Northern Rock wird verstaatlicht

17. Februar 2008, 22:24

Der britische Finanzminister Alistair Darling hat die vorübergehende Verstaatlichung des kriselnden Immobilienfinanzierers Northern Rock angekündigt.

Zwei private Übernahmeangebote seien abgelehnt worden, da sie den Steuerzahler zu teuer zu stehen gekommen wären, teilte Darling mit. Die Bank muss mehr als 25 Milliarden Pfund (33 Milliarden Euro) an Staatshilfen zurückzahlen. Das Unternehmen war im September infolge der US-Hypothekenkrise in Schwierigkeiten geraten und konnte nur mit massiver Hilfe des Staats und der Zentralbank vor einem Zusammenbruch bewahrt werden.

Ron Sandler, ein früherer Manager der Versicherungsgruppe Lloyd's of London, wird neuer Chef von Northern Rock. Die Bank solle nur zeitweise im Staatsbesitz bleiben, versicherte Darling. Es sei seine Überzeugung, dass das Unternehmen bei der frühesten und besten Gelegenheit wieder in den Privatsektor überführt werden könne, sagte Darling. Er stellte in Aussicht, dass die staatlichen Kredite einschliesslich Zinsen vollständig zurückgezahlt würden.

Zwei Interessenten

Zwei Bieter hatten sich um Northern Rock bemüht: Eine Gruppe von Managern der Bank, die das Ruder selbst in die Hand nehmen wollten, und die Unternehmensgruppe Virgin Group des Milliardärs Richard Branson. Beide Bieter hatten am Wochenende nochmals neue Angebote vorgelegt. Lange Zeit galt Bransons Gruppe als Favorit im Übernahmerennen.

Der Staat wäre bei einer Übernahme durch die privaten Investoren aber vermutlich auf einem Grossteil seiner Forderungen gegen Northern Rock sitzengeblieben. Darling musste bis spätestens 17. März über das Schicksal der Bank entscheiden, denn bis dahin hätte er wegen der staatlichen Beihilfen in Brüssel einen Sanierungsplan vorlegen müssen.

Kritik vom Virgin-Chef

Der Chef des Virgin-Konzerns, Richard Branson, kritisierte die Entscheidung für eine vorübergehende Verstaatlichung des Finanzinstituts. Dies sei «nicht die richtige Antwort» auf die Probleme, erklärte der britische Milliardär heute.

Sein Unternehmen habe alles versucht, «um Northern Rock und die Jobs der Angestellten zu retten». Das Virgin-Management habe fünf Monate lang daran gearbeitet und ein «sehr starkes Angebot» vorgelegt, fügte Branson hinzu.

Northern Rock war im September 2007 in den Strudel der US-Hypothekenkrise geraten. Da die Bank von anderen Kreditinstituten wegen der Unsicherheit auf den Immobilienmärkten kein Geld mehr geliehen bekam, drohte ihr das Aus. Erstmals seit über 100 Jahren bildeten sich Schlangen von beunruhigten Sparern vor den Filialen einer Bank. Die Bank of England musste dem Institut daraufhin mit einem Notfallkredit aus der Liquiditätskrise helfen.

Image-Schaden für Regierung

Northern Rock - die fünftgrösste britische Hypothekenbank mit rund 6500 Beschäftigten - ist das bislang grösste Opfer der US-Kreditkrise in Grossbritannien.

Die Zurückweisung der beiden Übernahmeangebote durch die Regierung dürfte Beobachtern zufolge sowohl Darling als auch Premierminister Gordon Brown politischen Schaden zufügen. Zuletzt war in den 1970er Jahren ein Unternehmen in Grossbritannien verstaatlicht worden.

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