Wirtschaft

KOMMENTAR

Was ABB die Banken lehrt

24. April 2008, 22:12 – Von Andreas Flütsch

Schon wieder hat eine Schweizer Grossbank Milliarden von Franken abgeschrieben. Da fragt man sich, wo der Wurm steckt. Die Antwort ist einfach, auch wenn die Banker sie nicht gerne hören: Gier und Geltungssucht treiben sie immer wieder zu unheilvollen Abenteuern.

Erst brachte der forsche Bündner Mathis Cabiallavetta die UBS mit Wetten auf den Hedge Fund LTCM in Schieflage; dann führte Lukas Mühlemann die Credit Suisse mit einer verfehlten Expansionsstrategie ins Abseits. Und derzeit drohen beide Banken vereint in einem Meer von faulen Krediten zu ertrinken.

Da ist es wohltuend, dass der Industriekonzern ABB gleichzeitig einen Gewinnsprung ankündigt und an der Börse dafür mit einem Kurssprung belohnt wird. Die Geschäfte von ABB laufen blendend, seitdem sie sich auf ihre Wachstumsfelder – die Energietechnik und die Automation – konzentriert.

Das war nicht immer so. Credit Suisse und ABB lagen 2002 beide am Boden. Seither hat ABB hartnäckige Asbestprobleme gelöst und sich ihrer Randgeschäfte entledigt. Eine echte Wende brachte indes erst der Kulturwandel, für den der als Sanierer geholte und letztes Jahr abgetretene Jürgen Dormann sorgte. Percy Barnevik und andere Ex-Manager, die sich grosszügige Pensionen gewährt hatten, mussten Millionen zurückzahlen. Manager, die mit korrupten Praktiken Umsatz bolzten, wurden und werden gefeuert. Und den 107'000 Mitarbeitenden wurde ein Verhaltenskodex verordnet, der bis auf Punkt und Komma durchgesetzt wird.

Die Credit Suisse dagegen ist auf halbem Weg stehen geblieben, wie ihre Milliardenabschreiber zeigen. Und die einst vorbildliche UBS ist böse aus den Investmentbank-Träumen erwacht, die Marcel Ospel heraufbeschworen hatte, weil er in der grossen Welt des Bankings der Grösste sein wollte.

Gesunden werden die UBS und Credit Suisse erst, wenn die Bedürfnisse der Kunden die Manager wieder mehr umtreiben als Ego und Gier nach Bonusmillionen. So wie ABB es vorlebt. Dann stimmen am Schluss auch die Resultate – nicht nur im Moment, sondern auch in Zukunft.

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