Wirtschaft

Frisches Gammelfleisch aus Bayern

28. August 2007, 22:17 – Von Sascha Buchbinder

Elf Tonnen umetikettiertes Fleisch wurden in Bayern beschlagnahmt. Zwanzig Tonnen verdorbene Ware sind bereits verkauft.

Die Behörden haben wieder nichts bemerkt. Bereits zum fünften Mal innerhalb eines Jahres wurde in Bayern tonnenweise Fleisch, das nur noch für Tierfutter taugte, mit neuen Etiketten beklebt und als Dönerfleisch verkauft. Der einzige Fortschritt gegenüber früheren Gammelfleisch-Skandalen: Wenigstens haben die Behörden diesmal sofort reagiert, als sie von einem Lastwagenfahrer alarmiert wurden.

Früher versandeten in Bayern sogar konkrete Hinweise

Im jüngsten Fall war einem Chauffeur aufgefallen, dass er bei einer Fleischfirma in Wertingen Schlachtabfälle aus Schleswig-Holstein an einem unauffälligen Ort abladen sollte und dass sich sein Kunde sofort daran machte, die Etiketten der Ware zu entfernen. Die Polizei durchsuchte den Betrieb noch am selben Tag und stellte 11,4 Tonnen Fleisch sicher.

Der Mann der Firmenleiterin gestand laut der Staatsanwaltschaft, im Juli bereits 20 Tonnen verdorbenes Fleisch an einen Dönerproduzenten verkauft zu haben. Die Behörden gehen davon aus, dass die verdorbene Ware in der Zwischenzeit von norddeutschen Dönerliebhabern verzehrt wurde. Angeblich wussten weder die Firmenchefin noch die Kunden des Fleischlieferanten von dem Betrug. Laut Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» war der Mann bereits in den Neunzigerjahren erwischt worden, als er mit minderwertigem Fleisch und Subventionsbetrug seine Gewinnmarge aufzubessern suchte.

Verdorbenes Dönergeschäft

Den grössten Schaden haben die Dönerstände: Die häufigen Meldungen über grünliches Fleisch haben vielen Kunden den Appetit verdorben. Der Verein türkischer Dönerhersteller meint, es sei fast unmöglich zu erkennen, ob Dönerspiesse mit Gammelfleisch gestreckt worden seien. Die Spiesse bestünden aus tiefgefrorenem Fleisch, bei dem weder die Konsistenz noch der Geruch das Gammelfleisch verraten würden.

Die gehäuften Fleischskandale in Bayern sorgten letztes Jahr für eine politische Debatte in Deutschland. Die Rivalität zwischen Bund und Ländern im Allgemeinen und zwischen dem bayerischen Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf und seinem Kollegen auf Bundesebene, Horst Seehofer, im Besonderen verhinderte jedoch grundlegende Änderungen der offensichtlich ungenügenden Kontrollen.

Im Gegenteil: Die Politiker einigten sich im Dezember 2006 auf einen 13-Punkte-Plan, der nichts an den Zuständigkeiten änderte und das Problem nicht wirklich anging. Die Fachleute weisen seit langem darauf hin, dass es in Deutschland zu wenig Lebensmittelinspektoren gibt - und dass diese oft davor zurückschrecken, sich mit den Fleischhändlern in ihren Kommunen anzulegen, weil diese wichtige Arbeitgeber und Steuerzahler sind.

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