Der Traum vom Schweizer Auto der Zukunft

08. Januar 2008, 23:10 – Von Andreas Flütsch

Investor Lorenzo Schmid will es noch mal wissen. Sein erstes Ökomobil, Twike, floppte. Ein Hybridauto soll den Traum vom «Auto der Zukunft» nun erfüllen. Doch Experten sind skeptisch.

An Ehrgeiz mangelt es nicht: 10'000-mal will der Schweizer Investor Lorenzo Schmid seinen neuen Ökoflitzer Mindset im ersten Jahr verkaufen (Illustration).
PD An Ehrgeiz mangelt es nicht: 10'000-mal will der Schweizer Investor Lorenzo Schmid seinen neuen Ökoflitzer Mindset im ersten Jahr verkaufen (Illustration).

Uhrenkönig Nicolas Hayek träumte ihn mit dem Smart. Greenpeace träumte ihn mit dem Smile. Jetzt träumt ihn der Schweizer Investor Lorenzo Schmid: Den Traum vom «Auto der Zukunft». Ende 2009 soll es so weit sein. Dann soll sein neuer Ökoflitzer «Mindset» - weniger als 1000 Kilo leicht, mit Elektroantrieb und Hilfsmotor - vorab in städtischen Gebieten Furore machen. 10'000 Stück von dem Hybridwägelchen will Schmids Autofirma Mindset im ersten Jahr absetzen, wie sein Stardesigner Murat Günak, der früher für Peugeot, Mercedes und VW tätig war, jüngst verkündet hat.

Experten haben da ihre Zweifel. Die drei Studenten, die den Vorgänger Twike erfunden hatten, reagierten bereits Ende der Neunzigerjahre kritisch, als Schmid die gleiche Zahl von 10'000 als jährliches Absatzziel für den Twike nannte: Das sei eine «enorme Herausforderung», bei einem Stückpreis von 25'000 Franken. Die Kosten für den Zwitter aus Velo und Elektroauto schreckten damals selbst eingefleischte Ökos ab, bloss 700 Stück wurden verkauft. Kurz bevor ein Nachfolgemodell in Serie ging, zogen die Geldgeber, die bereits 60 Millionen Franken investiert hatten, den Stecker. Schmids Suche nach neuen Investoren war erfolglos. Die Firma Swisslem, die den Twike im Luzernischen produzierte, ging in die Nachlassliquidation.

«Das Konzept des Mindset als solches ist hervorragend», sagt ETH-Professor Lino Guzzella, ein ausgewiesener Fahrzeugspezialist, «aber es ist weder neu noch besser als viele Konkurrenzprodukte - auch aus der Schweiz -, die nicht vom Fleck kommen. Wer soll das Ding kaufen, ausser ein paar Liebhabern? Und ist es überhaupt sicher?» Nur die allerwenigsten wollten mit einem Wagen fahren, der nicht alle gängigen Crashtests glänzend bestanden habe: «Beim Thema Sicherheit will kaum jemand verzichten.» Ein solches Auto zu lancieren, sei irrwitzig teuer, «in der Schweiz hat ein solches Unterfangen kaum eine Chance», so Guzzella. Wo doch selbst Autoriesen wie Mercedes mit ihrem Smart auf keinen grünen Zweig kämen.

Millionen Erfolgshonorar kassiert

Investoren skeptisch stimmen dürften auch all die Widersprüche, die das Projekt Twike seinerzeit belastet hatten. Ex-Banker Schmid hatte im New-Economy-Boom Ende der Neunzigerjahre die Beteiligungsfirma Commcept Trust an die Börse gebracht, bestimmte im Mandat aber weiterhin deren Anlagepolitik in Schweizer Nebenwerten. Gleichzeitig handelte er mit Aktienblöcken, eine nicht unproblematische Konstellation.

Es war auch Schmid, der durchsetzte, dass Commcept Trust eine Mehrheit am Twike-Hersteller Swisslem ins Portefeuille nahm - noch während er bei Letzterer als Präsident agierte. Solange die Börse boomte, spielten alle mit. Als 2001 die Internet-Blase platzte, stürzte die Beteiligungsfirma Commcept Trust an der Börse so ab, wie sie zuvor nach oben geschossen war. Zu diesem Zeitpunkt hatte Schmid in seiner Funktion als Vermögensverwalter aber bereits Dutzende Millionen Franken an Erfolgshonoraren kassiert.

An einer turbulenten Aktionärsversammlung im Juni 2001 verlor Schmid seinen Einfluss auf die Commcept Trust, seinen besten Kunden. Kritik hatte ihm eingetragen, dass Twike-Produzentin Swisslem, an der er massgeblich beteiligt war, seinen Firmen eine Million Franken Kredit gegeben und weitere Millionen ihres Startkapitals in Aktien von Firmen investiert hatte, deren Papiere er auch ins Portefeuille der Commcept Trust gesteckt hatte. Schmid verwahrte sich gegen Vorwürfe von Interessenkonflikten. Nachdenklich machen dürfte es Investoren allemal, wenn Schmid jetzt erneut das Auto der Zukunft anpreist.

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