Wirtschaft
Merz, Analysten und Anlagestiftungen zufrieden
01. April 2008, 14:15Anlagestiftungen unterstützen den Rücktritt von UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel ebenso wie Analysten, die Eidgenössische Bankenkommission und Finanzminister Merz.
Hans-Rudolf Merz hat die jüngsten Massnahmen der UBS begrüsst. Der Finanzminister rechnet wegen der Milliardenverluste der Grossbank aber mit Steuerausfällen von je einer Milliarde Franken in diesem und im nächsten Jahr, wie er in einem Interview von Schweizer Radio DRS sagte.
Dieser Ausfall müsse nun beim nächstjährigen Bundesbudget eingespart werden. Die weiteren Milliardenverluste kämen nicht unerwartet und seien sehr unerfreulich. Das ganze Ausmass der Immobilienkrise in den USA werde nun allmählich sichtbar. «Ich bedaure das zutiefst», sagte Merz, lobte aber zugleich die von der UBS ergriffenen Massnahmen. Dazu gehöre last but not least auch der Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel.
Ethos überrascht von hohem Abschreiber
Die Anlagestiftung Ethos, die als kritische Aktionärin die UBS-Krise begleitet, begrüsst den raschen Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel. «Wir sind zufrieden, dass Herr Ospel sich nicht mehr als Teil der Lösung des Problems sieht und die Konsequenzen zieht», sagte Ethos-Direktor Dominique Biedermann heute auf Anfrage. Die Kandidatur von Peter Kurer sei zu begrüssen; mit ihm rücke ein längjähriger und erfahrener UBS-Mann nach.
Die UBS sollte die Chance nutzen, so Biedermann, und eine Erneuerung des Verwaltungsrates einleiten. Die meisten Verwaltungsräte der grössten Schweizer Bank kämen nicht aus der Finanzbranche. Kurer sei Rechtsanwalt. Es brauche also Bankkenntnisse in dem Aufsichtsgremium.
Überrascht zeigte sich Biedermann über die Höhe der Abschreibungen im ersten Quartal 2008. «Die 19 Milliarden Dollar sind weit mehr, als vom Markt erwartet worden war.» Die vorgeschlagene Kapitalerhöhung sei vor diesem Hintergrund ein absolutes Minimum. Er frage sich, ob sie ausreiche, um das Vertrauen der Kunden und Aktionäre zu bewahren.
Zustimmung von Stiftung Profond
Die Sammelstiftung Profond unterstützt den Vorschlag des UBS-Verwaltungsrats, eine ordentliche Kapitalerhöhung um 15 Milliarden Franken vorzunehmen. Profond-Präsident Herbert Brändli gab heute in Thalwil am Zürichsee bekannt, er habe dies dem UBS-Verwaltungsrat am Morgen bestätigt. Ein Rückzug des eigenen Antrags auf eine Kapitalerhöhung um zehn Milliarden Franken sei auf Grund der Formulierung nicht nötig.
Zum Rücktritt von Marcel Ospel sagte der Profond-Präsident, er sei froh, dass der Verwaltungsratspräsident den Weg freimache. «Ich hoffe, dass noch ein paar Mitglieder aus der Staffage des Verwaltungsrats folgen werden», setzte er hinzu.
Analysten: Lob und Mahnungen
Der Analyst Javier Lodeiro von Sal Oppenheim registrierte zwei gute Nachrichten in der UBS-Mitteilung: Ospels Rücktrittsankündigung und die erhebliche Reduktion der UBS-Risikopositionen im US-Immobilienmarkt. Auch bei Helvea wurde Ospels Rücktritt begrüsst. Die UBS kann nun laut Helvea-Analyst Peter Thorne die Kostenbasis der Investmentbank reduzieren – möglicherweise mit Blick auf deren Verkauf. Allerdings sei das Fehlen eines klaren Signals zu deren Zukunft enttäuschend.
Vontobel-Analystin Claudia Meier kommentierte, die Massnahmen verschafften der UBS wieder viel Spielraum. Andreas Venditti von der Zürcher Kantonalbank sieht die UBS allerdings weiterhin exponiert: Sie weise immer noch beträchtliche Risikopositionen aus, obwohl diese im Subprime-Markt seit Ende 2007 von 27,6 Milliarden auf 15 Milliarden Dollar beziehungsweise bei den Alt-A-Papieren von 26,6 Milliarden auf 15 Milliarden Dollar reduziert worden seien.
Bei der St. Galler Privatbank Wegelin & Co hiess es, die UBS müsse nun in einem äusserst unangenehmen Minenfeld finanzielle Opfer erbringen. Laut dem Wegelin-Marktkommentar stellt sich die Frage, ob mit der jüngsten Abschreibungsankündigung «endlich alle Leichen aus dem Keller geräumt wurden». Zudem sei zu hinterfragen, ob das «Geständnis» eines Netto-Geldabflusses nicht auch einen Kundenexodus im Private Banking auslöse.
Bankenkommission: Rücktritt richtig
Die Verantwortlichen der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) begrüssen den Rücktritt von UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel. Man habe diesen Schritt erwartet und begrüsse ihn, sagte EBK-Präsident Eugen Haltiner heute an der Jahresmedienkonferenz in Bern. Die personelle Konsequenz aus der aktuellen Krise zu ziehen, bilde neues Vertrauen. Der Abgang sei somit eine Chance für die UBS.
Haltiner zeigte sich zuversichtlich, dass eine Neuorientierung an der Spitze der UBS die Bank aus der Krise herausführen könnte. Ospels designiertem Nachfolger, UBS-Konzernleitungsmitglied Peter Kurer, traut die EBK einiges zu. «Er ist mehr als nur ein Jurist», sagte Haltiner: Kurer habe grosses unternehmerisches Flair.
Seit wann die EBK Kenntnis von Ospels Rücktritt hatte, wollte Haltiner nicht kommentieren. Auch zu der Frage, ob die EBK Ospels Entscheidung aktiv unterstützt habe, nahm der Präsident der Aufsichtsbehörde keine Stellung. Die EBK habe der UBS lediglich ihre Überlegungen mitgeteilt.
Personalverband: Hoffnung auf Beruhigung
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UBS bleibt trotz der Verunsicherung durch die grösste Krise in der Geschichte der Grossbank gelassen. Wie Mary-France Goy, Zentralsekretärin des Bankpersonalverbandes, heute sagte, ist die Stimmung beim Personal der UBS zwar getrübt, doch es herrsche keine Panik.
«Wir hoffen, dass mit der jüngsten Hiobsbotschaft weiterer Abschreibungen in Höhe von 19 Milliarden Dollar das Ende des Tunnels erreicht ist», so Goy weiter. Mit Ausnahme des Investment Bankings laufe das Bankgeschäft gut. Das Personal verrichte seine Arbeit wie gewohnt professionell, hiess es weiter. Konzernchef Marcel Rohner informiere das UBS-Personal laufend über die interne Kommunikation. Leider gebe es wie oft in Krisenzeiten auch derzeit Headhunter, die versuchten, Personal abzuwerben.
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