Wirtschaft

Für die Wirtschaft ändert sich nur wenig

13. Dezember 2007, 19:05 – Von Stefan Eiselin

Mit der überraschenden Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf kann die Wirtschaft gut leben. Sie traut der neuen Bundesrätin viel zu.

An engen Kontakten zur Wirtschaft mangelte es Christoph Blocher nie. Spricht der Abgewählte als ehemaliger Unternehmer doch die gleiche Sprache, versteht wo Firmen der Schuh drückt. Besonders gut verträgt sich der Ex-Magistrat etwa mit UBS-Präsident Marcel Ospel - und dies obwohl oder vielleicht auch gerade weil Blocher einst zusammen mit Martin Ebner zum Angriff auf das Vorgängerinstitut Bankgesellschaft geblasen hatte.

Auch Novartis-Chef Daniel Vasella ist von Blocher angetan. Die beiden pflegen - so erzählen Eingeweihte - enge Kontakte. Zum Netzwerk des Herrlibergers gehören auch die Mitglieder des Zürcher Wirtschaftsclubs am Rennweg, wo neben SVP-Nationalrat und Rollmaterialunternehmer Peter Spuhler etwa der Denner-Chef Philippe Gaydoul und der Ex-Swissfirst-Banker Thomas Matter regelmässig verkehren.

Offen zu Blocher äussern will sich aber kaum ein Schweizer Wirtschaftsführer. Das Politische wird heute zumindest gegen aussen strikt vom Unternehmerischen getrennt. Eine Ausnahme macht Swiss-Life-Chef Rolf Dörig. «Im Wissen um die Bedeutung für den Wohlstand unseres Landes hat sich Herr Blocher im Bundesrat sehr für attraktive Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort engagiert», sagt er. Man wünsche sich von der Nachfolgerin, dass sie das mit gleichem Elan tue. Und fügt an: «Wir trauen ihr das auch zu».

«Kein wahnsinniger Unterschied»

Ähnlich klingt es beim Wirtschaftsdachverband. «Wir sehen keinen wahnsinnigen Unterschied zwischen Blocher und Widmer-Schlumpf», sagt der stellvertretende Economiesuisse-Direktor Urs Rellstab. In den Positionen erwarte man keine radikalen Differenzen wischen der Politik der neuen Bundesrätin und des alten Innenministers. Widmer-Schlumpf kenne man sehr gut, vor allem im Rahmen der Vorlage zur KMU-Steuerreform habe man intensiv mit ihr zusammen gearbeitet. «Sie ist eine sehr verlässliche Partnerin.»

Kaum grosse Änderungen sieht auch der Arbeitgeberverband auf die Schweiz zukommen. Bei den politischen Positionen komme es durch die Wahl von Widmer-Schlumpf zu keinen grossen Änderungen. «Es ist jedenfalls nicht angemessen, jetzt auf Alarmismus zu machen», sagte Präsident Thomas Daum der Nachrichtenagentur SDA.

Ebenfalls Freude macht die neue Bundesrätin dem Gewerkschaftsbund. Nun enden die «Attacken auf den Staat», erklärt Sprecher Ewald Ackermann. Auch die Oppositionsrolle der SVP macht ihm keine Sorgen. «Wer das politische System der Schweiz kennt, weiss, dass jede Bundesratspartei immer auch ein wenig Oppositionspartei ist.» Gleich sieht es die Economiesuisse. «Die Reaktion der SVP macht es vielleicht etwas schwieriger», so Vizedirektor Rellstab. Mehr aber nicht.

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