Wirtschaft

Gratisblätter setzen Siegeszug fort

24. März 2008, 00:15

Die Gratiszeitungen haben 2007 in der Schweiz weiter zugelegt und in der Romandie sogar sprunghaft Leser gewonnen. Der Krebsgang der grossen Bezahlzeitungen setzt sich dagegen fort.

Das geht aus der heute publizierten neuesten Erhebung der Wemf AG für Werbemedienforschung hervor. Der Trend zu den Gratiszeitungen dürfte sich sogar noch verstärken, denn in der neusten Studie sind die jüngsten Gratisblätter «.ch» und «News» noch nicht berücksichtigt. «.ch» ist seit Mitte September 2007 auf dem Markt, «News» seit Anfang Dezember 2007.

Das Pendlerblatt «20 Minuten» des Tamedia-Konzerns blieb auch bei der jüngsten Erhebung die mit Abstand am meisten gelesene Tageszeitung. Sie legte gegenüber der letzten Erhebung weitere 2,4 Prozent auf eine Reichweite von 1,244 Millionen zu. Gewaltige Sprünge machten die beiden Westschweizer Gratisblätter: «20 Minutes» gewann 41,3 Prozent zusätzliche Leserinnen und Leser, blieb mit einer Reichweite von 390’000 aber hinter dem Konkurrenten «Le Matin bleu» zurück.

Das Gratisprodukt aus dem Haus Edipresse legte um 32,9 Prozent auf eine Reichweite von 469’000 zu und ist damit weiter die mit Abstand am meisten gelesene Zeitung in der Romandie. Auch das Ringier-Abendgratisblatt «Heute», das demnächst einer Abendausgabe des «Blicks» weichen soll, gehört zu den Gewinnern: Es verbesserte sich um 12,6 Prozent auf eine Leserschaft von 259’000.

Bezahlzeitungen verlieren

Zu den Verlierern gehörten in der Deutschschweiz die meisten grossen bezahlten Tageszeitungen, wobei in vielen Fällen aus methodischen Gründen kein direkter Vergleich mit der Vorperiode möglich ist. Der «Blick» büsste weitere 2,5 Prozent an Reichweite ein und kommt noch auf 672’000 Leser. Fast fünf Prozent verlor die «Neue Zürcher Zeitung», womit die Reichweite unter die Marke von 300’000 fiel. Eine von der Wemf als signifikant eingestufte Einbusse von 5,8 Prozent gab es zudem für die «NZZ am Sonntag», deren Reichweite auf 451’000 sank.

Der «SonntagsBlick» setzte seine Talfahrt ebenfalls in signifikantem Ausmass fort, blieb mit 944’000 Lesern aber an der Spitze der Sonntagsblätter. Einbussen gab es auf dem durch zusätzliche Bewerber umkämpften Sonntagsmarkt auch für die «SonntagsZeitung». Noch nicht in die Erhebung aufgenommen wurde die neue Konkurrenz «Sonntag» der AZ-Mediengruppe. Die «Südostschweiz am Sonntag» wird erstmals mit einer Reichweite von 83’000 aufgeführt.

In der Westschweiz büsste die bezahlte Boulevardzeitung «Le Matin» 6,6 Prozent an Reichweite ein und fiel mit einer Leserschaft von 296’000 klar hinter «20 Minutes» auf Platz 3 zurück. «24heures» konnte sich hingegen an vierter Stelle gut behaupten.

Auch die Grössten mit Einbussen

Die grössten Zeitschriften büssten durchs Band etwas an Reichweite ein. Hier sank auch die Gesamt-Nettoreichweite von 92,6 auf 92,0 Prozent, was den tiefsten Wert in den letzten acht Jahren bedeutete.

Auch die beiden auflagestarken Mitgliederzeitungen von Coop (minus 0,6 Prozent) und Migros (minus 0,2) verloren, ebenso traditionelle Titel wie «Schweizer Illustrierte» (minus 2,8 Prozent), «Beobachter» (minus 2,4 Prozent) und «Schweizer Familie» (minus 1,5 Prozent).

Die «Weltwoche» musste von der in der Vorerhebung gemachten Verbesserung wieder leicht an Terrain preisgeben. Bei den Wirtschaftszeitungen konnte die «Handelszeitung», die einen Teil der Abonnenten des eingestellten Ringier-Produkts «Cash» übernahm, die Reichweite etwas ausbauen.

Die jüngste Erhebung basiert auf der Befragung von 23’742 Personen, davon rund 17’000 in der Deutschschweiz. Die Umfrage wurde zwischen September 2006 und September 2007 durchgeführt.

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