihrer Gebühr zu entgehen. Aus Frust.

Wie viele Kunden bei der grössten Kabelnetzbetreiberin dieses Jahr tatsächlich gekündigt haben, ist aber nicht klar. Cablecom veröffentlicht zwar quartalsweise ihre Kundenzahlen. Diese steigen aber auf Grund der regen Bautätigkeit ständig und beweisen daher nur, dass offenbar mehr gebaut als gekündigt wird. Die Cablecom streitet aber nicht ab, dass die Satellitenschüsseln sie piesacken: «Wir spüren den verschärften Wettbewerb», sagt Sprecher Stephan Howeg. Wenn seit Januar nur 10 000 Kunden keine Monatsgebühr mehr zahlen, hat die Cablecom bereits 2,5 Millionen Franken Einnahmen pro Jahr verloren.

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