Umstrittenes Politsponsoring

17. Juli 2007, 21:13

Die Getreideproduzenten haben Politiker aller Parteien zu einem Plauschwettkampf eingeladen - und den Agrokonzern Syngenta exklusiv als Sponsor verpflichtet. Das sorgt für rote Köpfe.

Von Annetta Bundi, Bern

Auf den ersten Blick sieht alles nach einem friedlichen Anlass aus. Doch je näher der für übernächsten Freitag angesetzte Wettkampf im Getreidedreschen rückt, desto gehässiger geht es hinter den Kulissen zu und her: Die seit kurzem in der Schweiz tätige Realchemie, die ihr Geschäft mit Parallelimporten macht und so den Agrokonzern Syngenta konkurrenziert, ist von den Organisatoren als Sponsorin unvermittelt ausgeladen worden. Zwar darf sie auf der Homepage der Veranstalter werben. Am Dreschwettbewerb der Politiker ist ihr Engagement aber nicht mehr erwünscht.

Dafür hat Realchemie kein Verständnis. Man habe sich auf die Diskussionen mit den Parlamentariern sehr gefreut, heisst es im Blog, den die Firma im Internet aufgeschaltet hat. «Wir wollten allen zeigen, dass wir parallel oder reimportierte Originalprodukte exakt nach dem Buchstaben des Gesetzes verkaufen. Nur viel preiswerter als die Chemie-Konzerne mit ihren üppigen Margen.» Syngenta fürchte sich offenbar vor dieser Debatte, stichelt das Realchemie-Team - und verweist auf den Druck, den Syngenta aufgebaut hat: Der Basler Konzern hat den Organisatoren klar gemacht, sich nur zu engagieren, falls der Konkurrenz eine Absage erteilt wird.

Die Organisatoren bestätigen, bei Realchemie um einen Sponsoringbeitrag nachgesucht und eine positive Antwort erhalten zu haben. Da Syngenta in der Folge für eine branchenweit exklusive Präsenz «ein grosszügiges Entgegenkommen» signalisiert habe, sei der Entscheid letztlich aber zu Gunsten des Basler Konzerns gefallen, sagt Daniela Schürch, die beim Anlass fürs Marketing zuständig ist. Syngenta habe inzwischen 2500 Franken gesprochen. «Das ist für uns ein namhafter Betrag.»

Kritiker fassen Boykott ins Auge
Dass Realchemie am Plauschdreschen in Bern unerwünscht ist und dort nebst Syngenta nur Coop als gleichberechtigter Partner geduldet wird, stösst bei der Linken auf harsche Kritik. «Aus der Einladung ging das Sponsoring der Syngenta nicht hervor», ärgert sich Ruth Genner, Präsidentin der Grünen. Sie hat sich zusammen mit den Parteikolleginnen Franziska Teuscher und Maya Graf für den Anlass angemeldet. Das ist insofern pikant, als 2005 alle drei die Gentechfrei-Initiative unterstützten, die von der Basler Chemie heftig bekämpft wurde. «Nun muss ich mir gut überlegen, ob ich an der Zusage festhalten soll», sagt Genner, die wie ihre Kolleginnen in den Ferien weilt. «Mich stört sowohl das Sponsoring der Syngenta als auch die Branchenexklusivität, die dem Agrokonzern zugestanden wird.»

Bei der SP tönt es ähnlich. «Es gibt keinen Grund Syngenta zu privilegieren», sagt die Zürcher Nationalrätin Barbara Marty-Kälin, die für den Dreschwettbewerb eingetragen ist. «Unsere Partei engagiert sich für Parallelimporte», doppelt Margret Kiener Nellen nach. «Es kommt für mich daher nicht in Frage, Firmen von bäuerlichen Anlässen auszuschliessen, die den Landwirten zu günstigeren Pflanzenschutzmitteln verhelfen.» Die Berner Nationalrätin ist Anfang Woche von Realchemie auf das Gerangel ums Sponsoring aufmerksam gemacht worden.

Die Studenten der Hochschule für Landwirtschaft, die für die Bauern den Anlass organisieren, wissen um die Brisanz des Entscheids, wollen ihn aber nicht korrigieren. «Wir sind auf das Geld der Syngenta angewiesen», sagt Daniela Schürch. Der Agrokonzern betont, Hauptsponsoren beanspruchten meist Exklusivität. Das ist in der Tat so - dürfte beim Plauschdreschen aber dazu führen, dass die Linke die Veranstaltung boykottieren wird.

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