Wirtschaft

Teurer Briefversand in der Schweiz

11. Juli 2007, 14:04

Zwar stellt die Postregulationsbehörde der Schweizerischen Post mehrheitlich gute Noten aus. Bei Sendungen unter 20 Gramm – die Hälfte aller Briefe – gehört sie aber zu den teuersten Europas.

Die postalische Grundversorgung in der Schweiz funktioniert flächendeckend und in guter Qualität. Dies stellt die Postregulationsbehörde (PostReg) in ihrem Jahresbericht fest. 98 Prozent der A-Briefe und 98,3 Prozent der B-Briefe seien rechtzeitig beim Empfänger eingetroffen. Auch bei den Laufzeiten der Pakete behaupte die Post einen europäischen Spitzenplatz. Die Preise für Paket- und Briefsendungen bewegten sich im europäischen Mittelfeld, so die PostReg. Allerdings müssten die Schweizerinnen und Schweizer tief in die Tasche greifen, wenn sie einen Brief von 20 Gramm versenden. Diese bilden die Hälfte aller Briefe. Hier gehöre die Post zu den teuersten Anbietern Europas.
Im europäischen Vergleich gute Arbeitsbedingungen
Zufrieden ist die PostReg mit den Arbeitbedingungen. Hier sei die Schweiz den europäischen Staaten einen wesentlichen Schritt voraus. Die Aufsichtsbehörde will denn auch die Absicht des Parlamentes konsequent umsetzen: «Sozialdumping hat im Postmarkt nichts zu suchen.»

Die Schweiz verfügt laut PostReg über eines der dichtesten Poststellennetze Europas. Ende 2006 gab es 2493 Poststellen, 38 weniger als ein Jahr zuvor. Hinzu kamen über 100 Annahmestellen privater Postanbieter. Im Durchschnitt erreichen 91 Prozent der Bevölkerung innert 20 Minuten die nächste Poststelle.

«Wenig dynamischer» Markt
Für die PostReg täuschen diese an sich erfreulichen Resultate über die «wenig dynamische» Entwicklung des Schweizer Postmarkts hinweg. Die Post verfüge immer noch über einen Marktanteil bei der Briefpost von 99,96 Prozent. Der Paketmarkt stagniere ebenfalls. Mit 17 Prozent sei der Anteil der Privaten sogar leicht rückläufig.

Im Hinblick auf die Totalrevision des Post- und Postorganisationsgesetzes drängt PostReg-Leiter Martin Kaiser auf klare Perspektiven und eine zukunftsorientierte Marktordnung. Nur mit Rechts- und Planungssicherheit würden die verschiedenen Marktteilnehmer Investitionen und so auch neue Arbeitsplätze schaffen. Kaiser betonte auch, dass die Voraussetzungen für weitere Marktöffnungsschritte gut seien: Im europäischen Vergleich habe die Schweiz das höchste Sendevolumen pro Kopf. Die Negativszenarien hätten sich nicht bewahrheitet, so Kaiser. «Brief und Paket haben Zukunft.»

Für die privaten Konkurrenten der Post, die sich in dem Verband Kep&Mail zusammengeschlossen haben, ist der Umstand, dass die Post 2006 in der Grundversorgung 769 Millionen Franken verdiente, Beweis genug, dass der Universaldienst auch ohne Monopol durch die Post finanzierbar wäre.

Economiesuisse: Hohe Preise wegen Monopol
Auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse verlangt die rasche und komplette Marktöffnung im Briefbereich. Der PostReg-Bericht zeige deutlich, dass die Schweizer bei Briefen im Monopolbereich nach wie vor beinahe die höchsten Preise Europas erleiden müssten. Wo hingegen der Schweizer Postmarkt bereits geöffnet sei, sehe die preisliche Situation deutlich besser aus.

Der Schweizer Versandhandel verlangt angesichts einer Marge von 18 Prozent bei der Grundversorgung mit Nachdruck Preissenkungen vom Gelben Riesen.

Post hält dagegen
Die Post hielt auf Anfrage dagegen, dass eine vollständige Marktöffnung nicht sinnvoll sei. «Aus unserer Sicht ist ein Restmonopol die beste Lösung, um die Grundversorgung auch weiterhin auf einem hohen Niveau finanzieren zu können», sagte Postsprecher Richard Pfister. Es gebe keine vernünftige Alternative.

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