Drahtloses Internet strahlt stärker als Handys

12. August 2007, 18:47 – Von Angela Barandun

Die deutsche Regierung rät ihren Bürgern, sicherheitshalber auf einen drahtlosen Internetzugang zu verzichten. Die Schweizer Behörden sehen keinen Grund für eine derartige Empfehlung.

Drahtlose Internetzugänge gibts praktisch überall: Zu Hause, im Lieblingscafé, auf öffentlichen Plätzen, bei der Arbeit. Dass die Funksignale zwischen Computer und Antenne gefährlich sind, wird nach heutigem Wissensstand verneint – von der Weltgesundheitsorganisation, vom Bundesamt für Gesundheit und von der deutschen Regierung. Dafür sei die Intensität der Strahlung zu gering, lautet der Konsens.

Trotzdem hat sich die deutsche Bundesregierung dazu entschlossen, auf Nummer sicher zu gehen. In einer kürzlich erschienenen Stellungnahme schreibt sie: «Die Bundesregierung empfiehlt allgemein, die persönliche Strahlenexposition durch hochfrequente elektromagnetische Felder so gering wie möglich zu halten, das heisst herkömmliche Kabelverbindungen zu bevorzugen.» Damit äussert sie sich klar gegen drahtloses Internet, das so genannte WLAN.

Auch in der Schweiz ist die Gefahr von WLAN-Netzen immer wieder ein Thema. Zuletzt verabschiedete der Bundesrat im März einen Bericht über das «Risikopotenzial von drahtlosen Netzwerken». Federführend war das Bundesamt für Gesundheit. Im Gegensatz zu den deutschen Kollegen kamen die Schweizer zum Schluss, dass es keinen Grund gebe, sich gegen WLAN-Netze auszusprechen. «Es besteht im Moment kein Bedarf an zusätzlichen Massnahmen bei WLANs», erklärt die Behörde. Die Auswirkungen der Strahlung wird aber weiter erforscht.

Ob die Schweizer Behörden zu lasch mit dem Thema umgehen, lässt sich aus heutiger Sicht schwer sagen. Tatsache ist aber, dass drahtlose Netzwerke in der Öffentlichkeit viel weniger als Bedrohung wahrgenommen werden als Handys und Handy-Antennen. Wohl zu unrecht.

Zwei Meter Abstand würden reichen

Ein WLAN-Sender gibt weniger Strahlung ab als eine Handyantenne. Und die Strahlenbelastung sinkt mit steigendem Abstand stark. Und hier steckt der Kern des Problems: Weil die Strahlung einer WLAN-Anlage unterschätzt wird, wird oft nicht genug Abstand zum Gerät gehalten. Bereits zwei Meter würden genügen, um die Strahlendosis deutlich zu verringern.

Tatsache ist, dass die WLAN-Station auf dem Bürotisch deutlich schlimmer ist, als die Mobilfunkantenne auf dem gegenüberliegenden Hausdach. Das bestätigt Gregor Dürrenberger von der Forschungsstiftung Mobilkommunikation: «In einer Wohnung mit WLAN sind – wenn die Station sendet – die Felder in der Wohnung meist stärker als jene von Handy-Antennen in der Umgebung.»

Dasselbe Bild ergibt die Analyse von Marc Oertle, Arzt am Spital Thun. Er hat eine Strahlenstatistik der mit drahtlosem Internet ausgerüsteten Klinik erstellt. Die Messungen an einem Schwesternarbeitsplatz und in einem Patientenzimmer zeigen: Die höchste einzelne Strahlung erhält der Arbeitsplatz mit Sicht auf einen WLAN-Sender ab. Hier ist die Strahlung durch das drahtlose Internet um ein Vielfaches höher als durch Handy, Pager oder Mobilfunkantenne. Im Patientenzimmer ist das Gegenteil der Fall. Trotzdem bekommen die Schwestern auf Grund des WLAN insgesamt mehr Strahlung ab als die Patienten.

Gerade weil die Strahlung mit steigender Entfernung stark abnimmt, ist auch die Gefahr durch fremde drahtlose Netzwerke aus der Nachbarschaft gering. Selbst wenn der Laptop zwei, drei, sieben oder zehn fremde Netze erkennt, ist das kein Grund zur Panik. Der Grund: «Sender und Empfänger können selbst bei sehr kleinen Strahlungsintensitäten miteinander Kontakt aufnehmen», schreibt das Bundesamt für Gesundheit.

Gerade in Schulen geben drahtlose Netzwerke immer wieder Anlass zu Diskussionen. In Bayern etwa gilt seit einem Jahr für das ganze Bundesland die Empfehlung, an Schulen auf drahtloses Internet generell zu verzichten. Das Bundesamt für Gesundheit hält eine ähnliche Vorsichtsmassnahme nicht für notwendig: «Wir verfügen über keine Grundlagen, den Betrieb von WLAN an Schulen hinsichtlich der Strahlung in Frage zu stellen», schreibt die Behörde dem «Tages-Anzeiger».

Damit ist das Thema in der Schweiz aber nicht vom Tisch. In Stadtzürcher Schulen ist kein drahtloses Netz in Betrieb. In der Stadt Luzern wurde dessen Einführung gestoppt. In anderen Schweizer Gemeinden sind Anfragen besorgter Eltern hängig.

WLAN

WLAN ist die englische Abkürzung für Wireless Local Area Network und meint ein drahtloses lokales Funknetz. WLAN bietet drahtlosen Internetzugang (über Computer, Laptop oder zum Beispiel Handy), wofür ein WLAN-Sender an einen schnellen Internetzugang via Telefon- oder Fernsehkabel angeschlossen wird. Um drahtlos ins Internet zu gehen, brauchen die Endgeräte einen WLAN-Empfänger. Dieser ist heute in vielen Laptops und einigen Handys bereits eingebaut. (aba)

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