Freibier für alle dank Copyright-Trick

02. März 2008, 19:40 – Von Olivia Kühni

Ein Zürcher Student braut Bier, das jeder nachbrauen und auf eigenen Gewinn vertreiben darf. Inspiriert wurde er vom Modell freier Software.

Einen prominenten Kunden hat das «FreeBeer» schon. Der Bierkutscher des Wädi-Brau-Huus in Wädenswil belädt seinen Lastwagen und karrt die Bügelflaschen nach Zürich – zu Google. Auch in Bars und Läden wird man das naturtrübe, helle «FreeBeer» demnächst finden. Pascal Mages, Student der Umweltnaturwissenschaften, hat das Bier bei der Brauerei in Auftrag gegeben und will jetzt den Markt erobern – mit einem aussergewöhnlichen Geschäftsmodell: «FreeBeer» ist nicht markenrechtlich geschützt.

«Du darfst FreeBeer herstellen, verkaufen und reich werden damit», steht auf der Rückseite der Flasche. Was sonst ein streng gehütetes Geschäftsgeheimnis, streut Mages unter die Leute – ähnlich wie dies Software-Entwickler und Musiker im Internet schon länger tun. «FreeBeer» ist frei, aber nicht gratis. Der junge Zürcher ist mit seiner «FreeBeer»-Produktion nicht alleine auf der Welt. Über die Landesgrenzen hinweg wächst eine Bewegung heran, die vor allem die Anhänger freier Software begeistert.

Von der digitalen in die reale Welt

Die Idee zum freien Bier hatten vor gut zwei Jahren Studenten und Künstler in Kopenhagen. Hergestellt wird es seither unabhängig in Dänemark, Brasilien, Norditalien, Kalifornien und England. Auch eine Brauerei in Lausanne macht mit. «Freies Bier ist ein globales Lokalprodukt», sagt Mages. «Jeder kann es vor Ort herstellen und verkaufen.»

Der Versuch, Modelle digitaler Freiheit auf ein reales, physisch fassbares Produkt zu übertragen, könnte klappen, sagt Georg von Krogh, Professor für Strategisches Management und Innovation an der ETH Zürich. «Beispielsweise in der Lebensmittelbranche oder in der Pharmazie haben solche Projekte bereits funktioniert.» Auch Telekomfirmen wie Nokia legen teilweise ihre Entwicklungen vielen Menschen in einem Netzwerk offen und lassen sie mitarbeiten. Das sei ein guter Weg, um möglichst kreativ und kostengünstig Ideen zu sammeln und Produkte weiter zu entwickeln. «Wichtig ist aber, dass ab einem bestimmten Punkt jemand hinter der Idee steht und die Produktion übernimmt», so von Krogh.

Beim «FreeBeer» ist dies der Fall. Mit dem «Wädi-Brau-Huus» kann es auf eine erfahrene Brauerei zählen. An der Finanzierung beteiligt sich ausserdem als Sponsor eine Berner Hightech-Firma. Anders als beim Handyhersteller Nokia oder in der Pharmazie lässt «FreeBeer» das eigene Produkt nicht von den talentierten Massen weiter entwickeln, sondern erlaubt es jedermann, es zu kopieren.

Spannende Spielform

Das sei kein massentaugliches Modell, sagt Torsten Tomczak, Marketingprofessor an der Universität St. Gallen. «Unternehmer müssen die Ressourcen, die sie in ein Unternehmen geben, schützen, wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen.» Freies Bier sei eine spannende Spielform, die auf dem Markt begeistern und auch wachsen könne. Mehr nicht.

Auch ETH-Professor von Krogh betont, dass es wohl für die Konsumenten gut sei, wenn viele verschiedene freie Biere um ihre Gunst buhlen, für die Hersteller selber werde es dann aber schwierig. Entsprechend skeptisch äussert sich deshalb die Brauerei Feldschlösschen: «Die Marke und die Rezepturen sind unsere grössten Trümpfe», sagt Unternehmenssprecher Markus Werner. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dieses Geheimnis je verraten.»

Pascal Mages ist sich bewusst, dass Kopien tatsächlich auftauchen könnten. Das sei gewollt, und er empfinde das auch nicht als Konkurrenz: «Um den kommerziellen Markt abzudecken, braucht es bestimmte Mengen und eine konstante Qualität.» Gutes Bier, heisst es auch beim Wädi-Brau-Huus, entstehe nicht nur durch das Rezept, sondern auch mit einer guten Anlage, hochwertigen Rohstoffen und viel Fingerspitzengefühl. Was er mit seinem Bier wolle, sagt Mages, sei ein Unternehmertum «ohne künstliche rechtliche Barrieren».

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