Schwerer Imageschaden für Julius Bär
28. Februar 2008, 09:28Wegen Veröffentlichung geheimer Kundendaten auf einer Webseite ist Julius Bär vor Gericht gegangen. Doch der Fall entwickelt sich zu einem PR-Desaster für die Schweizer Bank.
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Zwar ist die Webseite, auf der geheime Daten der Schweizer Bank Julius Bär veröffentlicht wurden, nicht mehr im Internet, doch der Schaden ist bereits angerichtet. Nach einem vorgängigen Urteil eines US-Bundesrichters in San Francisco die Seite Wikileaks.org bis morgen zur nächsten Anhörung aus dem Internet zu entfernen, waren die fraglichen Daten auf einmal überall.
Die Sache wird nun im gesamten World Wide Web diskutiert und hat eine internationale Publizität erreicht, die sich für die Bank nach Einschätzung von Experten zu einem riesigen PR-Desaster ausgewachsen hat.
Phänomen als «Streisand-Effekt» bekannt
Der Chef der US-Firma Techdirt, Mike Masnick, bezeichnet die Vorgänge um Wikileaks.org als «Streisand-Effekt». Er hatte den Begriff 2003 in seinem Technologie-Blog geprägt. Damals wollte Schauspielerin Barbra Streisand per Klage erreichen, dass Satellitenfotos von ihrem Haus in Malibu nicht im Internet abgerufen werden können. Die Fotos sind aber heute leicht zugänglich – wie die Bankdokumente von Julius Bär.
«Es ist das perfekte Beispiel eines Streisand-Effektes», sagt Masnick zu der Affäre. «Es war eine wirklich kleine Sache von der niemand was gehört hat – und jetzt ist es überall und alle diskutieren darüber.»
In den USA sind das vor allem Bürgerrechtsorganisationen wie die ACLU, die Electronic Frontier Foundation und verschiedene Medienorganisationen, die sich gegen eine Einschränkung des Rechts auf freie Meinungsäusserung wenden. ACLU-Anwältin Ann Brick sagt, die Schliessung der gesamten Webseite sei unverhältnismässig – es hätte genügt, die Bankdaten zu entfernen. Die Bank erklärt dagegen, hier gehe es nicht um freie Rede, sondern um das Bankgeheimnis.
«Das Streuen von gestohlenen Daten einer Privatbank, Kontonummern und Informationen, Steuerdokumenten und anderen geschützten Kundendaten beschädigt erheblich die Privatsphäre eines jeden Individuums in den USA und weltweit. Sie könnten das Vertrauen in die Bankindustrie als Ganzes beschädigen», heisst es in der Klageschrift der Bank.
Daten von ehemaligem Angestellten veröffentlicht
Wikileaks.org will mit den veröffentlichten Daten gezeigt haben, wie einige Bankkunden über die Niederlassung von Julius Bär auf den karibischen Kaiman-Inseln Steuerhinterziehung und Geldwäsche betrieben haben sollen. Die Daten stammen nach Angaben des Anwalts eines dieser Kunden, dem Risikokapital-Anleger Jonathan Lampitt, von einem ehemaligen Angestellten der Bank.
Lampitts Anwalt Jim Ellis sagt, er habe zunächst einen Anruf der Schweizer Bank erhalten, in dem er auf die Wikileaks-Seiten aufmerksam gemacht wurde. Diese seien das Werk eines verärgerten Ex-Angestellten. Man werde alles unternehmen, um dies zu unterbinden.
Bundesrichter Jeffrey White gab dem Antrag der Bank statt, Wikileaks.org bis auf weiteres zu schliessen und die Klage gegen die Betreiber sowie der kalifornischen Firma Dynadot zuzulassen, die ihnen den Domänennamen verkaufte.
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