Geschäft mit den taubenblutroten Rubinen

14. November 2007, 19:04 – Von Oliver Meiler, Singapur

In Burma läuft eine staatliche Grossauktion für Edelsteine. Das Regime verdient gut daran, trotz des Boykotts von Grossjuwelieren und Sanktionen.

Ihr Rot gilt als das schönste, das klarste, das begehrteste, in der Edelsteinbranche nennen sie es Taubenblutrot. Die Rubine aus dem Mogok-Tal im nördlichen Burma sind die wertvollsten überhaupt, weltweit. Rubine aus Sri Lanka, Russland oder Japan mögen auch ganz nett aussehen, tragen aber mehr Eisen in sich, was sie dunkler macht und trüber. Keiner der grossen, internationalen Luxusjuweliere verzichtet also gerne auf Rubine aus Burma.

Sie tun es neuerdings trotzdem: Cartier, Bulgari und Tiffany boykottieren die Steine aus Protest gegen die Menschenrechtsverletzungen des burmesischen Militärregimes, gegen die brutale Niederschlagung des Aufstandes, gegen die Ausbeutung von Arbeitern in Burmas Minen. Der Boykott und die Sanktionen der EU und Amerikas treffen die Junta zwar, doch nur ein bisschen. Abnehmer finden sich immer.

Im Convention Center von Rangun findet nun wieder eine grosse staatliche Versteigerung von Edelsteinen statt: 5140 Stück Jade, 259 Perlen, 274 Rubine und Saphire. 1500 Händler aus zwanzig Ländern haben sich angemeldet. Das sind weniger als bei den anderen vier Auktionen in diesem Jahr, doch immer noch mehr als sich das burmesische Regime nach den schlechten Schlagzeilen der jüngsten Vergangenheit erhoffen durfte. Zwei Mal wurde die Veranstaltung verschoben – wegen schlechten Wetters, wie es hiess.

Die Generäle kontrollieren das legale (und wahrscheinlich auch das illegale) Geschäft mit den Edelsteinen, für die das Land so bekannt ist. 90 Prozent aller Rubine der Welt sollen in Burma liegen, der Anteil am globalen Vorkommen des grünen Jade-Steins und seiner Derivate soll gar bei 98 Prozent liegen. Für Burmas Wirtschaft ist der Handel mit den Preziosen das dritte Standbein neben Erdöl und Hartholz. Das Staatsunternehmen Myanmar Gems Enterprise setzte im vergangenen Jahr 297 Millionen Dollar um. Und aus dem Schwarzmarkt und dem Schmuggel dürfte laut Schätzungen von Experten noch einmal ein Zehnfaches davon dazu kommen. Das ist ein willkommener Zuschuss an Devisen für eine Junta, die Bargeld braucht für den Machterhalt.

Schweiz als Drehscheibe des Handels

Die meisten Händler, die sich in Rangun eingefunden haben, kommen aus Thailand und aus China. Die Thais importieren die Steine – vor allem Rubine und Saphire – in rohem Zustand, schleifen und polieren sie und verkaufen sie dann erst weiter in den Westen. Ein Grossteil gelangt zuerst in die Schweiz – einer Drehscheibe des Handels – dann weiter in Länder der Europäischen Union und in die USA. Am Ende ihrer Reise, nach vielen Stationen, ist nicht immer klar, woher die Steine ursprünglich stammten. Das macht auch die Einhaltung politisch korrekter Vorsätze schwierig.

Die Chinesen dagegen sind vor allem an Jade aus Burma interessiert – seit vielen Jahrhunderten schon. Die Kaiser fungierten hier als Trendsetter. Nun soll ein schöner Teil der Souvenirs, die für die Gäste der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking gedacht sind, aus burmesischem Jade-Stein gefertigt werden. Auch Human Rights Watch weist in ihrem jüngsten Bericht auf diesen Umstand hin. Die Menschenrechtsgruppe appelliert an Staaten und Firmen, den Import von Edelsteinen aus Burma zu stoppen, weil das Regime das Geld aus dem Handel für die Unterdrückung des Volkes brauche: «Wer das nicht tut, hat das Blut von Burmesen an den Händen.» Menschenblutrotes Blut.

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