Luxusschweine machen Chinesen wütend
24. Oktober 2007, 20:34 Von Janis VougioukasEine Schweinekrankheit lässt die Fleischpreise in China explodieren. Und immer mehr ärgern sich, dass einige Tiere besser leben als viele Bauern.
Eigentlich wollte die Pekinger Regierung nur demonstrieren, wie gründlich sie sich auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Und dass Sicherheit und Gesundheit der Athleten in China oberste Priorität haben. Doch was als PR-Gag geplant war, endete in einer Welle der Erregung: der vorerst letzte Akt der Pekinger Schweinekrise.
Die Regierung hat Pekinger Fleischhersteller Lucky Crane zum exklusiven Schweinefleischlieferanten für die Olympischen Spiele vom kommenden Jahr ernannt. In der nationalen Küche spielt Schweinefleisch eine Hauptrolle. Liu Yanyun, Präsident des Unternehmens, berichtete in einem Artikel, dass seine Schweine an zehn verschiedenen Orten verteilt über das ganze Land aufgezogen würden - aus Sicherheitsgründen. Die genauen Orte seien streng geheim. Die Tiere werden rund um die Uhr mit Videokameras überwacht, sie fressen eine Spezialdiät aus organischen Lebensmitteln und chinesischen Heilkräutern, täglich stehen zwei Stunden Sport auf dem Programm.
Schweine leben besser
Seit Wochen erregen sich Chinas Blogger über die Sonderbehandlung für die Olympiaschweine, die unter wesentlich besseren Bedingungen leben als viele chinesische Bauern. In China ist Schweinefleisch ein sensibles Thema. Weil kaum ein anderes Lebensmittel so wichtig ist, hält die Regierung seit Ende der Neunzigerjahre gar strategische Reserven in lebender und gefrorener Form bereit.
Doch seit Monaten steigen die Schweinepreise und haben längst hoch emotionale Regionen erreicht. Denn für die Chinesen sind Verteuerungen der Schweinepreise ein ebenso sensibles Thema wie Benzinpreiserhöhungen in der Schweiz. 42 Millionen Tonnen Schweinefleisch verzehren die Chinesen jedes Jahr, und in den letzten zehn Jahren war es nicht mehr so teuer wie jetzt. Der Grund für die höheren Preise: Eine mysteriöse Variante der Blauohren-Krankheit hat Chinas Schweinebestände infiziert. 70000 Tiere sind bereits daran verendet, fast 180000 mussten notgeschlachtet werden.
Ausmass der Seuche verheimlicht
Das sind die offiziellen Zahlen, doch selbst das «Chinese Journal of Veterinary Medicine» geht inzwischen davon aus, dass die tatsächlichen Statistiken noch weit höher liegen dürften. Ein Tierarzt aus Sichuan berichtete, dass die Bauern in einer Gemeinde von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends anstünden, um Medikamente gegen die Blauohren-Seuche zu kaufen. Nach Angaben der Pekinger Regierung aber ist Sichuan gar nicht von der Krankheit betroffen. Viele Menschen vermuten inzwischen, dass die Regierung das wahre Ausmass der Krankheit verheimlicht, um Panikkäufe und eine weitere Verunsicherung der Konsumenten zu vermeiden.
Ende Mai hatte sich bereits Premierminister Wen Jiabao in der Schweinekrise zu Wort gemeldet. Wen war eigens zu Schweinebauern in die Provinz Shaanxi gereist und warnte: «Der Preisanstieg muss begrenzt werden. Viele Stadtbewohner können sich inzwischen kein Schweinefleisch mehr leisten.»
Stark ansteigende Teuerung
Die steigenden Fleischpreise haben inzwischen auch die Inflation nach China zurückgeholt. In den ersten acht Monaten des Jahres lag die Teuerung bereits bei 3,9 Prozent. Pekings Wirtschaftsplaner halten inzwischen sogar einen Anstieg der Konsumentenpreise von 4,5 Prozent im laufenden Jahr für möglich. Das liegt vor allem an den hohen Fleischpreisen, die im statistischen Warenkorb mit 7 Prozent gewichtet werden.
Dass Chinas Fleischkrise sich auch auf den internationalen Schweinefleischmärkten bemerkbar macht, scheint derzeit noch unwahrscheinlich. «Es ist nicht davon auszugehen, dass China mehr Schweinefleisch aus dem Ausland importieren wird», sagte Bi Jingquan, stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Reform und Entwicklung. Chinas Preis für Schweinefleisch liegt noch immer deutlich unter Weltmarktniveau. «Und es gibt schlicht niemanden, der die Nachfrage bedienen könnte.»
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