Beten für «Auferstehung» der SBB-Werkstätten

23. März 2008, 16:00

Bei einem Gottesdienst in den Cargo-Hallen in Bellinzona forderte der Tessiner Bischof die SBB-Angestellten zum Dialog auf. Pier Giacomo Grampa setzt auf österliche Symbolik.

An Ostern werde die Auferstehung des Herrn gefeiert. Er hoffe, dass nun die Renaissance der SBB-Werkstätten folge, so Grampa in seiner Industriehallen-Predigt. Die streikenden Angestellten forderte er zum Dialog auf. «Euer Streik hat schon viel verändert», sagte der Bisichof. «Ich bete, dass ihr nun neue und valable Lösungen findet.»

Grampa wünschte seinen «Freunden in den Werkstätten», dass sie eine ähnlich schöne Überraschung erleben werden wie die Jünger, die das Grab Jesu an Ostern leer vorfanden. «Die Zeit des Leidens und Sterbens ist nun vorbei», sagte Grampa zu den rund tausend Teilnehmern am Gottesdienst. «Glauben wir an die Zukunft und nicht an das Scheitern.»

Schicksal von Monteforno vermeiden

Es war nicht das erste Mal, dass im Tessin ein Bischof für den Erhalt von Arbeitsplätzen kämpfte. Bereits Mitte der 1990er Jahre hatte Eugenio Corecco eine Messe in der Stahlfabrik Monteforno zelebriert und gegen die Profitgier der Manager gewettert. Der Fabrikbetrieb wurde jedoch Ende Januar 1995 definitiv eingestellt.

SBB Cargo plant in Bellinzona den Abbau von 126 Stellen sowie die Verlagerung des Lokomotiven-Unterhalts nach Yverdon. Die Streikenden fordern, dass diese Restrukturierungsmassnahmen rückgängig gemacht werden.

Neue Gespräche morgen

Am Ostermontag wird sich das Streikkomitee erneut zu geheimen Gesprächen mit der SBB-Spitze treffen. Gleichzeitig ist in den Werkshallen in Bellinzona eine Vollversammlung einberufen worden. Das Streikkomitee will die Angestellten dabei über den Ausgang der Gespräche informieren. Nochmals zwölf Stunden, wie am Karfreitag, werde man mit SBB-Chef Andreas Meyer sicherlich nicht verhandeln, sagte ein Gewerkschafter der Nachrichtenagentur SDA.

«Wir hoffen, dass uns die SBB endlich die geforderten Garantien gibt», sagte Streikführer Gianni Frizzo auf Anfrage. Er zeigte Verständnis für den Dialog-Aufruf des Bischofs, entgegnete aber: «In der Öffentlichkeit nimmt man nur wahr, wie uns der SBB-Chef die Hand reicht, sieht aber nicht, dass er in der anderen Hand eine Pistole hält.» Liefert die SBB-Spitze den Streikenden die geforderten Garantien für die Zukunft des Standortes Bellinzona, dann wird der am 7. März begonnene Streik voraussichtlich abgebrochen.

Lega droht mit Blockade

Sollte es zu keiner Einigung kommen, könnten die Tessiner schweres Geschütz auffahren. Das Lega-Blatt «il Mattino» schrieb am Sonntag, dass sich der Zeitpunkt einer Bahn- und Strassenblockade am Gotthard nähere. «Wenn die SBB am Montag keinen Schritt zurück macht, dann werden wir eine Blockade organisieren», schreibt die Zeitung.

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