Fairer Handel vermindert die Armut von Kleinbauern

29. Juni 2007, 22:53

Kleinbauern, die Kaffee für den fairen Handel anbauen, verbessern nicht nur ihre eigenen Lebensbedingungen. Eine Fallstudie aus Bolivien ortet auch Vorteile für andere Pflanzer.

Von Richard Diethelm, Bern

Jede zweite Banane, jede dritte Schnittblume und vier von 100 Beuteln Röstkaffee, die in Schweizer Läden verkauft werden, sind Artikel des fairen Handels. Verbessern Konsumenten, die beim Einkauf etwa auf das Label Max Havelaar achten, tatsächlich das Los von Kleinproduzenten in Ländern des Südens? Helfen sie sogar mit, soziale Spannungen und das Risiko von Gewaltkonflikten zu verringern?

Wettbewerb bei Ankaufspreisen
Das Staatssekretariat für Wirtschaft beauftragte einen Ökonomen der Uni Basel und eine Politologin der Friedensstiftung Swisspeace, diese Fragen wissenschaftlich abzuklären. Dazu verglichen Andrew Lee und Sandra Imhof die Lebensbedingungen von 2000 Kaffeepflanzern im bolivianischen Tiefland. Ein Viertel der indigenen Bauern sind Mitglieder von Fair-Trade-Kooperativen; die andern liefern ihre Ernte an Privatfirmen, die konventionelle Absatzkanäle benutzen. Lee und Imhof präsentierten heute ihre Befunde:

Dank dem fairen Handel erzielen die Kleinproduzenten höhere Einkünfte, obschon die Hektarerträge in den vier untersuchten Fällen weit auseinander liegen. Laut Lee «sprechen viele Indizien dafür», dass die Präsenz der Fair-Trade-Kooperativen auch jene Bauern bessergestellt hat, die nicht Genossenschafter sind. Die «Koyoten» genannten Ankäufer der Kaffeeernten müssen ihnen wegen der Konkurrenz höhere Preise zahlen.

Die Genossenschaften im System des fairen Handels führen regelmässig Weiterbildungskurse durch. Ihre Bauern wussten daher eindeutig besser Bescheid über qualitätsfördernde Anbaumethoden, die Verarbeitung und den Kaffeehandel als die Kleinproduzenten von nebenan. In einer der beiden Kooperativen nutzten die Bauern das neu erworbene Wissen auch dazu, Gemüsegärten anzulegen. «Im geschützen Umfeld der Kooperative erwerben die Produzenten Fähigkeiten, die eine nachhaltige Verminderung der Armut ermöglichen», sagte Imhof.

Fairer Handel kann zur Prävention gewaltsamer Konflikte beitragen, weil er soziale Ungleichheiten tendenziell verringert. Den Beweis konnte Imhof nicht antreten, weil die untersuchte Provinz Yungas im Sommer 2006 von den schweren Unruhen in Bolivien verschont war.

Für den Geschäftsleiter von Max Havelaar Schweiz, Martin Rohner, zeigt die Studie, «dass wir auf dem richtigen Weg sind». Die beobachtete Ausdehnung der Anbaufläche durch Fair-Trade-Produzenten werde den Weltmarktpreis kaum beeinflussen. Denn auf dem Weltmarkt habe der Kaffee, der unter den Bedingungen des fairen Handels erzeugt wird, nur einen Anteil von etwa 0,01 Prozent. Rohner schränkte jedoch ein, die Ergebnisse dieser Studie liessen sich nicht unbesehen auf die Verhältnisse in Bananen- oder Schnittblumenplantagen übertragen.

Lohnende Investitionen
Die Agronomin Sybil Anwander, die bei Coop Schweiz den Bereich Wirtschaftspolitik/Nachhaltigkeit leitet, hob den positiven Effekt auf die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit solcher Produzenten hervor. Da der Druck steige, auf Böden im Süden an Stelle hochwertiger Nahrungsmittel Energierohstoffe anzubauen, «sollten wir aus eigenem Interesse in den fairen Handel investieren».

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