Wirtschaft
Ein fairer Computer kostet nur 50 Franken mehr
20. Mai 2008, 23:02 Von Michael MeierFastenopfer und Brot für alle machen weiterhin Druck auf die Zulieferfabriken der Computerfirmen, die Arbeiterinnen endlich besser zu stellen.
Für die Konsumenten wären fair produzierte Computer finanziell gut verkraftbar. Mit einem Aufpreis von 50 Franken je Computer könnten sie existenzsichernde Löhne, geregelte Arbeits- und Ruhezeiten sowie Sicherheit und Sozialleistungen der Arbeitnehmerinnen garantieren. Davon sind die kirchlichen Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer überzeugt, die im Februar letzten Jahres die Kampagne «High Tech - No Rights» lanciert hatten, um Druck auf die Computerbranche zu machen. Nach einem guten Jahr haben die Hilfswerke mit einer neuen Studie nachgefasst. Die chinesische Partnerorganisation Sacom (siehe Bericht oben) hat die Erhebung in sieben Fabriken im Süden Chinas durchgeführt. «Die Situation in den Fabriken in Fernost hat sich kaum verbessert», bilanzierte Chantal Peyer, zuständig für die Entwicklungspolitik bei Brot für alle, am Dienstag vor den Medien.
Die Computerindustrie verletze noch immer grundlegende Menschenrechte: Die Arbeiterinnen werden ungenügend über ihre Rechte informiert, arbeiten 12 Stunden pro Tag, leisten monatlich zwischen 80 und 200 Überstunden und sind oft missbräuchlichen Disziplinarmassnahmen wie Lohnabzug sowie obendrein auch giftigen Dämpfen ausgesetzt.
Laut Peyer gibt es punktuelle Verbesserungen bei den Löhnen oder der Überstundenzahl. Manche Zulieferfirmen händigten den Mitarbeiterinnen ihren Verhaltenskodex aus und beschäftigten keine Kinder mehr. In einem Rating der fünf in der Schweiz führenden Computerfirmen schneidet Hewlett Packard am besten ab, weil sie Personal und Geld bereitgestellt hat, um ihren Verhaltenskodex umzusetzen. Fujitsu Siemens bildet das Schlusslicht. Acer hat angekündigt, im Sommer einen Verhaltenskodex anzunehmen.
Die Kampagne der Hilfswerke will auch etwas bei den hiesigen Einkäufern erreichen. So fordert Genf als erste Stadt Europas bei öffentlichen Ausschreibungen von den Unternehmen soziale Verantwortung. Gemäss Eric Favre, dem Direktor der Informatik- und Kommunikationssysteme der Stadt, müssen potenzielle Lieferanten ein Formular über soziale Verantwortung ausfüllen und ein Exemplar ihres Verhaltenskodex vorlegen.
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