Wirtschaft
Panik an den Börsen
21. Januar 2008, 23:02Nach den schweren Verlusten von letzter Woche setzt sich die Abwärtsspirale an den Börsen ungebremst fort. Der SMI verliert über fünf Prozent und es könnte noch schlimmer kommen.
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Die Börsen verzeichnen einen schwarzen Wochenbeginn. Von Tokio über London bis Sao Paulo, die Indizes an den grossen Marktplätzen verloren zwischen minus vier (Nikkei) und minus sieben Prozent (Dax).
Der Swiss Market Index (SMI) stürzte gegenüber dem Börsenschluss von letztem Freitag zeitweise um rund 428,5 Zähler oder 5,6 Prozent ab. Das war der grösste Tagesverlust seit Juli 2002. Bei Börsenschluss stand der SMI mit 7287,14 Zählern noch 404,84 Punkte oder 5,3 Prozent tiefer. Der SMI verlor damit seit Jahresbeginn 14,1 Prozent und innert Jahresfrist volle 20,4 Prozent.
«Eine grosse Zahl von Panikverkäufen»
Analysten beurteilten den rasanten Absturz als Panikreaktion. Es handle sich um eine «typische Spirale nach unten», sagte der Analyst Werner Bader von der deutschen Bank LBBW. «Es wird nicht mehr nachgedacht.» Die Reaktion sei nicht «rational». Weitere Kursverluste seien nicht auszuschliessen. «Wir sehen hier eine grosse Zahl von Panikverkäufen», sagte der Analyst Stuart Smith von Bell Potter Securities in Sydney. Am stärkten würden die Titel von Unternehmen verkauft, deren derzeitige Lage am unklarsten ist.
Die Stimmung an den Aktienmärkten ist laut Hanspeter Hausheer, leitender Ökonom bei der Grossbank UBS, erneut von Befürchtungen geprägt, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession absinken könnte. Unter Druck stehen weiterhin die Finanztitel. Neu hinzu kam laut Hausheer, dass auch die Energietitel stark gesunken sind. Grund dafür ist der deutlich nach unten zeigende Erdölpreis, weil erwartet wird, dass während einer Rezession in den USA weniger Erdöl verbraucht werde.
Sorgt die Bank of Amerika morgen für weiteren Dämpfer?
Der Handel sei sehr nervös, so Hausheer. «Es herrscht ein bisschen Ausverkaufsstimmung im Markt», fügte er hinzu. Eine Trendwende ist für die nächste Zeit nicht in Sicht. Auch in den nächsten Tagen werden eher schlechte Nachrichten erwartet. So könnte die Bank of Amerika morgen bei der Vorlage ihrer Quartalszahlen möglicherweise für eine weitere Enttäuschung an den Märkten sorgen. Weil die Wallstreet heute wegen des Feiertags «Martin Luther King Day» geschlossen bleibt, sind für die europäischen Börsen von den USA keine Impulse zu erwarten, also weder eine Verstärkung noch eine Abschwächung der Bewegung.
«Die Situation ist ernst», sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Abend nach einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in Paris.
Den grössten Verlust an der Schweizer Börse verbucht der Rückversicherer Swiss Re, dessen Titel über zehn Prozent an Wert verlor. UBS nahm das Swiss-Re-Kursziel deutlich zurück. Auch andere Finanzwerte gerieten unter die Räder. Credit Suisse musste 8,4 Prozent an Wert abgeben, Bâloise 7,9, Swiss Life 7,1, Zürich 6,9, UBS 6,7 und Julius Bär 6,1 Prozent. Federn lassen mussten auch ABB, Novartis, Nestlé und Roche, Richemont, Swatch und andere.
Neue Spekulationen um UBS
Neben den Spekulationen um weitere Abschreiber bei der UBS und der derzeit kritischen Einstellung vieler Investoren der Branche gegenüber, werden die UBS-Valoren zu Wochenbeginn durch Artikel in der Sonntagspresse belastet. In einem Interview des «Sonntags» mit Dominique Biedermann von der Anlagestiftung Ethos wurde die Unzufriedenheit vieler Aktionäre mit der geplante Kapitalerhöhung bei der UBS thematisiert.
Ethos wisse noch nicht, ob sie dem Antrag zustimmen werde, hiess es. Zudem fordert die Stiftung, ebenso wie Financier Titto Tettamanti in der «SonntagsZeitung», personelle Konsequenzen bei der Bank. In der «NZZ am Sonntag» wurde spekuliert, dass der UBS weitere Abschreiber drohen, weil nun auch die US-Versicherer von Anleihen vor dem Kollaps stehen.
Stimmung auf «Panik-Level»
Die anhaltende Angst der Anleger vor einer Rezession in den USA drückte auch den Dax. Der deutsche Leitindex fiel um fünf Prozent auf 6941 Punkte und notierte damit wieder unter dem Niveau vom Sommer vergangenen Jahres. Allein seit Jahresbeginn hat der Leitindex knapp zehn Prozent eingebüsst.
Die Stimmung der Investoren habe inzwischen ein «Panik-Level» erreicht, kommentierten die Analysten von JP Morgan Asset Management die Stimmung an der deutschen Börse. Die von Bush geplanten Massnahmen mit einem Umfang von bis zu 150 Milliarden Dollar beeindruckten Analysten zufolge den Markt nur wenig.
Auch Asien unter Druck
«Eine Rezession in den USA ist schon fast eingepreist, jetzt greift die Angst vor einer Übertragung der Konjunkturabkühlung auf Europa und die Schwellenländer um sich», sagte Fondsmanager Dennis Nacken von Allianz Global Investors.
Auch die Märkte in Fernost kamen stark unter Druck: In Tokio beendete der 225 Werte umfassende Nikkei-Index den Handel um 3,86 Prozent niedriger bei 13'325 Punkten. Damit hat er seit Juli etwa einen Viertel seines Wertes verloren. Die Börse in Hongkong lag 2,8 Prozent im Minus, in Seoul betrug der Verlust 2,9 Prozent. Auch Taiwan und Singapur lagen im Minus.
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