Coop kauft sich 12 Megastores aufs Mal
21. August 2007, 21:37 Von Romeo RegenassDie französische Carrefour gibt auf und verkauft alle Schweizer Filialen. Coop sichert sich damit 7950 Parkplätze und 74800 Quadratmeter Verkaufsfläche.
Seinem erklärten Ziel, die Migros bis 2015 als umsatzstärkste Schweizer Detailhändlerin abzulösen, ist Coop-Chef Hansueli Loosli einen grossen Schritt näher gekommen. Für verhältnismässig günstige 470 Millionen Franken kauft der Basler Grossverteiler die zwölf Schweizer Filialen von Carrefour, dem weltweit zweitgrössten Detailhändler. Die zwölf Standorte erzielten 2006 einen Umsatz von gut 950 Millionen Franken. Im Einkaufskorb liegen auch die kurz vor der Eröffnung stehende Filiale im Stadion St. Gallen sowie ein weniger weit gediehenes Projekt in Chur.
Verkäuferin ist das Joint-Venture zwischen Carrefour und der Genfer Maus-Frères-Gruppe, die unter anderem die 70 Manor-Warenhäuser führt. Der Rückzug des weltweit zweitgrössten Detailhandelskonzerns geht auf einen Strategiewechsel der neuen Carrefour-Führung zurück. Seit der Spanier José Luis Duran 2005 vom Finanzchef zum Konzernchef aufgestiegen ist, verfolgt er eine klare Bereinigungsstrategie: Carrefour bleibt nur dort präsent, wo die Franzosen die Nummer eins oder zwei sind. Deshalb hat man sich bereits aus Japan, Mexiko, Südkorea, Tschechien und Portugal zurückgezogen.
«Mit den zwölf Carrefour-Standorten können wir unseren Nachholbedarf an Filialen mit über 4200 Quadratmeter Fläche decken und die weissen Flecken auf der Landkarte schliessen», sagte Coop-Chef Hansueli Loosli vor den Medien in Zürich. Geografisch ergänzten die bestehenden Standorte und das Stadionprojekt in St. Gallen die Megastores von Coop nahezu ideal. Coop könne dadurch auf die Realisierung von insgesamt rund sechs eigenen Bauprojekten mit langwierigen Bewilligungsverfahren verzichten – so bei Genf und in Manno im Tessin.
Tatsächlich verdoppeln die Basler mit Carrefour nicht nur die 75 000 Quadratmeter Verkaufsfläche ihrer Megastores, sie erhalten auch 7950 Parkplätze als willkommene Mitgift – Parkplätze, um die bei jedem Neubauprojekt gerungen werden muss. Laut Loosli finden die Megastores mit über 40000 Artikeln und vielen Parkplätzen immer mehr Zuspruch. «Ihre Umsätze wachsen um rund 10 Prozent». Insgesamt gehe es Coop in diesem Jahr sehr gut; Ende Juli sei die Gruppe als Ganzes mit 4 Prozent im Plus gelegen.
Mit den Carrefour-Filialen käme Coop im Lebensmittelbereich auf 40 Prozent Marktanteil. Das wäre noch nicht ganz so viel wie die Migros alleine aufweist, ohne Denner. Dennoch könnte es bei der Prüfung durch die Wettbewerbsbehörde Probleme geben, nicht zuletzt auf Lieferantenseite. «Mit dem sukzessiven Verschwinden von Alternativen sind gerade Schweizer KMUs der Einkaufsmacht der dominanten Einzelhändler praktisch ausgeliefert», sagt Nathalie Bur vom Markenartikelverband Promarca.
Coop-Chef Loosli geht denn auch von einer Prüfung durch die Wettbewerbskommission aus, erwartet aber keine ernsthaften Probleme. «Mit Blick auf die deutschen Discounter und die Marktöffnung braucht sich niemand um mangelnden Wettbewerb zu sorgen.» Rafael Corazza, Direktor des Sekretariats der Wettbewerbskommission, kann dazu noch keine Aussagen machen. Hingegen bestätigt er, dass der Entscheid im Fall Denner «auf die aktuellst mögliche Situation» abstellen wird. Sprich: Die Weko wird dabei berücksichtigen, dass die Fusion von Coop und Carrefour Schweiz angekündigt ist. Für den Entscheid in Sachen Denner hat die Weko noch bis zum 12. September Zeit.
Als Folge der Verdoppelung der Anzahl Megastores rechnet Coop mit bedeutenden Einsparungen bei Transporten und der Werbung, in zweiter Linie auch bei Informatik und Administration. Insgesamt sollen in die neuen Filialen im Lauf der nächsten sechs Jahre rund 100 Millionen Franken gesteckt werden – Geld, das unter anderem frei wird, weil anderswo Projekte aufgegeben werden.
GAV für alle Angestellten
Freude herrscht beim Personal und bei den Verbänden KV Schweiz und Unia: Mit Ausnahme von rund 20 französischen Managern, die zurück zu Carrefour Frankreich gehen, übernimmt Coop sämtliche rund 2200 Mitarbeitenden. Sie erhalten neu alle den Coop Gesamtarbeitsvertrag (GAV), der in den Bereichen Arbeitszeit, Ferien, Weiterbildung, Altersvorsorge und vorzeitige Pensionierung deutliche Verbesserungen bringt. Carrefour hatte sich stets geweigert, einen GAV abzuschliessen.
Coop verzichtet auf die Realisierung von rund sechs eigenen Bauprojekten.
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