Wirtschaft

Deutsche Bahn putzt sich für den Börsengang heraus

23. August 2007, 21:41 – Von Judith Wittwer

Der millionenteure Streik kann die Bilanz des Konzerns nicht trüben. Doch verdaut hat Chef Hartmut Mehdorn den Streit mit den Lokführern nicht.

Eigentlich wollte sich Hartmut Mehdorn zum Konflikt mit den Lokführern nicht mehr äussern. Bei laufenden Verhandlungen gilt Stillschweigen - und dies ist bei dem heftigen Streit um einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführergewerkschaft GDL und mehr als 30 Prozent höhere Löhne wohl auch besser so. Vor Einschaltung der Schlichter Heiner Geissler und Kurt Biedenkopf hatte jede Äusserung einen neuen Schlagabtausch mit der Gewerkschaft provoziert.

Doch souverän ruhen lassen konnte der umtriebige Konzernchef das Dossier an der Halbjahresmedienkonferenz in Frankfurt trotzdem nicht. Noch einmal betonte Mehdorn, dass die Bahn mit dem Tarifabschluss, den sie mit den beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart hatte, bereits «an die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren» gegangen sei. Die Vereinbarung koste das Unternehmen jährlich 250 Millionen Euro. Mehr liege nicht drin. Und überhaupt: «Darf es in Deutschland Schule machen, dass sich einzelne Berufsgruppen auf Kosten der Mehrheit besser stellen können?» Die Antwort des Bahnchefs ist klar - erstaunlich nur, dass sich bei diesem Angriff die Gegenseite nicht zu Wort meldete.

Einen Betrag in «zweistelliger Millionenhöhe» haben die Warnstreiks und Streikdrohungen bis jetzt gekostet. Weil die heisse Phase erst im Juli anlief, konnte das die Bilanz jedoch nicht trüben: Im ersten Halbjahr fuhr die Bahn einen 44 Prozent höheren Betriebsgewinn von 1,35 Milliarden Euro ein. Dank starker Konjunktur und zusätzlicher Angebote legte sie erneut beim Personen- und Gütertransport zu.

Der Start der deutsch-französischen Hochgeschwindigkeitsstrecken und die frühsommerlichen Zukäufe der Güterbahnen EWS in Grossbritannien und Transfesa in Spanien fallen da noch nicht ins Gewicht. Das Auslandgeschäft spielt für die Deutsche Bahn aber schon heute eine riesige Rolle: Ein Drittel des Umsatzes von 15,3 Milliarden Euro wurde jenseits der Landesgrenze erwirtschaftet. Dabei rechnen sich vor allem die Investitionen in die Logistiksparte. Bahn-Tochter Schenker zeichnet sich inzwischen für fast die Hälfte des Umsatzes verantwortlich.

Bundesmilliarden für die Schiene

Weil Architekt Mehdorn den weiteren Ausbau seines Weltkonzerns nicht ohne zusätzliches Eigenkapital finanzieren kann, drängt er nun an die Börse. Die Weichen für diesen Schritt hat die Regierung im letzten Monat mit ihrem Beschluss zur Teilprivatisierung bereits gestellt - und ist dabei auch Mehdorns Wunsch gefolgt, dass die Bahn für die kommenden Jahre Schienennetzbetreiberin bleibt. Noch bedarf der Entwurf der Zustimmung der Länder. Die Milliardensubventionen ins Schienennetz fliessen inzwischen weiter und so verdoppelte sich hier im ersten Semester der Gewinn auf 294 Millionen.

Ohne die staatlichen Zuschüsse für die Schieneninfrastruktur und den Nahverkehr von 8 Milliarden Euro würde aus dem dicken Plus ein dickes Minus, kritisierte das Bündnis «Bahn für alle» gestern. Statt sich an scheinbaren Gewinnen zu erfreuen, solle der Staat seine Verantwortung als Eigentümer wahrnehmen und die Verkaufspläne aufgeben. Auch dies hat dem bulligen Manager Mehdorn wohl wieder das Blut in den Kopf steigen lassen.

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