Wirtschaft

Harsche Kritik an Meyers Entschädigungspaket

30. März 2008, 20:04 – Von Annetta Bundi

Die hohen Bezüge von SBB-Chef Andreas Meyer irritieren die Politiker. Fast noch stossender finden sie, dass die SBB ihm darüber hinaus sein Haus in Deutschland abgekauft haben.

SBB-Chef Andreas Meyer tritt am Montag in der Verkehrskommission des Ständerats auf, um die Politiker über die Probleme bei der Güterbahn zu informieren. Anders als geplant, wird er sich auch zum Salär äussern müssen, das er im letzten Jahr bezogen hat. Dieses hat heute zu heftigen Reaktionen geführt. «Das geht so einfach nicht», ärgert sich SP-Ständerat Ernst Leuenberger. «Ein Bundesbetrieb, der derart stark von öffentlichen Gelder abhängig ist wie die SBB, muss sich bei den Löhnen mässigen. Sonst verliert er jede Glaubwürdigkeit»

Bundesratslohn kein Massstab mehr

Meyer hat neben einem Grundsalär von 500’000 Franken, einem leistungsabhängigen Beitrag von 200’000 Franken, einer Spesenpauschale sowie einem jährlich anfallenden Zustupf für die Altersvorsorge auch noch 200’000 Franken als Ausgleich für einen Bonus erhalten, der ihm durch den Wechsel in die Schweiz bei der Deutschen Bahn entgangen ist. Weitere 250’000 Franken wurden ihm bezahlt, um die Pensionskasse aufzubessern. Insgesamt hat er über 1,2 Millionen Franken erhalten.

Das halten selbst bürgerliche Politiker für überrissen. Dass der Ausgleich für den Bonus und die Einlage in die Pensionskasse einmalige Zahlungen sind, macht für sie die Sache nicht besser. «Meyer erhält fast dreimal soviel Geld wie ein Bundesrat», sagt FDP-Ständerat Rolf Büttiker. «Das ist zuviel.» Als noch stossender stuft er indes das Geschäft mit dem Haus ein, das Meyer vor der Wahl zum SBB-Chef in der Nähe von Frankfurt gebaut hat. Die SBB haben es ihm abgekauft, um ihm einen raschen und reibungslosen Wechsel in die Schweiz zu ermöglichen, wie Konzernsprecher Roland Binz gestern bestätigte. Pikant ist: Die Bahn hat das Haus nicht zum Marktpreis, sondern zum Preis erstanden, den Meyer für den Bau bezahlt hat.

Nach Ansicht der SBB handelt es sich dabei um «übliche Transaktionskosten». Diese fielen bei der Besetzung von Kaderstellen an, um die mit einem Stellenwechsel verbundenen Nachteile auszugleichen. Büttiker kann nicht verstehen, dass der Verwaltungsrat dazu Hand geboten hat. «Das ist für die Büezer, die auf Grund der Restrukturierung bei der Güterbahn ihre Stelle wechseln und sich eine neue Bleibe suchen müssen, nicht nachvollziehbar. Ich hätte mir sowohl vom Verwaltungsrat als auch von Meyer mehr Fingerspitzengefühl gewünscht.» Solche Geschäfte schadeten der Glaubwürdigkeit. «Ich hoffe, dass die involvierten Stellen den Hauskauf kritisch hinterfragen und daraus die nötigen Konsequenzen ziehen.»

Nun gerät Verwaltungsrat ins Visier

Der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner geht mit den SBB ebenfalls hart ins Gericht. Seine Kritik richtet sich vorab an den Verwaltungsrat unter der Führung von Thierry Lalive d’Epinay. «Er ist auf alle Forderungen Meyers eingegangen, weil er ihn wegen des eigenen Unvermögens dringend brauchte.» Er empfiehlt nun dem Verwaltungsrat, «in globo abzutreten». Dem Bundesrat legt er nahe, Peter Siegenthaler von der Finanzverwaltung oder Rudolf Dieterle vom Bundesamt für Strassen in den Verwaltungsrat abzudelegieren. «Es braucht dieses Bindeglied.»

Etwas gnädiger beurteilt der Glarner SVP-Ständerat This Jenny die Entscheide der SBB. «Meyer erhält ein stattliches Salär, keine Frage. Wenn er seine Arbeit gut macht, habe ich dagegen aber nichts einzuwenden.» Für den Kauf der Liegenschaft in Deutschland hat der Bauunternehmer dagegen kein Verständnis. «Das hätte ich nicht gemacht, das ist ein falsches Signal», fügt Jenny mit Verweis auf die Restrukturierungspläne der Bahn an.

Die SBB-Spitze wollte heute zur Kritik am ausgehandelten Entschädigungspaket keine Stellung nehmen. Sie wird sich aber am Mittwoch, anlässlich der Bilanzpressekonferenz, dazu äussern. Dann wird auch klar, ob die Bahn im Personenverkehr ebenfalls einen Rückschlag hinnehmen muss. Vor sieben Jahren gerieten die SBB wegen ihrer Entschädigungspolitik schon einmal in die Schlagzeilen. Der Verwaltungsrat hatte beschlossen, dem damaligen Chef Benedikt Weibel den Lohn inklusiv Bonus auf 720’000 Franken zu verdoppeln. Weibel verzichtete in der Folge auf einen Teil des Salärs. Allerdings nur vorübergehend: Im letzten Jahr bei den SBB hat er gemäss Kaderlohnreport des Bundes dank einer Sonderzahlung in die Pensionskasse rund 800’000 Franken erhalten.

In dieser Grössenordnung bewegen sich inzwischen auch die Bezüge von Post-Chef Ulrich Gygi und Ruag-Chef Toni Wicki. Deren Löhne sind in den letzten paar Jahren kontinuierlich gestiegen. Selbst SRG-Chef Armin Walpen und Suva-Chef Ulrich Fricker verdienen heute mehr als ein Bundesrat.

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