Wirtschaft

Palastrevolution in Walliser Handelsholding

20. März 2008, 00:02 – Von Andreas Valda

La Valaisanne ist Nummer sechs im Schweizer Detailhandel. An ihrer Spitze stehen zwei Männer mit fragwürdigen Praktiken. Nun regt sich Widerstand.

Der eine heisst Jean-Claude Gonnet. Als Präsident beherrscht er mit Einzelunterschrift das ganze Firmengeflecht unter dem Dach der La Valaisanne Holding. Der bald 56-jährige Franzose diente im Militär und half 2002 bei der Lieferung russischer Waffen zur Niederschlagung eines Aufstandes in der Elfenbeinküste.

Der andere heisst Claude Monnier, und ist ebenfalls Franzose. Er wurde 1982 auf Tahiti mutmasslich wegen Vermögensdelikten ausgewiesen und sass laut übereinstimmenden Quellen Anfang der Neunzigerjahre in Frankreich wegen Steuerbetrugs in Haft. Beiden, Gonnet und Monnier, wurde es in Frankreich verboten, ein Unternehmen zu führen. In der Schweiz stehen sie an der Spitze der La Valaisanne und vieler Tochterfirmen  darunter sind die 529 Pam- und 119 Treffpunkt-Dorfläden  und damit immerhin der Nummer sechs im Schweizer Detailhandel.

Intern regt sich Widerstand

Gegen die Führung der beiden Franzosen regt sich jetzt Widerstand. Mehrere interne und externe Mitarbeiter legten dem TA gravierende Missstände im Betrieb dar. Beklagt werden die folgenden Vorgänge:

  • Missbrauch von Geschäftsvermögen: Jean-Claude Gonnet habe sich private Reisen bezahlen, private Importe von der Firma verzollen lassen, Personal privat genutzt und Material für private Zwecke verwendet. Einen Teil der Ausgaben liess er sich mittels Entgelten aus den Kassen der Tochterfirmen finanzieren, darunter Pam.
  • Missbrauch von Firmenkrediten: Gonnet und Monnier kauften im Auftrag der Holding Firmen in Madagaskar. Die Firmen betreiben Aufzucht und Export von Crevetten, darunter für die Schweiz. Die Investition beträgt rund 30 Millionen Franken. Bezahlt wurden die Firmen mittels Krediten zweier französischer Handelsbanken mit Bankgarantien der La Valaisanne Holding. Dennoch halten Gonnet und Monnier die Mehrheit an den Firmen, darunter Fair Plus Madagaskar mit einem Anteil von 60 Prozent.
Während Gonnet als unberechenbar gilt und als «der Geschäftsführung untauglich» geschildert wird, gilt Monnier als intelligent und gerissen im Einfädeln von Deals. Dabei arbeitete er bis 2007 mit Gérard Aïm zusammen, einem im Genf wohnhaften Franzosen. Der 63-Jährige, wie Monnier gebürtiger Algerier, wurde am 23. Mai 2006 in Freiburg in zweiter Instanz wegen Betrugs, versuchter Nötigung und unlauteren Wettbewerbs zu 15 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt mit einer Bewährung von drei Jahren.

Ein dem «Tages-Anzeiger» vorliegendes Dokument belegt, dass Aïm und Monnier 2007 eine Firma in der Schweiz hatten  die Rede ist von einer «Beteiligung von 50/50», die sie zum Inkasso von Kommissionen aus Geschäften mit der La Valaisanne Holding benützen wollten. So verlangte Aïm etwa 6 Euro pro Kilogramm importierte Meeresfrüchte, rund 25 Prozent des Warenwerts  ohne jede Gegenleistung. Laut Insidern wurden auch überrissene Kommissionen beim Kauf zweier Firmen mit Cafébars (Segafredo) und Tankstellenshops (für Tamoil) mit Sitz in Bulle FR verlangt. Die Rede ist von mindestens 4 Prozent des Verkaufswerts, üblich wären 2. An der Spitze der beiden Firmen sitzen Gonnet und Monnier.

