Wirtschaft
Harry Potter zaubert alle ziemlich reich
20. Juli 2007, 22:07Autorin Joanne K. Rowling hat ausgesorgt. Aber auch indische Buchkopierer, unautorisierte Übersetzer und Ökonomen wollen nicht leer ausgehen.
Von Marc BadertscherNun kommt er also auf dem Markt, der letzte Band der Potter-Saga. Und das Ende verkauft sich prächtig. «Wir setzen diesmal mehr ab als beim 6. Band», sagt Danièle Taserner vom Grossisten Buchzentrum. «Und vor allem rufen uns die Buchhandlungen laufend an und bestellen schon jetzt nach.» Die Ausgabe für Erwachsene (mit anderem Umschlag, aber gleichem Inhalt) ist beim Buchzentrum bereits ausverkauft. Trotz Frühenglisch sind es offenbar doch weniger die Kinder, die sich auf die englische Originalversion stürzen.
So viel über Potters letzten Streich und den fast gleichzeitigen Filmstart zu Band 5 geschrieben wurde, das aktive Merchandising ausserhalb der Medien ist verhalten. «Wir haben diesmal ein paar T-Shirts gedruckt, ein paar Buttons, das ist alles», so Leo Baumgartner, Chef von Warner Brothers Schweiz, welche die Potter-Filme in die Kinos bringt. Allerdings hat das weniger mit geschrumpftem Marketing-Budget zu tun. «Wir haben von der Autorin Rowling einfach sehr, sehr wenige Bewilligungen erhalten», sagt er. Man müsse ihr und ihren Managern alle Ideen zur Genehmigung vorlegen. Beim ersten Film hatte man noch Coca-Cola an Bord holen dürfen. Das sei dann später nicht mehr möglich gewesen.
Und vielleicht auch nicht nötig. Die Filme haben weltweit Milliarden eingespielt. Der Wert der Marke «Harry Potter» wird auf 5 bis 10 Milliarden Dollar geschätzt. Das Magazin «Forbes» setzte Autorin Rowling mittlerweile auf Rang 891 ihrer Liste der Reichsten der Welt - mit über einer Milliarde Vermögen.
Das Gute an Harry Potter ist, der «grösste Exportschlager Grossbritanniens aller Zeiten» (Zitat Premier Gordon Brown) liefert nette Zahlen und beglückt zahlreiche Branchen. Hier einige davon:
Die Hersteller von Druckerschwärze: In der Erstauflage des neuen Buches sind alleine in den USA 7,2 Milliarden Seiten bedruckt worden.
Übersetzer in China: Beim letzten Band dauerte es gerade knapp 14 Tage, bis eine unauthorisierte Übersetzung vorlag. In der Schweiz ist der neuste Band auf Deutsch erst in 3 Monaten erhältlich.
Besitzer von Fotokopiergeräten in Indien: Letztes Jahr verkauften Strassenhändler Zehntausende selbst gemachte Ausgaben. Die Behörden gingen mit der Warnung dagegen an, «die unhygienischen Bücher sind mit Tinte gedruckt, die giftig sein könnte».
Nicht alle, von denen man es erwarten würde, springen auf den Hype auf. Franz Carl Weber verzichtet vollständig auf Potter-Artikel. «Vor 5 Jahren waren wir dabei. Allerdings war das Echo mässig», heisst es bei der Spielwaren-Kette. Die eigene Klientel sei zu jung, lautet die Analyse.
Apropos Analyse: Der amerikanische Autor Tom Morris war dermassen angetan von Potters Charakter und dessen Fähigkeiten, dass er ihn gleich zur Vorlage nahm, aktuelle Problem von amerikanischen Konzernen zu lösen. Der Titel seines Buches lautet: «Wenn Harry Potter General Electric führen würde».
Er wird nicht wie Rowling auf 325 Millionen verkaufte Exemplare kommen.
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