Wirtschaft

So gut wie diesen Winter wars seit 40 Jahren nicht mehr

06. Februar 2008, 00:06 – Von Andreas Valda

Der Wintertourismus macht Fortschritte. Die Preise sind tiefer, die Angebote besser als vor Jahren. Doch kleine Skiorte sind noch nicht über den Berg.

Touristen geniessen die Sonne auf der Aroser Tschuggenhütte - und lassen die Kassen der Bahnen klingeln.
Keystone Touristen geniessen die Sonne auf der Aroser Tschuggenhütte - und lassen die Kassen der Bahnen klingeln.

Die Winterskiorte erleben eine Rekordsaison. Dies prognostiziert der Konjunkturforscher Richard Kämpf von BAK Basel Economics: «Das ist eine historische Situation. Wir erleben die beste Saison seit Einführung des modernen Wintertourismus - seit den Sechzigern.» Kämpf beobachtet den Tourismus im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft.

Die Seilbahnen werden die Saison voraussichtlich mit einem Umsatzwachstum «im zweistelligen Bereich» abschliessen, sagt Kämpf. Die Hotellerie in den Alpen dürfte im Winterhalbjahr ein «markantes» Wachstum erreichen. Die Prognose des BAK im Oktober lautete noch 2,4 Prozent. Jetzt schätzen Fachleuten das Wachstum auf 3,5 bis 5 Prozent. «Dank der frühen Ostern werden die Hotels in den Bergen voraussichtlich von Anfang Dezember bis Ende März durchgehend überdurchschnittlich ausgelastet sein», so Kämpf.

Der Hauptgrund für den Erfolg ist das Zusammentreffen von vier positiven Faktoren: der Schneefall im November, überdurchschnittlich viel Sonne, die Konjunktur in den Herkunftsländern der Gäste und der für Ausländer günstige Euro-Wechselkurs. Als ob das noch nicht genug wäre, setzt Kämpf noch einen drauf: «Der lang anhaltende Negativtrend seit Anfang der Achtzigerjahre ist gebrochen. Mit dem Schweizer Tourismus geht es, selbst in den Bergen, wieder aufwärts.» Für die nächsten drei Jahr sagt er ein jährliches Wachstum von 1,5 Prozent voraus.

Die Hotels besserten sich strukturell

Kämpfs Optimismus gründet auf einer noch nicht publizierten, aber bereits erarbeiteten Studie zum Zustand der Hotellerie. «Schweizer Betriebe haben im Vergleich der Jahre 2000 bis 2006 signifikante Verbesserungen im Preis-Leistungsverhältnis erzielt», so Kämpf. Will heissen: Sie sind günstiger und besser geworden im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz. Der Preis sei ein zentrales Kriterium in der Entscheidfindung der Gäste.

Den Hotels half einerseits der schwächere Franken, andererseits verbesserten sie auch ihre Kostenstruktur. Sprich: Sie produzieren ihre Leistungen heute billiger als vor sieben Jahren. Kämpf führt dies vor allem auf die Deregulierung im Binnenmarkt zurück: «Mehr Konkurrenz im Detailhandel, im Verkehr und in der Telekommunikation - um nur drei Beispiele zu nennen - führten zu billigeren Einstandspreisen der Hoteliers.»

Doch was ist, wenn der Franken sich wieder verteuert? Fällt dann die Saisonhotellerie wieder ins Jammertal? «Die Nachfrage hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert», sagt Eric Scheidegger, Leiter Standortförderung beim Staatssekretariat für Wirtschaft. Zu einem sei der Welttourismus stark gewachsen, im letzten Jahr allein um 9 Prozent. «Diese Tendenz wird anhalten», sagt Scheidegger. Es gebe immer mehr Leute in neuen Märkten, etwa China, Russland und Indien, die sich Ferien in der Schweiz leisten können. Zum anderen vermarkte sich das Land gut. «Nicht nur Schweiz Tourismus, sondern auch Reiseziele wie Titlis und das Jungfraujoch sind in der Bewerbung der Destinationen äussert erfolgreich», sagt Scheidegger.

Und schliesslich beobachtet er als Verwaltungsrat der Gesellschaft für Hotelkredite substanzielle Fortschritte bei den Hotels. «Viele Eigentümer haben die Gewinne der letzten Jahre in Erweiterungen und Sanierungen gesteckt», so Scheidegger. Für eine generelle Entwarnung ist es alledings zu früh. Die Unterschiede sind, je nach Ort und Angebot, riesig. «Es gibt nach wie vor Hotels, die auf dem betrieblichen Minimum laufen», sagt Kämpf.

Dies trifft vor allem auf ältere Hotels in kleineren Skiorten im Zwei- und Dreisternebereich zu, die bloss oberflächlich saniert sind. Viele Gebäude stammen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. «Ihre Betriebskosten sind sehr hoch im Vergleich zu Neubauten. An diesem Problem nagt die Branche», sagt Thomas Allemann, Ökonom beim Verband Hotelleriesuisse. Oft wäre ein Abbruch und Neubau besser, doch dafür reichen Eigenkapital oder Rendite nicht aus. Bei Neubauten verlangen Banken eine Abschreibung innert 7 bis 15 Jahren.

Veraltet und damit unbewältigt ist auch die Struktur der Bergbahnen. In der kleinen Schweiz gibt es knapp 900 Betriebe. «30 Prozent der Firmen weisen einen Umsatz von weniger als einer Million Franken auf und sind nicht in der Lage, alle unternehmerischen Funktionen zu erfüllen», schrieb die Beraterfirma BDO Visura in einer Branchenanalyse 2005. Daran hat sich nichts geändert. Gemessen an der Investitionstätigkeit gelten nur 8 Prozent als wirklich gesund. Ein Dreiländer-Vergleich zeigt, wie stark dies die Branche seit Jahren behindert. Während die französischen und österreichischen Anlagen ein beachtliches Wachstum erzielten, stagnierte der Verkehrsertrag der Schweizer Bahnen auf dem Niveau der Neunzigerjahre (siehe Grafik).

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