Wirtschaft
Die Neat bringt dem Wallis mehr Gäste als erwartet
06. März 2008, 19:42 Von Von Richard DiethelmKaum ist der Lötschberg-Basistunnel in Betrieb, stösst er an Wochenenden an die Kapazitätsgrenze. Wallis Tourismus ist über den Neat-Effekt sehr erfreut.
«Drei Monate nach der Tunneleröffnung stellen wir fest, dass unsere kühnsten Erwartungen übertroffen wurden», sagte der Direktor von Wallis Tourismus, Urs Zenhäusern, am Donnerstag in Zürich. Aus der Zwischenbilanz stechen einige messbare Ergebnisse hervor:
Auf der Lötschberg-Linie beförderten die Bahnen 60 Prozent mehr Passagiere als in derselben Vorjahresperiode. Die Hälfte davon sind neue Kunden, die von einem anderen Verkehrsmittel auf die Bahn umgestiegen sind. Der andere Zusatzverkehr ist Bahnpassagieren zuzuschreiben, die aus dem Mittelland nicht mehr via Lausanne oder den Furka-Tunnel ins Wallis reisen.
30 Prozent mehr Tagesgäste benutzten die Postautos zwischen Visp und dem Saastal. An Wochenenden genügte der auf den Fahrplanwechsel eingeführte Halbstundentakt nicht mehr. Es verkehrten 30 bis 50 Zusatzkurse nach Saas Fee.
RailAway verkaufte im Januar und Februar schweizweit 90000 mit Skipässen kombinierte Billete. Zu diesem Rekordergebnis von «SnownRail» trugen die um 65 Prozent auf 15000 gestiegene Nachfrage für Destinationen im Wallis bei.
In der laufenden Wintersaison wird der Tourismuskanton das Spitzenergebnis des Vorjahres nochmals eröffnen. Die Walliser Hotellerie verzeichneten im November 10 Prozent mehr Übernachtungen. im Dezember 7,4 Prozent mehr.
Der Leiter des Fernverkehrs SBB, Vincent Ducrot, ging auf Probleme mit überfüllten Neat-Zügen an Wochenenden ein. Da der neue Tunnel von Beginn weg zu 97 Prozent ausgelastet war, verkehrten in der zweiten Januarhälfte Entlastungszüge auf der alten Bergstrecke. Diese Züge wurden jedoch schlecht benutzt; «Passagiere zogen es vor, in den Neat-Zügen zu stehen», sagte Ducrot. Seit Februar werden Güterzüge über die Bergstrecke umgeleitet, damit 25 Entlastungszüge durch den Tunnel rasen können. Am 9. Februar, dem bisherigen Spitzentag, beförderten die Bahnen 26000 Personen auf der Neat-Strecke.
Die Bahnen prüfen laut Ducrot weitere Massnahmen, um den wachsenden Verkehrsstrom zu bewältigen – zum Beispiel einen wetterabhängigen Fahrplan. Zenhäusern und Volkswirtschaftdirektor Jean-Michel Cina bekräftigten dagegen die alte Walliser Forderung an den Bund, das Geld für den Ausbau des Basistunnels auf Doppelspur bereit zu stellen.
Einzelne Bergbahnen – etwa jene von Bürchen bei Visp – hätten ihre Passagierzahlen seit der Eröffnung der Neat um bis zu 60 Prozent erhöht, erklärte Zenhäusern. Die um ein Vielfaches grösseren Zermatt Bergbahnen relativieren den Einfluss der neuen Schnellverbindung auf ihr Geschäft. Direktor Christen Baumann hört zwar von Wochengästen, dass sie statt im Auto diesmal mit der Bahn angereist sind. Die Verdoppelung der SnownRail-Pässe für Zermatt auf 1200 entspreche jedoch nur zwei Promille der von November bis Januar verkauften Tageseintritte. «Die Neat ist positiv, aber der um 10 Prozent gesteigerte Umsatz ist auf das verbesserte Angebot unserer eigenen Bahnen zurückzuführen», sagt Christen.
Im stark auf Wochengäste ausgerichteten Zermatt verzeichnete die Hotellerie seit Dezember ein Plus von rund 7 Prozent. Im Lötschental spricht Lukas Kalbermatten, Hotelier und Präsident der Tourismusregion, von einer «Bombensaison». Gäste und Pendler hätten allerdings über altes Rollmaterial geklagt, das die BLS auf der Bergstrecke einsetzt. Kalbermatten hofft, dass die Bahn dieses Problem dank Millioneninvestitionen in neues Rollmaterial bald behebt. Den Neat-Effekt beurteilt er etwas nüchterner. In diesem Winter habe auch für Hoteliers in Graubünden alles gestimmt: gute Wirtschaftslage, viel Schnee und ein starker Euro.
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