Ärger über Lohnforderungen

06. August 2007, 20:55

Die Gewerkschaft Travail Suisse will, dass der Aufschwung allen Angestellten zu Gute kommt. Mit dieser Forderung können die Arbeitgeber nichts anfangen: Sie pochen auf flexiblere Lösungen.

Mehr Menschen ohne Kaderstelle sollen von der Konjunktur profitieren.
Mehr Menschen ohne Kaderstelle sollen von der Konjunktur profitieren.
Von Annetta Bundi, Bern

Der Schweizer Wirtschaft geht es bestens. Die Auftragsbücher sind voll, und die meisten Maschinen laufen auf Hochtouren. Angesichts der guten Aussichten und der hohen Firmengewinne pochen die Angestellten nun darauf, am Erfolg partizipieren zu können. Die Gewerkschaft Travail Suisse, die sich den Werten der christlichen Sozialethik verpflichtet fühlt, verlangt fürs nächste Jahr Lohnerhöhungen von 2 bis 5 Prozent. «Der Aufschwung ist bis anhin an den Arbeitnehmenden spurlos vorbeigegangen», begründet Travail-Suisse-Ökonomin Susanne Blank diese Forderung.

Grosser Nachholbedarf
Für die meisten Angestellten waren die letzten Jahren in der Tat ernüchternd. Ihre Löhne wurden in den meisten Betrieben zwar leicht erhöht, auf Grund der Teuerung blieb ihnen Ende Monat häufig aber nicht mehr Geld im Portemonnaie als vorher. Das ist insofern bemerkenswert, als die Arbeitsproduktivität im selben Zeitraum stark gestiegen ist - und die Manager für ihren Einsatz fürstlich entschädigt worden sind: Die Chefs der grössten Schweizer Firmen haben im letzten Jahr ihr Salär im Schnitt um 19 Prozent erhöhen können.

Für Travail Suisse ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Die Gewerkschaft stört sich sowohl an der sich öffnenden Lohnschere als auch am Trend, die Angestellten vermehrt individuell mit einem Zustupf zu honorieren. Boni und Einmalzahlungen seien für die in den Genuss solcher Zuschüsse kommenden Mitarbeiter zwar eine nette Geste, aber alles andere als nachhaltig. «Sie garantieren keinen dauerhaft höheren Lohn und keine dauerhaft höhere Rente», kritisiert Susanne Blank. Zudem vergifteteten sie das Betriebsklima. «Solche Zahlungen dürfen die regulären Lohnerhöhungen nicht ersetzen.»

Beim Gewerkschaftsbund kommt man zum selben Schluss. «Wir fordern von den Arbeitgebern ebenfalls generelle Lohnerhöhungen», sagt Zentralsekretär Daniel Oesch. Es gehe nicht an, die Angestellten nur noch mit individuellen Prämien am Erfolg teilhaben zu lassen. Schliesslich trügen alle dazu bei. Mit welchen Forderungen der Gewerkschaftsbund in die jeweils im Herbst stattfindenden Lohnverhandlungen steigen wird, ist noch nicht klar. Das will die Gewerkschaftsführung Ende Monat konkretisieren. Man werde vermutlich etwas forscher auftreten als Travail Suisse, sagt Oesch. «Es ist höchste Zeit für substanzielle Verbesserungen.»

Patrons setzen auf einmalige Prämien
Die zur Gewerkschaft Travail Suisse gehörende Syna verlangt für ihre Mitglieder über die ordentliche Lohnerhöhung hinaus einen Sonderzustupf von 200 Franken pro Monat. So könne der gestiegenen Arbeitsproduktivität am besten Rechnung getragen und die Kaufkraft erhöht werden.

Die Patrons haben für solch pauschale Forderungen freilich wenig Verständnis. «Wir brauchen differenzierte Lösungen», sagt Arbeitgeberdirektor Thomas Daum. Sonst büsse die Schweizer Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit ein. «Unsere Firmen können nur bestehen, wenn die Arbeitskosten nicht über Gebühr steigen und flexibel ausgestaltet werden können.» Es sei daher auch falsch, Boni und andere einmalig bezahlte Prämien zu verteufeln. «Das sind gute Instrumente, um die Mitarbeiter am Erfolg partizipieren zu lassen.»

Obwohl die Arbeitgeber mit generellen Lohnerhöhungen wenig anfangen können, werden sich die Sozialpartner im Herbst in den meisten Branchen wohl ohne Getöse finden. Die Angestellten haben für einmal gute Karten in der Hand: Angesichts des ausgetrockneten Arbeitsmarktes können es sich viele Patrons gar nicht leisten, bei den Salären allzu sehr zu knausern. «In den wertschöpfungsstarken Branchen wird das Personal von den Verknappungserscheinungen zweifellos profitieren», erklärt Arbeitgeberdirektor Thomas Daum.

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