Nein – für die Konsumenten

21. August 2007, 22:06

Kommentar von Romeo Regenass.

Gleich zwei Dossiers aus dem Lebensmittelhandel liegen derzeit bei der Wettbewerbskommission: Der Kauf von Denner durch Migros und nun der Kauf der Schweizer Filialen des französischen Riesen Carrefour durch Coop.

Die beiden Übernahmen können nicht isoliert voneinander betrachtet werden, und auch die Wettbewerbsbehörde wird das nicht tun. Denner und Carrefour erzielen den weitaus grössten Teil des Umsatzes mit Gütern des täglichen Bedarfs. Beide sollen nun Teil des faktischen Duopols werden, das Migros und Coop in diesem Bereich bereits heute bilden. Zusammen erreichen die zwei Grossverteiler im Lebensmittel-Detailhandel mehr als 78 Prozent Marktanteil. Kommen Denner und Carrefour hinzu, setzten Migros und Coop 88 von 100 Franken um, die in der Schweiz für Lebensmittel ausgegeben werden.

Eine solche Marktdominanz ist in ganz Europa einzigartig. Sie muss einer Behörde zu denken geben, deren Aufgabe es ist, für ausreichenden Wettbewerb zu sorgen – auch wenn Aldi und Lidl ihren Angriff auf die Bastion Schweiz gestartet haben oder kurz davor stehen. Weil diese reine Discounter mit kleinem Sortiment sind, sorgen die Deutschen nämlich nur beschränkt für mehr Wettbewerb. Zudem stehen sie erst am Anfang ihrer Expansion, und es wird noch eine Weile dauern, bis sie landesweit bedeutende Marktanteile erzielen.

Der spätestens am 12. September fällige Entscheid der Wettbewerbskommission zum Denner-Deal hat deshalb Grundsatzcharakter. Wird der Verkauf des Discounters ohne einschneidende Auflagen bewilligt, dürfte die Wettbewerbsbehörde auch im Fall Carrefour grünes Licht geben. Entscheidet die Weko so, vertraut sie darauf, dass Aldi und Lidl in naher Zukunft Migros und Coop genug unter Druck setzen. Damit zementiert sie aber das faktische Duopol von Migros und Coop.

Wird der Denner-Verkauf hingegen nicht oder nur mit grossen Auflagen genehmigt, dürfte auch der Verkauf von Carrefour nicht ohne Weiteres über die Bühne gehen. Aus der Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten ist eine Intervention der Weko klar zu bevorzugen.

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