Wirtschaft

Cablecom will ihre Kunden fesseln

28. November 2006, 23:27

Die grösste Kabelnetzbetreiberin der Schweiz hat 1000 Entschuldigungen, wieso TV teurer werden muss. In Reinach geht es auch anders.

Von Angela Barandun

Auf dem Land ist alles besser - auch Fernsehen. Bestes Beispiel dafür ist Reinach, eine Kleinstadt im Kanton Basel-Landschaft. Die 19 000 Einwohner zahlen monatlich 8.10 Franken für etwas, das in Zürich 21 Franken plus Gebühren kostet und demnächst noch teurer werden soll - den Kabelanschluss. Die Cablecom hat vor dem Preisüberwacher eine Erhöhung der Kabelnetzgebühr auf 22.50 Franken durchgeboxt. In Reinach sind die Fernsehpreise erst vor kurzem gesunken und liegen nun bei unter 100 Franken pro Jahr.

Dabei ist die Baselbieter Kabelfirma, die Inter-GGA, kein Amateurprojekt. Sie ist mit 48 000 Abonnenten das viertgrösste Kabelnetzunternehmen in der Schweiz. Auch wenn sie im Vergleich zur Cablecom, der Nummer eins, wie ein Winzling wirkt: Diese verteilt ihr Signal direkt an 1,6 Millionen Haushalte. Im Unterschied zur Cablecom arbeitet die Inter-GGA nicht gewinnorientiert. Sie gehört 21 Gemeinden, die Fernsehen, Internet und Telefoniedienste von ihr beziehen, ist gemeinnützig organisiert und daher steuerbefreit. Ihr Angebot ist nicht in jeder Ortschaft gleich teuer - Reinach als grösster Ort ist klar am billigsten. Die beiden Geschäftsmodelle können daher nicht vorbehaltlos verglichen werden. Trotzdem - zwischen 8.10 und 21 Franken liegt ein weites Feld.

Das Angebot der Inter-GGA ist aber nicht nur billiger, sondern auch besser: Auf dem analogen Netz in Reinach und Umgebung empfängt man heute 50 Sender - darunter auch BBC Prime. Bei der Cablecom sind es noch etwa 40. Die Reinacher sind zudem kundenfreundlicher: Im Gegensatz zur Cablecom strahlen sie ihr digitales Angebot unverschlüsselt aus. Zwar braucht man auch im Baselbiet ein Gerät, um die digitalen Signale in Bild und Ton umzuwandeln. Anders als bei der Cablecom kann man dieses aber in praktisch jedem Fernsehgeschäft kaufen oder auf Ebay ersteigern - ab 100 Franken.

Nicht die Schwarzseher sind schuld

Bei der Cablecom hingegen wird das digitale Signal so verändert, dass es von einer handelsüblichen Empfangsbox nicht gelesen werden kann. Bis April 2007 bezahlt der Kunde noch teuer für dieses Detail. Erst dann wird der Preis auf Druck des Preisüberwachers von 500 auf 150 Franken gesenkt. Cablecom begründet diese Grundverschlüsselung - alle Programme werden codiert, nicht nur kostenpflichtige - mit der Angst vor Schwarzsehern.

Über dieses Argument kann Guido Wemans, Inter-GGA-Verwaltungsrat und Telecomspezialist, nur lachen: «Das ist Augenwischerei. Bei der Grundverschlüsselung geht es in allererster Linie um Kundenbindung.» Das Empfangsgerät - die Settop-Box - liefert den Kabelnetzanbietern nämlich einen direkten Draht zum Kunden. Etwas, das den Unternehmen bisher fehlte. Für die künftigen Geschäftsmodelle der Cablecom ist diese Adressierbarkeit der Kunden aber zentral. Sie will dereinst - genau wie die Swisscom neu mit Bluewin TV - Bezahlfernsehen und Spielfilme auf Abruf verkaufen. Das aber klappt nur, wenn ihre Kunden eine Settop-Box besitzen, die solche Funktionen zulässt. Die Kontrolle über diese Box im Wohnzimmer soll der Cablecom daher die Zukunft sichern. Weil die Kunden künftige Dienste so quasi vorfinanzieren müssen, steigen jetzt auch die Konsumentenschützer auf die Barrikaden (siehe Kasten).

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