Tiefe Löhne werden deutlich angehoben
19. Dezember 2007, 06:43 Von Andreas ValdaVertreter der Gewerkschaften wie der Baumeister zeigen sich zufrieden über die Einigung. Vor allem die tiefen Löhne werden kräftig erhöht.
Ob das Verhandlungsergebnis für die Bauleute ein Weihnachtsgeschenk ist, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. «Geeinigt haben sich erst die Verhandlungsdelegationen. Jetzt muss das Resultat durch alle Vorstände und dort bestätigt werden», warnte ein Verhandlungsvertreter vor verfrühter Euphorie. Die Spitzen von Unia, Syna und des Baumeisterverbandes lehnten gestern auf Anfrage eine Stellungnahme ab. Man habe sich darauf geeinigt, erst nach der heutigen Pressekonferenz offiziell zu informieren. Unia-Sprecher Nico Lutz präzisierte lediglich, dass nicht weiterverhandelt werde: «Es ist ein Gesamtpaket und kann nur angenommen oder abgelehnt werden.»
Im Kern sieht das Verhandlungsergebnis wie folgt aus:
Flexibilisierung: Die Forderung der Baumeister ist vom Tisch, individuell 80 Minusstunden beim Ausfall von Arbeit wegen schlechter Witterung anzurechnen. Den Unternehmen wird im Gegenzug aber künftig eine Änderung des so genannten Arbeitszeitkalenders erlaubt. Bei widriger Witterung dürfen die Patrons die Arbeit für den ganzen Betrieb einstellen und die verlorene Arbeitszeit bei guter Witterung nachholen. Der Lohn wird auch während des Arbeitsausfalls bezahlt. «Dies entspricht der Umsetzung des Schiedsgerichtsurteils», erklärte ein Verhandlungsmitglied.
Lohnerhöhung 2008: Angehoben werden die Löhne aller Bauleute um 100 Franken pro Monat. Für individuelle Erhöhungen müssen die Unternehmen 0,5 Prozent der Lohnsumme einsetzen. Zudem werden die Basislöhne in zwei Stufen angehoben: 2008 um 3 Prozent, 2009 um 2,5 Prozent. «Nachdem in diesem Jahr auf Grund einer prozentualen Erhöhung höhere Lohnklassen stärker profitierten, werden diesmal bewusst die tiefen Löhne mehr berücksichtigt.»
Obwohl die offiziellen Vertreter der Sozialpartner gestern schwiegen, zeigten sich einzelne Vertreter der Baubranche erfreut über die erzielte Einigung. «Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis», sagte ein Gewerkschaftsvertreter. Implenia-Chef Christian Bubb erfuhr das Resultat gestern aus den Medien. Bezüglich der beiden Kernpunkte sagte er: «Ich kann damit leben. Wichtig ist, dass der vertragslose Zustand ein Ende findet.»
Von politischer Seite gab es gestern nur eine einzige Wortmeldung. Die SP-Sektion des Tessins kommentierte das Ergebnis gestern Nachmittag, allerdings nur sehr allgemein: «Wir sind erfreut darüber, dass sich die Beteiligten auf einen Gesamtarbeitsvertrag geeinigt haben.»
Die Einigung im Baugewerbe hat auch an der Börse ihren Niederschlag gefunden. Implenia, das einzige an der Schweizer Börse kotierte Bauunternehmen, profitierte von der Nachricht. Bis kurz vor Mittag stand die Aktie knapp 1 Prozent im Minus, gegen 15 Uhr über 4 Prozent im Plus. Die vor Börseneröffnung vom Tessiner Radio um 8 Uhr gemeldete Einigung erreichte einzelne Händler aber offensichtlich erst mit Verzögerung.
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