Wirtschaft
Banken prellen die Sparer um Milliarden
13. März 2008, 22:27 Von Bruno SchlettiAls hätten sie sich abgesprochen, halten die Schweizer Banken die Sparzinsen tief. Den Sparern entgehen so mindestens zwei Milliarden Franken jedes Jahr.
Ob Grossbank, Kantonalbank, Genossenschaftsbank – die Verzinsung der Spargelder ist in der Schweiz erbärmlich. Würde Wettbewerb wie in Deutschland herrschen, müssten die Banken ihren Schweizer Kunden jährlich mehrere Milliarden Franken mehr Zins abtreten.
Die UBS positioniert sich mit derzeit 0,875 Prozent Sparzins besonders schlecht. Viele Konkurrenten tummeln sich mit 1 Prozent im Mittelfeld. Die Migrosbank gibt sich mit ihren 1,125 Prozent zwar spendabler, aber keineswegs spendabel. Und die Raiffeisenbank verzinst die Sparguthaben wohl mit 1,375 Prozent, aber nur jene ihrer Mitglieder. Nicht-Genossenschafter behandelt sie so schnöd wiedie UBS alle ihre Sparkunden.
Deutsche Banken gehen mit ihrer Kundschaft anders um (TA vom Dienstag). 3,25 Prozent Zins auf dem Sparkonto ist normal. Onlinebanken sorgen mit besseren Konditionen für Wettbewerb. Die Volkswagen Bank direkt bietet 3,6 Prozent, Marktführer Comdirect 3,8 Prozent. Und der Detailhändler Lidl lockt gar mit einem Tagesgeldkonto mit 4,8 Prozent Zins.
Schweizer Banken würden die Bedingungen, mit denen sie ihre Sparkundschaft abfertigen, selber nie akzeptieren. Leihen sich die Banken gegenseitig Geld aus, wird der Kreditgeber weit besser entschädigt als der Kleinsparer. Dieser so genannte 3-Monats-Libor lag in der Schweiz in den letzten Tagen bei 2,8 Prozent. Keine Bank würde sich für ihre Ausleihe mit einem Spargeldzins zufrieden geben.
Man mag einwenden, dass in Deutschland das Zinsniveau generell höher liegt. Auch das der Dreimonatsgelder. Tatsächlich verrechnen sich deutsche Banken gegenseitig für solche Kredite aktuell rund 4,6 Prozent. Entscheidend ist aber das jeweilige Verhältnis vom 3-Monats-Libor zum Sparzins, wie Marc Weber, Anlageexperte beim VZ Vermögenszentrum, betont. Dieses sieht für Schweizer Sparer schlecht aus – vor allem, wenn man neben dem Zins auch die anfallenden Gebühren für Kontoführung, Zahlungsverkehr, Konto- und Kreditkarten berücksichtigt.
Das VZ hat einen aktuellen durchschnittlichen Sparzins von 0,9 Prozent berechnet. Das entspricht einem Drittel des Liborzinses von 2,8 Prozent, den sich die Banken gegenseitig gewähren. Die Differenz beträgt 1,9 Prozent. Das ist das, was die Bank verdient.
In Deutschland liegt diese Zinsspanne zwischen 0,8 und 1,35 Prozent – also wesentlich tiefer. Auch daraus geht hervor, dass Schweizer Banken ihre Sparkunden wesentlich schlechter entschädigen als das deutsche Banken tun.
Die Nationalbank weist per Ende 2007 ein Sparguthaben auf Schweizer Banken von insgesamt 335 Milliarden Franken aus. Verzinst mit 0,9 Prozent wird dieses Guthaben mit gut 3 Milliarden entschädigt. Würden sich die Banken – wie in Deutschland – mit einer Marge von 1,35 oder gar 0,8 Prozent zufrieden geben, müssten sie den Sparern statt nur 3 zwischen 4,8 und 6,7 Milliarden an Zins zurückerstatten.
Postfinance sorgt für (wenig) Markt
Das tun sie aber nicht. Die Spargelder fliessen. Die Margen sind gut. Alle lassen es sich dabei wohl sein. Selbst Maurice Pedergnana, Finanzmarktprofessor und Bankrat der Zürcher Kantonalbank, sagte im Interview (TA vom Mittwoch), dass bei den Sparzinsen kaum Wettbewerb herrsche. «Niemand tut sich weh.»
Einziger Störefried im Land ist die Postfinance. Die Post-Tochter begnügt sich bei den E-Depositokonti mit einer «deutschen» Marge und gewährt ihren Kunden einen Zins von 2 Prozent. Auch Postfinance ist aber kein Musterknabe. Bei andern Konti – etwa im Vorsorgebereich – oder bei der Verzinsung von Kassaobligationen marschiert die Postbank im Gleichschritt mit dem Rest der Branche.
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