Cablecom streicht weitere Sender

28. Dezember 2006, 18:27

Cablecom schaltet 2007 in der Deutschschweiz sechs weitere analoge Sender ab. Canale 5, Rai Uno und n-tv können ab April nur noch digital empfangen werden. Im Juni verschwinden France 2, TF1 und WDR aus dem analogen Angebot.

Die Verschiebungen gelten in weiten Teilen der Deutschschweiz. Die erste Etappe ist für den 3. April vorgesehen, die zweite Anfang Juni. Alle betroffenen Programme sind ab April 2007 im neuen digitalen Basisangebot von Cablecom enthalten, wie das Kabelnetzunternehmen heute mitteilte.

Etwas anders präsentiert sich die Lage im Kanton Bern und im deutschsprachigen Teil des Kantons Freiburg. Dort werden am 3. April Canale 5, Rai Uno und n-tv aufs digitale Angebot verschoben. Anfang Juni folgen WDR und M6.

In Biel können ab 3. April Canale 5, Rai Uno und Bayerischer Rundfunk (BR) nicht mehr analog empfangen werden. Ob noch weitere Sender verschoben werden, ist laut Cablecom noch nicht klar.

Noch offen liess das Unternehmen heute, ob es in der Stadt Basel und in der Romandie zu Verschiebungen kommt. Im Tessin sind 2007 ebenfalls Senderverschiebungen geplant. Informiert werde im Januar, sagte ein Cablecom-Sprecher.

Kein einfacher Entscheid
Die Auswahl der Sender sei nicht einfach gewesen. Man habe aber keine andere Wahl gehabt, unter anderem wegen vertraglichen Verpflichtungen bei Spartensendern. Wie mit dem Preisüberwacher vereinbart, könnten die sechs betroffenen Sender ab April mit dem digitalen Basisangebot empfangen werden.

Mit den Verschiebungen will Cablecom nach eigenen Angaben Platz schaffen für das Angebot von Teleclub und die Übertragung von Sendungen in High-Definition-TV-Qualität (HDTV). Würden etwa Programme der SRG in diesem Format ausgestrahlt, müsse Cablecom sie in der gleichen Qualität verbreiten, sagte der Sprecher dazu.

Über das analoge Cablecom-Netz können nach den angekündigten Verschiebungen je nach Empfangsgebiet noch durchschnittlich 36 Programme empfangen werden. Im Rahmen der Digitalisierung könnten in den nächsten drei Jahren weitere Sender verschoben werden, falls Engpässe im analogen Netz nachgewiesen werden könnten.

«Ein schlechter Zug»
Der Entscheid wird von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) «scharf kritisiert», wie SKS-Geschäftsführerin Jacqueline Bachmann sagte. Es gehe nicht an, dass die Gebühren stiegen und das Angebot schrumpfe. Nun brauche es politische Rahmenbedingungen. Der Cablecom müsse vorgeschrieben werden, welche Sender sie im digitalen Angebot zu belassen habe.

Paolo Solari-Bozzi, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft zur Pflege der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Italien (ASRI) sprach heute von einem sehr schlechten Zug. Ein anderer Weg als vom analogen aufs digitale Programm umzusteigen, bleibe den rund 500'000 Italienerinnen und Italienern im Land wohl nicht. Rai Uno und Canale 5 seien die wichtigsten italienischen TV-Sender. Und Italien sei ein bedeutendes Nachbarland der Schweiz.

Verschiebungen und Abschaltungen von analogen Sendern durch Cablecom haben schon wiederholt Ärger ausgelöst. Zuletzt wurden Anfang Oktober BBC und das spanische TVE aus dem analogen Programm genommen und ORF 2 verschoben. Bereits früher traf es unter anderen France 3, NDR und Italia 1.

Auf Druck von Preisüberwacher Rudolf Strahm senkte Cablecom im November die Preise für das digitale Fernsehen. Im Gegenzug müssen die Zuschauer des herkömmlichen Fernsehens für weniger Sender mehr bezahlen.

Wirtschaft

Meistgelesen in der Rubrik Wirtschaft

Schul-Spezial

Das New York Chinas

Lucerne Festival

Berufsleben

Die Frage

Handy-Betriebssysteme

Warum Apple nervt und begeistert

Das Internet der Zukunft

Smart, aber unter Druck

Weltwirtschaft für Dummies

Apple und das «Antennagate»



© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten