Frisches Kapital und keine Sonderprüfung

27. Februar 2008, 17:33

Die UBS-Aktionäre haben an der Sonder-GV in Basel die Kapitalerhöhung um 13 Milliarden Franken mit grosser Mehrheit abgesegnet. Der Antrag für eine Sonderprüfung scheiterte hingegen knapp.

Volle Ränge bei der UBS-GV in der Basler St.-Jakobs-Halle.
Keystone Volle Ränge bei der UBS-GV in der Basler St.-Jakobs-Halle.

Fast 10 Stunden hat die ausserordentliche Generalversammlung gedauert. Der Verwaltungsrat hat sich in allen Punkten durchgesetzt, musste sich aber vor den 6500 Aktionären teilweise harsche Kritik anhören.

Den Antrag auf Einstieg des Singapurer Staatsfonds GIC und eines unbekannten nahöstlichen Investors haben die Aktionäre als letzte klar angenommen. Sie haben der Kapitalerhöhung mit 599'188'040 Ja zu 87'021'231 Nein-Stimmen zugestimmt. Das erforderliche Zwei-Drittels-Mehr wurde damit sehr deutlich übertroffen.

Der Staatsfonds GIC von Singapur schiesst elf Milliarden ein, der geheim gehaltene Investor aus Nahost zwei weitere Milliarden Franken, zum Jahreszins von neun Prozent. Sie werden durch die Zeichnung einer Pflichtwandelanleihe nach zwei Jahren zu Grossaktionären, GIC zum grössten UBS-Aktionär. Die bisherigen Aktionäre sind von der Transaktion ausgeschlossen.

Sonderprüfung knapp gescheitert

Zuvor lehnten die Aktionäre nach gut vierstündiger Diskussion den Antrag der Anlagestiftung Ethos auf Sonderprüfung mit mit 363'771’934 gegen 314'065’169 Aktienstimmen ab. Das entspricht einer knappen Nein-Mehrheit von 53,7 Prozent.

Ethos-Chef Dominique Biedermann waren zuvor zwar die Sympathien der Mehrheit der Tausenden von Aktionären sicher. Applaus gab es, als er Ospel direkt ansprach: «Wir haben sie gewählt, um die Oberleitung und Überwachung der UBS sicherzustellen. Sie haben diesen Auftrag nicht mit der erforderlichen Sorgfalt wahrgenommen.» In der anschliessenden Diskussion liessen viele Kleinaktionäre ihrem Ärger über die UBS und deren Chef freien Lauf.

Das Abstimmungsresultat fiel schliesslich überraschend knapp aus. Die Sonderprüfung ist aber noch nicht definitiv vom Tisch, weil sie beim Richter angestrengt werden kann. Das dafür nötige Quorum von Aktien im Nominalwert von zwei Millionen Franken bringe Ethos zusammen, hatte Biedermann schon vor der GV gesagt. Die UBS möchte eine Sonderprüfung verhindern, weil sie glaubt, die Untersuchung der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) reiche aus und sei sogar umfassender als der Ethos-Antrag.

Ethos behält sich Gerichtsweg offen

Der Präsident der Anlagestiftung Ethos, Kaspar Müller, sieht nach dem knappen Abstimmungsresultat den Weg für einen Dialog mit der Grossbank frei. Die 44 Prozent Ja-Stimmen seien überraschend und äusserst erfreulich und zeigten, wie wichtig das Anliegen sei, sagte Müller in DRS 4 des Schweizer Radios. Für Ethos bedeute der Achtungserfolg einen weiteren Schritt hin zum einzigen Ziel, nämlich dass die UBS wieder eine erfolgreiche Bank sei. Dazu brauche es eine Sonderprüfung. «Ich hoffe, dass wir mit diesem Ergebnis eine gute Lösung finden werden», erklärte er.

Der Ethos-Präsident hält sich aber auch den Weg ans Gericht offen. Damit das Vertrauen zurückgewonnenen werden könne, müsse Klarheit geschaffen werden. Erst gelte es aber abzuwarten und die Reaktionen einzusammeln. Die Anlagestiftung habe aber nie gesagt, dass sie eine Verantwortlichkeitsklage anvisiere.

Aktiendividende kaum umstritten

Im Gegensatz zum ersten Traktandum über eine Sonderprüfung war die Aktiendividende kaum umstritten. Die Ausschüttung einer Dividende aus neuen Aktien statt einer Dividende in Bargeld hiessen die Aktionäre deutlich gut. Dem Antrag des Verwaltungsrats folgten die Aktionäre mit 671 Millionen Ja- gegen knapp 32 Millionen Nein-Stimmen. Damit kann das Aktienkapital um höchstens 10,37 Millionen Franken erhöht werden.

Dennoch meldeten sich auch kritische Stimmen. So stellte ein Aktionär fest, dass es sich bei der Ausschüttung von neu geschaffenen Aktien an die bestehenden Aktionäre um ein Nullsummenspiel handle: Denn der Wert der bestehenden Aktien werde ja im gleichen Ausmass verwässert. Von einem finanztechnischen Standpunkt aus, sei das wohl richtig, stimmte ihm UBS-Konzernleitungsmitglied Peter Kurer zu. Allerdings wolle die UBS denjenigen Aktionären entgegenkommen, die auf ein regelmässiges Einkommen zählen: Diese könnten die Anrechte auf neue Aktien am Markt verkaufen.

In der Eröffnungsrede verteidigte Ospel am Morgen seinen Verbleib an der Spitze des Konzerns und verglich die Lage mit dem Börsencrash von 1929. «Wir haben Sie in einer für UBS sehr schwierigen Situation zu einer ausserordentlichen Generalversammlung eingeladen», sagte Ospel zum Auftakt der Versammlung, die wegen des Grossandrangs mit 18-minütiger Verspätung begonnen hatte. Er wolle die Situation nicht schönreden. «Es steht ausser Frage, dass wir gewisse Entwicklungen falsch eingeschätzt haben», räumte er ein. Auch erfahrene Marktexperten sprächen aber von der vielleicht schwierigsten Phase für die Finanzwirtschaft seit dem Börsencrash von 1929.

Den Vorwurf, dass die UBS in «Salamitaktik» informiert und bereits verfügbare Informationen bewusst zurückgehalten habe, wies Ospel jedoch als «baren Unsinn» zurück. Über die vergangenen Monate habe die UBS die Bewertung illiquider Wertschriften im Zusammenhang mit dem US-Wohnhypothekenmarkt laufend an die sich ständig verändernden Marktbedingungen anpassen müssen. Die Bank habe bisher und werde auch künftig so früh und umfassend wie möglich informieren.

Zur Kritik an seiner Person im Zusammenhang mit dem ersten Verlust in der zehnjährigen Geschichte der UBS und den Abschreibungen im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise von bisher insgesamt über 21 Milliarden Franken sagte Ospel, er habe Verständnis, dass in einer solchen Situation Konsequenzen gefordert würden. Der Verwaltungsrat habe diese Frage auf seinen Antrag eingehend besprochen. Für den Verwaltungsrat und für ihn persönlich, heisse Verantwortung in erster Linie Verpflichtung. Als Mit-Architekt der UBS empfinde er eine hohe Verpflichtung, bei der Bewältigung der aktuellen Schwierigkeiten an vorderster Front mitzuwirken. Er wolle dafür sorgen, dass die UBS wieder auf den Erfolgspfad zurückkehre.

Wegen der grossen Zahl von Votanten ordnete Ospel für die Behandlung der Geschäfte eine Redezeitbeschränkung von fünf Minuten an, was mit Applaus quittiert wurde.

Grossandrang

Tausende UBS-Aktionäre waren am Morgen schon früh nach Basel gereist. Schon um 8.30 Uhr, anderthalb Stunde vor Beginn der Grossveranstaltung, war die Schlange vor dem Eingang in die St.-Jakobs-Halle rund 50 Meter lang. Die Stimmung unter den UBS-Aktionären – viele von ihnen grauhaarige Herrschaften – war erstaunlich locker. Die meisten der befragten Aktionäre fanden aber, dass Ospel entweder gehen oder eine gewisse Zeit lang aussetzen müsse. Eine Aktionärin hielt der Grossbank dagegen die Stange. Sie verstehe nicht, dass die Medien derart gegen die Führung der UBS schiessen, sagte sie. Die Bank habe immerhin in ihrem zehnjährigen Bestehen stets Gewinne und nur für ein Jahr einen Verlust geschrieben.

Das UBS-Debakel im Zeitraffer

Die Probleme der erfolgsverwöhnten UBS gehen auf die Jahre 2005 und 2006 zurück, sind aber erst in den vergangenen zehn Monaten sichtbar geworden. Nachstehend die wichtigsten Etappen des beispiellosen Rückschlags:

3. Mai 2007 : Zusammen mit einem Rekordgewinn von 3,2 Milliarden Franken fürs erste Quartal 2007 gibt die UBS einen Handelsverlust von 150 Millionen Franken beim hauseigenen Hedge Fund Dillon Read Capital Management (DRCM) bekannt. Das DRCM-Abenteuer wird nach knapp einem Jahr abgebrochen.

6. Juli 2007 : Die UBS löst völlig überraschend Konzernchef Peter Wuffli mit sofortiger Wirkung durch Marcel Rohner ab. Die offizielle Begründung, der Verwaltungsrat habe den Antrag von Präsident Marcel Ospel abgelehnt, Wuffli zu seinem Nachfolger zu machen, wird bezweifelt.

14. August 2007 : Die UBS weist einen Rekordgewinn von 5,6 Milliarden Franken für das zweite Quartal aus, verunsichert die Finanzgemeinde aber mit einem diffusen Ausblick auf das zweite Halbjahr.

1. Oktober 2007 : Die UBS gibt wegen der US-Hypothekarkrise Abschreibungen von rund vier Milliarden Franken bekannt und kündigt für das dritte Quartal einen Verlust von 600 bis 800 Millionen Franken an. Finanzchef Clive Standish und der Chef der Investmentbank, Huw Jenkins, werden entlassen.

30. Oktober 2007 : Die UBS beziffert den Verlust für das dritte Quartal auf 726 Millionen Franken. Die Abschreibungen belaufen sich auf 5,3 Milliarden Franken.

10. Dezember 2007 : Die UBS kündigt einen weiteren Abschreiber von rund zehn Milliarden Franken wegen der US-Hypothekarkrise und einen Verlust fürs vierte Quartal an. Die Kapitalbasis soll durch drei Massnahmen um 19,4 Milliarden Franken verstärkt werden. Darunter sind 13 Milliarden Franken, die der Staatsfonds GIC aus Singapur und ein unbekannter Investor aus dem Nahen Osten über eine Pflichtwandelanleihe einschiessen wollen.

30. Januar 2008 : Die UBS gibt einen Verlust von 12,5 Milliarden Franken für das vierte Quartal sowie von 4,4 Milliarden Franken für das ganze Jahr 2007 bekannt. Die Abschreibungen für das zweite Halbjahr wegen der Hypothekenkrise steigen auf 21,3 Milliarden Franken.

1. Februar 2008 : UBS-Präsident Ospel lehnt in einem Aktionärsbrief Anträge auf eine Sonderprüfung und eine Kapitalerhöhung unter Einbezug der bestehenden Aktionäre ab.

14. Februar 2008 : Die UBS bestätigt den Jahresverlust von 4,4 Milliarden Franken. Konzernchef Rohner stellt auch für 2008 ein schwieriges Jahr in Aussicht. Die UBS-Aktie stürzt auf den tiefsten Wert seit viereinhalb Jahren ab.

21. Februar 2008 : Der UBS-Verwaltungsrat gibt dem Druck auf Präsident Ospel nur teilweise nach. Ospel wird zur Wiederwahl vorgeschlagen. Die Amtszeit für alle Verwaltungsräte wird aber von drei auf ein Jahr verkürzt, und Ospel soll mit dem Fiat-Chef Sergio Marchionne ein nebenamtlicher Vizepräsident zur Seite gestellt werden.

21. Februar 2008 : Die Sonder-GV lehnt einen Antrag auf Sonderprüfung ab. Den Antrag auf Einstieg des Singapurer Staatsfonds GIC und eines unbekannten nahöstlichen Investors haben die Aktionäre klar angenommen. (sda)

Wirtschaft

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