Die Vorwürfe im Kern bestätigt

Nach über drei Jahren Leitung der La Valaisanne durch Gonnet, der Monnier an Bord holte, haben es die Mitarbeitenden satt, als Strohmänner hinhalten zu müssen. «Wegen der Misswirtschaft von Gonnet und Monnier sind rund 1300 Arbeitsplätze in der Schweiz und weitere rund 1000 Arbeitsplätze in Madagaskar gefährdet», sagt einer. Dies gelte es zu verhindern.

Der Westschweizer Jean-Marc Roduit und der Basler Jürg Rückert versuchen als Chefs der zwei wichtigsten Tochterfirmen Pam (Dorfläden) und Valrhône (Verteilzentrum) wichtige Positionen in der Hierarchie zu belegen und Gonnet und Monnier zu verdrängen. Die Nagelprobe wird die Generalversammlung der La Valaisanne Holding vom 28. März sein. Dann wird der Vertreter der Hauptaktionärin, der reichen französischen Familie Baud, entscheiden, ob sie Gonnet und damit Monnier des Amtes entheben und so deren Praktiken ein Ende setzen will.

Darauf drängen laut Insidern auch die französischen Entwicklungsbanken Proparco und BEI (Banque européenne dinvestissement). Sie finanzieren die Firmen auf Madagaskar. Sie verlangen von der Familie Baud eine Wiederherstellung der korrekten Mehrheitsverhältnisse. Das Bedeutet, dass La Valaisanne Holding wiederum die Mehrheit von 85 Prozent an Fair Plus Holding erhält. Zudem fordern sie die Entfernung von Gonnet und Monnier.

Auch schweizerische Gläubigerbanken, die Freiburger und Walliser Kantonalbank, sind besorgt. Letzten Freitag wurden mehrere Detailhandelsimmobilien von der Tochter Le Parc Immobilier, die von Gonnet und Monnier präsidiert wird, in die Tochtergesellschaft Pam «reintegriert»  unter die Kontrolle des Schweizers und ehemaligen Armee-Obersten Jean-Marc Roduit. Der Wechsel wurde «auf Geheiss der Aktionäre, also der Familie Baud, vollzogen», sagt ein Gewährsmann. Gonnet und seine Mitstreiter, darunter der ehemalige Holding-Sekretär Michel Zen Ruffinen, hatten nach der Gründung der Holding 2004 veranlasst, Immobilien in eine separate Gesellschaft auszulagern.

Der «Tages-Anzeiger» unterbreitete Gonnet und Monnier die Vorwürfe im Detail. Während der Präsident die Fragen gänzlich unbeantwortet liess, meldete sich Bertrand Monnier nach mehreren Tagen. Er bestätigte, dass er und Jean-Claude Gonnet die Mehrheit an der madagassischen Firma Fair Plus Holding halten und dass zurzeit die Besitzverhältnisse gemäss Forderung der Banken zu Gunsten der Holding korrigiert werden. Seine Anteile von 40 Prozent begründete Monnier wie folgt: «Gonnet entschädigte mich mit diesem Anteil für meine umfangreichen Leistungen im Aufbau dieser Geschäftsverbindung.» Er bestätigte auch, eine gemeinsame Firma mit Aïm gehalten zu haben: «Aber die Firma wurde nie aktiv, und ich gab letztes Jahr meine Aktienanteile an Gérard Aïm zurück», beteuert Monnier. Er betont: «Am Kauf der Cafébars in Bulle war ich in keiner Weise beteiligt und kassierte keine Kommissionen.»

Aïm bestreitet alles

Gérard Aïm weist alle Vorwürfe von sich. «Die Firma, die mich beschäftigt, hat 3 Prozent Kommission für die Vermittlung der Kette Bepa Shop erhalten. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, was die Analyse und Überprüfung der Bücher und der Besuch von 21 Verkaufspunkten an Aufwand verursachten.» Auch habe er nie Kommissionen für importierte Krabben erhalten. Und: «Ich habe nie eine gemeinsame Firma mit Bertrand Monnier besessen.» Monnier freilich sieht das ganz anders.

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