Wirtschaft
Der Kampf um die Kühe
10. Juni 2007, 14:57Immer weniger Bauern schicken ihr Vieh zur Sömmerung auf die Alp. Dies hat zu einem harten Preiskampf unter den Alpwirtschaften geführt. Vor allem Alpen im Bünderland und im Wallis versuchen, Kühe aus anderen Regionen abzuwerben.
«Es gibt heute einen Kampf um die Kühe», bestätigte Beat Lenherr von der Alpwirtschaftskommission St. Gallen einen Bericht der «SonntagsZeitung». Viele Bauern würden ihre Tiere gar nicht mehr auf die Alp schicken, erklärte Leonhard Hug von der Fachstelle für Alpwirtschaft des Kantons Graubünden – vor allem deshalb, weil viele Landwirte auf eine extensive Viehhaltung umgestellt hätten und ihre Kühe im Sommer auf dem eigenen Land grasen liessen.Wegen der hohen Kosten für die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) seien viele Bauern zudem nicht mehr bereit, den teuren Transport des Viehs auf die Alpen zu bezahlen. Ein Transport vom Thurgau ins Engadin koste heute 60 bis 70 Franken. «In einigen Fällen ist der Transport schon fast so teuer, wie der Preis für die Sömmerung selbst», sagte Hug.
Abwerben der Kühe aus anderen Regionen
Um die verbleibenden Kühe herrscht ein harter Preiskampf. Aus dem Bünderland und dem Wallis werde versucht, Vieh für die Sömmerung aus anderen Regionen abzuwerben, sagte Lenherr.Im St. Gallischen zahle ein Bauer für eine Milchkuh pro Tag auf der Alp 5 bis 7.50 Franken. Dafür erhält er vom Alphirten den Käse. Einzelne Alpen im Bünderland und im Wallis seien bereit, eine Kuh schon für einen Bruchteil dieses Preises zu sömmern, sagte Lenherr.
Mancherorts sei der Preis für eine Milchkuh auf rund 3 Franken pro Tag gesunken, sagte Hansjörg Hassler, Bünder SVP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands (SAV). «Für ein Jungtier wird teilweise gar weniger als einen Franken bezahlt», sagte Hassler.
Tiefe Viehbestände als weitere Ursache
Auch aufgrund der tiefen Viehbestände habe man immer mehr Mühe, die Alpen auszulasten, erläuterte Hassler. Seit rund 10 Jahren sei in der Schweiz ein Preiszerfall festzustellen, der sich in jüngster Zeit weiter verschärft habe.Noch dramatischer sei die Situation im benachbarten Voralberg und im Allgäu, sagte Lenherr. Dort gebe es Alpen, wo der Bauer seine Kühe gratis weiden lasse. Alpwirtschaften machten dies wegen der staatlichen Sömmerungsbeiträge, die sich an der Stückzahl des Viehs ausrichteten.
Auch Schafe immer günstiger
Nicht nur für Kühe und Rinder, sondern auch für Schafe werde heute weniger bezahlt, sagte Lenherr. Während im St. Gallischen die Sömmerung eines Schafes rund 25 Franken koste, verlangten Bündner Alpen noch rund 10 Franken.Genaue Zahlen liegen bei der Bündner Fachstelle für Alpwirtschaft nicht vor. Der Preis variiere von Alp zu Alp stark, sagte Hug. Ob auch in der Schweiz einzelne Alpen das Vieh bereits gratis auf die Alp lassen, könne er nicht bestätigen. «Ich wüsste keinen Fall, wo Alpen gratis sömmern», sagte Hug.
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