Wirtschaft

Sunrise beschuldigt die Swisscom

21. Februar 2008, 14:22

Der Reingewinn des Telekommunikationskonzerns Sunrise ist letztes Jahr gegenüber 2006 um 58,5 Prozent auf 170 Millionen Franken eingebrochen.

Den Gewinnrückgang 2007 begründete Sunrise heute in Zürich mit einmaligen Sondereinnahmen im Vergleichsjahr 2006. Damals verbuchte Sondereinnahmen von 197 Millionen Franken stammten aus Rückzahlungen von Swisscom an Sunrise. Das Bundesgericht hatte die Rückzahlung angeordnet, weil Swisscom in den Jahren zuvor zu hohe Interkonnektionspreise verrechnet hatte.

Mehr Mobilfunk-Kunden, weniger verdient

Der Umsatz der zum dänischen TDC-Konzern gehörenden Sunrise stagnierte 2007 gemäss den Angaben mit 1,949 Milliarden Franken praktisch auf Vorjahresniveau, trotz aggressiver Preissenkungen im Mobilfunk. Die Kundenzahl wuchs um 2,7 Prozent auf 2,27 Millionen.

Dank Tiefpreisen stieg die Kundenzahl im Mobilfunk um zwölf Prozent auf neu 1,524 Millionen, wie Finanzchef Christian Hütwohl vor den Medien sagte. Doch weil Sunrise bei den Preisen habe nachgeben müssen, habe im Mobilfunk ein Umsatzrückgang um 1,3 Prozent auf 1,185 Milliarden Franken resultiert.

Wettbewerb spielt nicht

Im Festnetzbereich konnte der Umsatz zwar um 2,7 Prozent von 589 auf 605 Millionen Franken gesteigert werden, doch verlor Sunrise hier 45’000 Kunden. Dies sei alles andere als erfreulich, sagte Hütwohl. Sunrise bediente Ende 2007 noch 457’000 Kunden in der Festnetztelefonie. Im Internetgeschäft fiel der Umsatz leicht um 0,6 Prozent auf 159 Millionen Franken, obwohl die Kundenzahl im Bereich ADSL leicht stieg.

Für die gehemmte Entwicklung bei Festnetz und Breitband machte Sunrise-Chef Christoph Brand in erster Linie den Hauptkonkurrenten Swisscom verantwortlich. Festnetz und Breitband litten unter der massiven Dominanz des De-facto-Monopolisten. Wegen überhöhter Wiederverkaufspreise von Swisscom verliere Sunrise weiterhin Geld.

«Wir liefern eine immense Geldmenge an die Swisscom ab», sagte Brand. In der Schweiz fehle es an funktionierendem Wettbewerb, der politische Handlungsbedarf sei dringend. Nur wenn Swisscom transparent mache, zu welchen Konditionen sie selbst die Monopolinfrastruktur nutze, könne fairer Wettbewerb entstehen.

Bis Ende 2010 will die Nummer 2 des Schweizer Marktes 80 Prozent der Bevölkerung mit eigener Festnetz- und Breitbandtechnologie erreichen. «Wir investieren in den Ausbau. Investition ist die Voraussetzung für Wachstum,» sagte Brand. Die Früchte seien erst in drei bis fünf Jahren zu ernten.

560-Millionen-Abschreiber

Aufgrund des mangelnden Wettbewerbs und der schleppenden Liberalisierung in der Schweiz hat die vom früheren Swisscom-Chef Jens Alder geführte Mutterkonzern TDC eine Neubewertung von Sunrise vorgenommen. Das Resultat: Der dänische Telekomkonzern schreibt in den eigenen Büchern 560 Millionen Franken auf dem Wert von Sunrise ab.

«Die letzte Bewertung stammte aus dem Jahre 2001», sagte Finanzchef Hütwohl heute. Die damalige Einschätzung habe Annahmen über die Liberalisierung des Telekommarktes beeinhaltet. «Aber das Tempo der Liberalisierung hat sich einfach nicht bewahrheitet», sagte Hütwohl. Dies sei der einzige Grund für die Abschreibung.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei Sunrise damit fair bewertet. Auf die Frage, ob noch mehr Abschreibungen in Zukunft nötig seien, sagte der Finanzchef: Das hänge von der Entwicklung der Liberalisierung und des Marktes ab.

Auf die Frage, warum die Abschreibung erst jetzt erfolge, sagte Sunrise-Chef Christoph Brand: Das sei die Rechnungslegungs-Magie. «Ich habe das nie verstanden.» Weitere Details wollten die Sunrise-Verantwortlichen nicht nennen: «Zu Einzelheiten muss ich sie auf den Geschäftsbericht der TDC verweisen, der am Donnerstag publiziert wird», sagte Hütwohl.

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