Kloster-Gespräche brachten kein Resultat

21. März 2008, 21:00 – Von René Lenzin

Das Tessiner Streikkomitee und die SBB haben sich am Karfreitag in einem Kloster zu stundenlangen Verhandlungen getroffen. Eine substanzielle Annäherung haben sie aber noch nicht erzielt.

Moritz Leuenbergers Generalsekretär Hans Werder und SBB-Chef Andreas Meyer.
Keystone Moritz Leuenbergers Generalsekretär Hans Werder und SBB-Chef Andreas Meyer.

Im Arbeitskonflikt um die SBB-Werkstätte Bellinzona dominieren seit gestern Karfreitag nicht mehr Kampfrufe, sondern Stillschweigen und Dialog. In einem Kloster in der Gegend von Lugano haben sich die SBB-Führung unter CEO Andreas Meyer sowie das Streikkomitee und die Gewerkschaften zu Gesprächen getroffen. Diese begannen kurz vor Mittag und dauerten bis in den Abend hinein. Teilgenommen haben insgesamt rund 20 Personen – unter ihnen auch der Generalsekretär von Moritz Leuenbergers Verkehrsdepartement, Hans Werder.

Obwohl sich beide Seiten zuvor versöhnlich und dialogbereit gezeigt hatten, schienen gestern kaum Fortschritte erzielt worden zu sein. «Ein Resultat ist noch sehr weit weg», sagte die Tessiner Regierungspräsidentin Patrizia Pesenti am Radio der italienischen Schweiz. Mit Verkehrsdirektor Marco Borradori hat sie teilweise an den Gesprächen teilgenommen. Nur schon das Vertrauen zwischen den Parteien herzustellen, sei schwierig, sagte Borradori. Er setzt auf einen Mediator, wie dies auch Moritz Leuenberger angeregt hatte. Für diese Rolle soll Marco Solari im Gespräch sein, der Präsident des Tessiner Verkehrsvereins und des Filmfestivals von Locarno.

Simultanübersetzer engagiert

Die SBB hoffen, dass die Arbeiter ihren Streik am Dienstag abbrechen. Knackpunkt ist, dass die Streikenden schriftliche Garantien verlangen, bevor sie an die Arbeit zurückkehren. Aus Angst vor einem Präzedenzfall wollen die SBB aber nicht darauf eingehen. Sie befürchten, dass sich das gleiche Szenario sonst auch in Freiburg abspielen könnte, wo ebenfalls ein Stellenabbau vorgesehen ist.

Die Verhandlungen fanden hinter geschlossenen Türen statt. Im Verhandlungssaal soll eine Simultanübersetzung installiert worden sein, damit sich die Kontrahenten besser verstehen als vor einer Woche in Biasca. Damals war die Ortswahl ungeschickt gewesen: Die SBB hatten ausgerechnet das Dorf ausgesucht, in dem sie vor einigen Jahren bereits eine Werkstätte geschlossen hatten. Zudem hatten sie ihr schriftliches Verhandlungsangebot nur in deutscher Sprache mitgebracht.

Wie gross das Misstrauen der streikenden Arbeiter immer noch ist, hatten sie an der Betriebsversammlung vom Donnerstag demonstriert: So lange ihre Bedingungen nicht schwarz auf weiss erfüllt seien, gehe der Streik weiter, beschlossen sie. Und dies, obwohl ihnen die SBB nochmals entgegen gekommen waren: Sie machten den Streikabbruch nicht mehr zur Bedingung für die Aufnahme von Gesprächen.

Zwar sprach Streikführer Gianni Frizzo nach der dringlichen Debatte im Nationalrat von «grossen Fortschritten». Verkehrsminister Leuenberger und SBB-Chef Andreas Meyer hatten zugesichert, «ergebnisoffen» in weitere Verhandlungen zu gehen. Doch Frizzo sagte auch, man bleibe auf der Hut und halte den Druck mit dem Streik aufrecht.

Unter anderem hatte Meyer eine Diskussion darüber angeregt, den Unterhalt sämtlicher Elektrolokomotiven von Yverdon nach Bellinzona zu verlegen. Bis heute kümmert sich Bellinzona um die Loks von SBB Cargo, Yverdon um diejenigen des Personenverkehrs. Hintergrund des SBB-Cargo-Sanierungsplans sind Überkapazitäten beim Unterhalt der Lokomotiven (siehe unten). Die streikenden Arbeiter in Bellinzona stellen diesen Umstand nicht in Abrede. Es sei jedoch nicht ihr Problem, «wenn Yverdon nicht ausgelastet ist», sagte Frizzo diese Woche an einer Betriebsversammlung.

Verwaltungsrat macht Tempo

Auch der SBB-Verwaltungsrat hat vorgestern getagt. Dem Vernehmen nach sind keine Beschlüsse zur Cargo-Krise gefasst worden. Die Verwaltungsräte sollen jedoch darauf gedrängt haben, die Unterlagen der von der SBB eingesetzten Taskforce rascher zu erhalten, um mit der Strategieentwicklung vorwärts machen zu können.

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